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33. der Weltjahresbestenliste: Luke Campbell (r.).

Leichtathletik-WM in Doha

Luke Campbell: Alle Karten auf den Tisch

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Luke Campbell von der LG Eintracht Frankfurt hofft über die 400 Meter Hürden auf eine Finalteilnahme.

Luke Campbell weiß es. Die 48, sie wird kommen, ist der 400-Meter-Hürdenläufer überzeugt. „Ich habe sie definitiv in meinen Karten, aber ich muss sie smart ausspielen“, sagt der Mann von der LG Eintracht Frankfurt. Eine Zeit von unter 49 Sekunden muss der 24-Jährige laufen, um sich seinen Traum vom Finallauf bei der ersten WM-Teilnahme zu erfüllen. Heute geht es im ersten Vorlauf (19.30 Uhr) aber erst einmal darum, ins Halbfinale am Samstag zu kommen. Das Finale ist am Montag (21.40 Uhr). „Es gibt keinen Spielraum für Fehler“, sagt Campbell vor seinem Start. Er ist mit einer Zeit von 49,24 Sekunden nach Doha gereist – in der Weltjahresbestenliste liegt er damit auf Rang 33, eine Hundertstelsekunde hinter dem zweiten deutschen Starter Constantin Preis (21/VfL Sindelfingen). Zum Vergleich: Der Norweger Karsten Warholm führt die Bestenliste mit einer Zeit von 46,92 Sekunden an.

Dem gebürtigen Pforzheimer Preis musste sich Campbell bei der Deutschen Meisterschaft in Berlin nach zwei nationalen Titeln in Folge geschlagen geben. Trotzdem geht der Sportsoldat optimistisch in die WM. „Ich war in diesem Jahr sehr konstant und hatte starke Wettkämpfe“, sagt Campbell, dessen Bestzeit bei 49,14 Sekunden liegt. Beim Diamond-League-Meeting in Lausanne siegte er in 49,54 Sekunden, bei der Team-EM im polnischen Bydgoszcz knackte er als Dritter (49,24) die WM-Norm (49,30), beim Istaf in Berlin siegte er in 49,41 Sekunden. „Das hat mir das Selbstvertrauen gegeben, dass ich brauche“, sagt Campbell.

Mitglied der Bundeswehr

Als Zweijähriger war der in Meschede im Sauerland geborene Sohn eines US-Soldaten und einer Deutschen mit seinen Eltern in den US-Bundesstaat Maryland umgesiedelt. Bis zum Ende seines Studiums der Sportwissenschaften und Psychologie an der University Salisbury lebte und trainierte er auch in den USA. Campbell wusste allerdings, dass er es gegen die Konkurrenz enorm schwer haben würde, es überhaupt in die Top Ten zu schaffen.

Da er neben dem US-amerikanischen auch einen deutschen Pass besitzt, organisierte sich Campbell einen Agenten und wurde Bundestrainer Volker Beck vorgestellt – er schloss sich der LG Eintracht Frankfurt an. Gleich im ersten Jahr steigerte er seine eigene Bestzeit von knapp über 50 Sekunden auf 49,40 Sekunden und sicherte sich 2017 den nationalen Meistertitel.

Um sich in dieser Saison noch mehr auf den Sport konzentrieren zu können, hat sich Campbell vor genau einem Jahr der Bundeswehr angeschlossen. „Das war eine wichtige Änderung in meinem Leben. Ich bin jetzt freier im Kopf“, erklärt der Hürdenspezialist. Ohne finanzielle Sorgen lässt es sich entspannter trainieren. Nach einer ordentlichen Hallensaison verletzte sich Campbell gleich am Sprunggelenk und konnte erst etwas verspätet in die Freiluftsaison starten. „Das hat mir eine kleine Pause gegeben“, sagt der Halbfinalteilnehmer der Europameisterschaft 2018.

Zwei Trainingslager in Südafrika, eines in den Niederlanden sowie immer wieder Abstecher zum Bundesstützpunkt nach Kienbaum waren Teil der abwechslungsreichen Saison mit hochklassigen Meetings. In den vergangenen Tagen befand er sich mit den anderen Athleten des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV) im türkischen Belek, um sich an das heiße Klima in Doha zu gewöhnen. „Um es ins Finale zu schaffen, braucht es große Willensstärke, Kraft und Mut“, sagt Campbell. Er werde bei der Stadionrunde über die zehn Hürden alle Karten auf den Tisch schmeißen, sagt Campbell. Dann blinkt auch vielleicht die 48 auf der Anzeigetafel auf.

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