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Johanna Graczyk arbeitet seit sechs Jahren als Fitness-Trainerin. Die 30 Jahre alte Sportwissenschaftlerin leitet vorwiegend Kurse in Power Yoga, Pilates und Rückengymnastik in der Sportfabrik der FTG Frankfurt.

"Den Männern geht es ums Ego"

Fitnesstrainerin Joanna Graczyk zu ihren beruflichen Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht

Frankfurter Rundschau: Joanna Graczyk, in den von Ihnen geleiteten Power-Yoga-Kursen liegt der Männeranteil bei mehr als 30 Prozent. Ist das nicht ungewöhnlich ?

Joanna Graczyk: Ja. Anfangs wurden die Kurse ausschließlich von Frauen besucht, auch weil sie nur auf Frauen ausgerichtet waren, sei es von der Musik als auch der Bewegung her. Die Männer haben sich nicht reingetraut, weil ihnen die Kurse koordinativ zu anspruchsvoll erschienen und sie wohl Angst hatten, ausgelacht zu werden. Stattdessen haben sie fast ausschließlich an den Kraftmaschinen trainiert.

Warum hat sich das geändert?

Bei den Männern in meinen Kursen ist es häufig so, dass sie Power Yoga als Ausgleich für ihr Krafttraining nutzen. Auch geht der Trend weg vom Aufpumpen der Muskeln, weil die Männer gemerkt haben, dass sie, wenn sie nur das machen, einfach unbeweglicher werden und sich irgendwann vor Muskelmasse nicht mehr beugen oder etwa anziehen können. Stattdessen gehen immer mehr Männer jetzt in ruhigere Kurse wie Yoga, in denen der Schwerpunkt auf Beweglichkeit und Dehnung liegt.

Wie wirkt sich der erhöhte Männeranteil auf die Kurse aus?

Männer bringen frischen Wind in die Stunden und streuen auch mal einen Witz ein. Anderseits gehen sie aber sehr viel ehrgeiziger an die Stunden ran als viele Frauen. Das stelle ich als Trainerin nicht nur im Kraftraum, sondern auch beim Power Yoga fest. Wenn wir längere Halteübungen machen, kämpfen die Männer immer richtig und geben alles, um die Übung durchzustehen.Hat das was damit zu tun, dass die Männer sich vor den Frauen und Ihnen als Trainerin nicht blamieren und keine Schwäche zeigen wollen?

In erster Linie geht es den Männern wohl ums Ego: Sie wollen es sich selber beweisen, zeigen, dass sie die Übung durchstehen können. Aber natürlich spielt auch eine Rolle, dass man vor den anderen in der Gruppe nicht nachstehen will - gerade wenn vorne eine Trainerin steht und die Übung so leicht vormacht.

Wie reagieren die Männer in den Kursen denn überhaupt auf Sie als Trainerin?

Mittlerweile ist das nichts Besonderes mehr, weil ich in den Kursen ja vorwiegend mit einem festen Kern an Teilnehmern arbeite. Neueinsteiger wundern sich dagegen häufig darüber, was ich so alles kann, wie beweglich ich bin und wie lange ich bestimmte Positionen halten kann. Ich bin ja nicht so der muskulöse Typ, da erwarten das die wenigsten und machen dann schon mal große Augen.

Fitness-Studios haben ja auch den Ruf der sozialen Kontaktplattform. Haben Sie dies auch in Ihren eigenen Kursen beobachtet? Wie hoch ist etwa der Flirtfaktor beim Power Yoga?

In den Kursen habe ich das noch nicht beobachtet, weil die Stunden relativ anstrengend sind - nicht nur von den körperlichen Bewegungen, sondern auch von der Konzentration her, die nötig ist, um den Übungsabläufen zu folgen. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass nach den Kursen Kontakte geknüpft werden.

Interview: Jan Szyszka

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