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Die Hoffnung der deutschen Turnerinnen am Balken: die erst 16 Jahre junge Lisa Zimmermann.

Turnen

Nur Feinschliff fehlt

Die 16-jährige Lisa Zimmermann turnt sich beim Heimweltcup in Cottbus nach vorn.

Viel besser hätte es für Lisa Zimmermann bei ihrem Weltcupdebüt in Cottbus nicht laufen können. Nur der unnötige Absteiger im Balken-Finale bei einem eher leichten Element am Ende ihrer ansonsten fehlerfreien Übung war ein kleines Ärgernis. Kaum war sie nach dem Abgang gelandet, nahm die Bundestrainerin ihren erst 16 Jahre alten Schützling auch schon tröstend in den Arm. „Es ist sehr schade, dass Lisa kurz vor Schluss abgestiegen ist. Bis dahin hat sie eine super Balken-Übung geturnt. Damit war sie in dem Weltklassefeld durchaus konkurrenzfähig“, lobte Ulla Koch.

Der Deutsche Turner-Bund (DTB) hat mit Emelie Petz aus Backnang, die sogar schon den Sprung ins WM-Team von Stuttgart geschafft und sich mit ihm für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 qualifiziert hatte, und Zimmermann zwei Rohdiamanten des Jahrgangs 2003. Das Duo benötigt noch etwas Feinschliff, hat aber glänzende Perspektiven, in den kommenden Jahren auch international für Furore zu sorgen. Zimmermann turnte im Frühjahr schon bei der EM in Stettin und belegte im Mehrkampf Platz 24, doch ein Auftritt beim 44. Turnier der Meister in Cottbus – dem renommierten Heim-Weltcup vor großer Kulisse – ist nochmal eine andere Nummer. „Ich war schon ein bisschen nervös“, sagte die Schülerin.

Nur ein kleines Missgeschick

„Aber insgesamt bin ich sehr zufrieden. Es war mein erster Weltcup, und ich habe gleich zwei Finals erreicht“, sagte sie. Klar, der Abstieg vom Balken war misslich. „Ich wäre lieber oben geblieben. Aber das gehört dazu, daraus lernt man. Vielleicht habe ich in der Situation zu viel nachgedacht, was alles passieren kann.“ Dieses Missgeschick auf dem nur zehn Zentimeter schmalen Balken, auf dem Normalbürger kaum balancieren können, wird die junge Turnerin der Chemnitzer Trainerin Gabi Frehse nicht umwerfen. „Für Lisa war es wichtig, hier in Cottbus Erfahrungen in einem großen internationalen Wettkampf zu sammeln“, betonte Koch. Und das gelang.

Olympia als großes Ziel

Wegen des kurzfristigen Ausfalls der ehemaligen Balken-Weltmeisterin Pauline Schäfer (Schulter- und Fußprobleme) durfte Zimmermann sogar an drei Geräten starten. Ihre Ausbeute: Am Boden verfehlte sie das Finale der besten acht Turnerinnen als Neunte der Qualifikation nur knapp. Im Balken-Endkampf wurde sie trotz des Absteigers mit 12,433 Punkten Sechste. Rechnet man einen Punkt Abzug für das Verlassen des Geräts drauf, wäre sie auf dem Bronze-Rang gelandet. Nur die japanische Siegerin Urara Ashikawa (13,700) war nicht zu schlagen.

Im Finale am Sprung klappte der Jurtschenko mit Doppelschraube, bei dem sie beim Einturnen noch auf dem Hosenboden gelandet war, zum zweiten Mal sehr gut. Um demnächst weiter vorn zu landen, fehlt ihr (noch) ein zweiter Sprung mit einem ähnlich hohen Schwierigkeitsgrad (D-Note). Doch auch hier war Rang sieben unter vielen Spezialistinnen mit der Durchschnittsnote von 13,866 Punkten aller Ehren wert.

Zimmermann sammelte nicht nur die ersten Weltcupzähler, sondern auch Punkte bei der Bundestrainerin. Koch sieht sie im Ranking der deutschen Turnerinnen derzeit auf Rang sechs oder sieben. „Auf jeden Fall gehört sie zum Kreis der Olympia-Kandidatinnen.“ Das sollte ihr mit Blick auf Tokio einen weiteren Motivationsschub geben. (dpa)

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