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Die Hunde haben nichts gegen seinen Start am Mittelmeer: Jenson Button.

Formel 1 Monaco

Locker in Monaco

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Jenson Button genießt das Comeback für ein Rennen - und ist gut dabei unterwegs.

Würde man an Tagen wie diesen der Entspanntheit ein Gesicht geben, es käme das Ebenbild von Jenson Button heraus. Der Brite hat den Ruhestand als Formel-1-Fahrer für ein Rennen aufgegeben. Um genauer zu sein, er ist zurück bei dem Rennen, das den größten Glamour verströmt. Er ist nach nur einem halben Jahr als Pensionist zurück im Zirkus der großen Drehzahlen. Auf der Pressekonferenz in Monaco ist es ein bisschen wie bei einem Klassentreffen. Derjenige, der eine Ehrenrunde gedreht hat, ist auf wundersame Weise zurück bei den alten Kameraden, und alle freuen sich. „Großartig“, war das meist gebrauchte Wort des 37-Jährigen. „Schön, Gesichter wiederzusehen, die ich ein paar Monate nicht gesehen habe.

Es ist eine etwas seltsame Konstellation. Der eigentliche Fahrer des McLaren-Honda wird nicht ganz traurig sein, mal pausieren zu dürfen – oder zu müssen. Fernando Alonso erholt sich beim prestigeträchtigsten Rennen Nordamerikas vom aktuellen Desaster im McLaren-Honda-Team. Für das Team Andretti-McLaren drischt der zweimalige Formel-1-Weltmeister ein Indy-Car durch die Steilkurven von Indianapolis und beackert bei den Indy 500 gleich den enorm wichtigen US-Markt mit. Mit dem britisch-japanischen Gemeinschaftswerk auf vier Rädern ist derzeit kein Staat zu machen. Button steigt im Fürstentum an der Cote d’Azur ins derzeit nach Punkten schlechteste Auto. Macht nichts. „Ich werde meinen Spaß haben. Ich bin ganz entspannt, ich freue mich darauf.“

So viel Lockerheit kommt nicht überall in der Branche an, in der Protagonisten meist mit dem Messer zwischen den Zähnen herumlaufen. Mark Webber hat geunkt, der Überraschungsweltmeister des Jahres 2009 nehme die einmalige Mission nicht ernst genug, sonst hätte er unbedingt den Test in Bahrain fahren müssen. Stattdessen hat sich Button ein paar Tage im Simulator vorbereitet, um ein Gefühl für die neuen, breiteren und schnelleren Autos zu bekommen. Und natürlich habe er sich vorher Rat geholt: bei seinen Hunden, „die haben gesagt, sie kommen eine Woche ohne mich aus“. Das Gelächter im Pressesaal in Monte Carlo ist groß. Ermutigt hat ihn auch seine Freundin Britney Ward, die sagte: „Du musst tun, was du tun musst.“
 

Soweit man es als langjähriger Beobachter aus einer gewissen Distanz heraus beurteilen kann, hat Jenson Button viel in seine drei „großen Lieben“ investiert. Seit Kindheitstagen fährt er Rennen, begleitet von seinem Vater, der ein lebensfroher Geselle und stolz wie Bolle auf seinen Sprößling war. Jonathan Button ist 2014 mit 70 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben, der Sohn trauert noch heute um ihn. Ausgesprochen zugetan war Jenson Button in seinem früheren Leben auch den Frauen, denen er wahlweise in seinem monegassischen Apartment oder auf seiner Yacht Little Missy im Hafen von Monte Carlo, direkt neben der Rennstrecke, Zuflucht gewährte. Den nachhaltigsten Eindruck hat bis heute das japanische Unterwäschemodel Jessica Michibata hinterlassen. Von der Zeit, als der durchaus sympathische Brite, mehr durch sein Image als Playboy, denn durch seine Taten auf der Rennstrecke von sich reden machte, will der Enddreißiger heute nichts mehr wissen. „Manches war ein Fehler.“

Eine Karriere wie eine Achterbahnfahrt

114 Rennen brauchte Button, bis ihm der erste Sieg gelang. Seine Karriere glich einer Achterbahnfahrt. So wie der 37-Jährige im Moment das Sinnbild für größtmögliche Lockerheit ist, so ist er auch ein Synonym für den Phönix, der aus der Asche stieg. Ende der Saison 2008 schien Button die Karre an die Wand gefahren zu haben. Mit dem Ausstieg von Honda war er arbeitslos geworden. Ross Brawn kaufte die Konkursmasse auf, und dem genialen Konstrukteur gelang tatsächlich ein bis heute ebenso bewunderter wie ungläubig bestaunter Streich. Brawn dachte sich einen Doppel-Diffusor aus, der die nach ihm benannten Autos zumindest in der ersten Saisonhälfte 2009 unschlagbar machte. Button gewann sechs von sieben Grand-Prix, und am Ende jener denkwürdigen Saison war aus dem Hallodri der Weltmeister und damit eine Rennfahrerlegende geworden. Das Straßenmärchen mit Jenson Button als Hauptdarsteller endete 2016 unspektakulär. Der Brite hatte sich einige Jahre zusammen mit Fernando Alonso bemüht, den McLaren-Honda irgendwie konkurrenzfähig zu machen. Das ist bislang gründlich misslungen. Immerhin hat sich Jenson Button in den freien Trainingsläufen am Donnerstag achtbar geschlagen. Er kam als 14. und Zwölfter auf dem Boulevard Albert I. über den Zielstrich, ungefähr anderthalb Sekunden hinter den Besten. Das hätte auch der Indy-Flüchtling Fernando Alonso mit dem Auto nicht besser hingekriegt.

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