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Müssen sich fürs Olympia-Ticket strecken: Die DVV-Spielerinnen.

Volleyball-EM

„Macht mich traurig“

Deutsche Volleyballerinnen scheitern trotz aufopferungsvollem Kampf.

Der Bus zum Flughafen verließ Lodz schon mitten in der Nacht, die ersten Flieger hoben in Warschau um 7.20 Uhr ab. Viel Zeit blieb Felix Koslowski nicht, um seine bitter enttäuschten Volleyballerinnen nach dem verpassten EM-Halbfinale wieder aufzurichten. „Das braucht erstmal ein paar Tage, um das alles sacken zu lassen“, sagte Außenangreiferin Jennifer Geerties.

Beim 2:3 gegen Gastgeber Polen vor 10 000 Zuschauern hatte sich Koslowski heiser geschrien, um seine Mannschaft anzutreiben. Danach musste sich auch der Bundestrainer erst wieder auf die tolle Leistung seines Teams besinnen. „Wir haben nie aufgegeben, das zeigt den Charakter dieser Mannschaft. Deswegen macht mich das auch so traurig“, sagte Koslowski. Man muss richtig stolz auf diese Mannschaft sein, darauf was sie geleistet hat und wie sie Volleyball-Deutschland repräsentiert hat. Sowieso sollte die Laune mit Blick auf das große Ziel – die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio – bald wieder besser werden.

In einem Achterturnier kämpft Deutschland im Januar um das letzte noch verbliebene Europa-Ticket. Nach dem souveränen Auftritt bei der EM, die erstmals in vier Ländern ausgetragen wurde, ist die Teilnahme an den Sommerspielen ein bisschen greifbarer geworden.

Koslowski vertraute bei der EM einem ganz jungen Team, im Schnitt ist die Auswahl des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) 23,7 Jahre alt. Das Potenzial, in den kommenden Jahren eine Medaille zu gewinnen, ist da. Lediglich die Erfahrung, die Wettkampfhärte – die fehlten noch. Darum muss sich Koslowksi nun keine Sorgen mehr machen.

Gerade gegen die körperlich überlegenen Polinnen zeigte das Team um Diagonalangreiferin Louisa Lippmann Nervenstärke. Gnadenlos pfiffen die 10 000 Zuschauer die Deutschen bei jeder Ballberührung aus, von Verunsicherung war trotzdem nichts zu spüren. Die Polinnen gewinnen hier 3:2 gegen Italien, 3:2 gegen uns. Wenn sie nicht in Lodz spielen, dann gewinnen sie solche Spiele wahrscheinlich nicht“, glaubt. Seine Mannschaft habe „emotional alles reingehauen, jedes Quäntchen Power rausgequetscht“.

Dass die Volleyballerinnen mit Zuversicht in die Zukunft blicken können, ist auch Koslowksi und seinem Betreuerteam zu verdanken. Seit seinem Amtsantritt arbeitet der Schweriner beharrlich auf sein großes Ziel hin, die deutschen Volleyballerinnen wieder in der Weltspitze zu etablieren.

Von Rückschlägen ließ sich Koslowski nicht beirren, auch wenn die Bedingungen manchmal schwierig waren. Mal wurden bereits geplante Lehrgänge gestrichen, auch vom Verletzungspech blieb sein Team nicht verschont.

Doch nun kann der DVV eine vielversprechende, junge und selbstbewusste Mannschaft ins Rennen schicken und muss sich auch um die Breite keine Sorgen machen. Mittlerweile kann Deutschland viele Toptalente aufbieten und Ausfälle von Leistungsträgerinnen durchaus kompensieren.

„Eine Olympia-Qualifikation ist auf jeden Fall realistischer als vor der EM“, so Koslowski. Rekord-Olympiasieger Russland, Weltmeister Serbien und Vize-Weltmeister Italien haben das bereits Ticket sicher. Dementsprechend seien nun noch sechs, sieben Mannschaften im Rennen.

Koslowski bleibt trotz der starken Konkurrenz selbstbewusst. „Die EM trägt dazu bei, den Abstand zu verringern und sich auch den Respekt dieser anderen Mannschaften abzuholen.“ Ein nicht unwesentlicher Faktor. (sid)

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