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Lockruf aus Leipzig

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Von: Frank Hellmann

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Ralph Hasenhüttl bat um Auflösung seines Vertrages in Ingolstadt.
Ralph Hasenhüttl bat um Auflösung seines Vertrages in Ingolstadt. © dpa

Die Großen fressen immer schneller die Kleinen. Sobald einer heraussticht, greifen die finanziell besser ausstaffierten Klubs zu. Ingolstadts Trainer Ralph Hasenhüttl geht nach Leipzig. Ein Kommentar.

Es war ein bisschen blauäugig, dass Peter Jackwerth zuletzt sogar von einer „Frage der Ehre“ für Ralph Hasenhüttl gesprochen hatte. Der Präsident des FC Ingolstadt 04, geboren im Schwabenland, beheimatet inzwischen auf Mallorca, hatte damit die emotionale Trumpfkarte ziehen wollen, um seinen wechselwilligen Trainer zum Bleiben zu bewegen. Dabei hätte der gelernte Werkzeugmacher doch wissen müssen, dass derlei ehrenrührige Appelle im Millionenbusiness kaum mehr zünden. Erst recht nicht bei einem österreichischen Fußballlehrer, der zu diesem Zeitpunkt längst mit dem von einem österreichischen Brausemilliardär hochgezüchteten Zweitligisten RB Leipzig in Kontakt stand, wo bald der Bundesligaaufstieg gefeiert werden kann.

Nein, es war schlicht unmöglich, den Trainer trotz eines bis 2017 laufenden Vertrags zu behalten. Denn die Großen fressen immer schneller die Kleinen. Sobald einer heraussticht, greifen die finanziell besser ausstaffierten Klubs zu. Deshalb wird der Mitaufsteiger SV Darmstadt 98 auch seinen besten Torjäger, Sandro Wagner, nicht binden können. Wer 13 Tore für die Lilien schießt, wird dafür mit einer erstklassigen Gage anderswo belohnt. Das ist das Geschäft.

In Ingolstadt war gleichwohl kein Spieler so gut, dass dafür Unsummen lockergemacht werden. Der Lockruf des Geldes ging in diesem Falle an denjenigen, der dieses widerspenstige Kollektiv geformt hat, also an den 48 Jahre alten Trainer. Ingolstadts Punkteausbeute ist eingedenk des Abstiegs von Hannover und der Abstiegsängste in Frankfurt oder Bremen, die allesamt deutlich mehr an ihre Kader bezahlen, nicht hoch genug zu würdigen.

Dennoch haben die Schanzer jetzt für die kommende Saison zwei Probleme: Sie müssen einen Nachfolger finden, der dieses Ensemble ähnlich gut auf die Herausforderungen vorbereitet, wie es Hasenhüttl tat. Und sie müssen in die Rechnung gleich einbeziehen, dass der designierte Aufsteiger Leipzig als Konkurrent im Abstiegskampf ausfällt. Die für Ingolstadts Übungsleiter fällige Ablöse wird vermutlich nur der Vorbote zahlreicher Investitionen sein, die in den kommenden Wochen noch folgen. Denn das Red-Bull-Gebilde will sich sofort in der oberen Tabellenhälfte einordnen. Platz neun, den derzeit Hasenhüttels aktueller Arbeitgeber belegt, wäre für Leipzig nächste Saison mitnichten eine Sensation. Sondern nur die Startrampe für den Angriff nach ganz oben. Dass Hasenhüttl dieses Projekt mitlenken möchte, kann ihm niemand verwehren. Erst recht nicht mit der Frage nach der Ehre.

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