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Lucien Favres Aus

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Jan Christian Müller ist Sportredakteur der Frankfurter Rundschau.
Jan Christian Müller ist Sportredakteur der Frankfurter Rundschau. © FR

Vielleicht merken sie in Berlin nach dem Trainer-Rauswurf, dass Ex-Manager Hoeneß besser war als sein Ruf. Reibung erzeugt nämlich Energie. Und die fehlt der Hertha völlig. Von Jan Christian Müller

Von Jan Christian Müller

Hertha BSC Berlin hat sich am frühen Montagabend von Trainer Lucien Favre getrennt, obwohl die Zeit eigentlich zu knapp geworden ist. Denn Mittwochmorgen um 11.30 Uhr fliegt der Tabellenletzte der Bundesliga bereits zum anstehenden Spiel der Europa League in Lissabon, Sonntag gastiert dann Tabellenführer Hamburger SV im Olympiastadion.

Karsten Heine, der U23-Trainer, der schon mehrfach als Interimslösung herhalten musste, hat so kaum eine Chance, die desolate Mannschaft seriös nach seinen Vorstellungen auf die anstehenden Aufgaben vorzubereiten.

Der Leidensdruck und vermutlich auch der Druck aus der Mannschaft muss riesig gewesen sein, sonst wäre es nicht nach der 1:5-Niederlage in Hoffenheim zur umgehenden Beurlaubung gekommen. Indem Präsident Werner Gegenbauer und Sportchef Michael Preetz Anfang Juni den ungeliebten, aber gewiss nicht erfolglosen Sportdirektor Dieter Hoeneß nach aufreibenden 13 Jahren vom Hof jagten, hatten sie sich mit Favre zu einer Art Schicksalsgemeinschaft vereinigt.

Jetzt, nachdem der zusehends rat- und kraftloser wirkende Schweizer gescheitert ist, kommt das auch für Gegenbauer und Preetz einer schweren Niederlage gleich. Sie stehen nun vor einem Scherbenhaufen. Alphatier Hoeneß, dem Favre grußlos keine Träne nachweinte, hätte nie zugelassen, dem ebenso kompetenten wie zaudernden Fußballlehrer neben der Vollmacht für die Taktik auch die Vollmacht für die (verfehlten) Transfers zu bewilligen.

Momentan pendelt der Ex-Manager zwischen seinem Feriensitz Kitzbühel und der Hauptstadt und arbeitet an seinem Handicap im Golf. Man kann aber davon ausgehen, dass er die Situation bei der Hertha genau beobachtet. Sie ist schließlich sein Lebenswerk, das er nun auf dem Weg der Zerstörung wähnt.

Vertraglich haben Hoeneß und seine Gegenspieler im Auflösungskontrakt vereinbart, sich gegenseitig nicht mehr weh zu tun. Damit waren sie gut beraten. Die schmutzige Wäsche bleibt so im Schrank. Aber vielleicht merken sie in Berlin jetzt ja auch, dass Hoeneß besser war als sein Ruf. Reibung erzeugt nämlich Energie. Und die fehlt der Hertha ohne Hoeneß völlig.

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