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Am Limit, nicht drüber

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Von: Matti Lieske

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Nur scheinbar vorneweg: Miriam Gössner.
Nur scheinbar vorneweg: Miriam Gössner. © dpa

Die deutsche Skilanglauf-Frauenstaffel ist bei der WM chancenlos

Egal, welche Weltmeisterschaft Miriam Gössner in diesem Jahr auch ausprobiert, die ersehnte Medaille ist ihr nicht vergönnt. Nach einer Nullnummer bei den Biathleten in Nove Mesto verließ sie die Skilangläufer gestern ebenfalls ohne Plakette und reiste zurück zum Biathlon nach Oslo. Der Abstecher habe ihr trotzdem großen Spaß gemacht, sagte sie nach dem 4?x?5-km-Staffelrennen, doch die für ihre Verhältnisse extrem düstere Miene nährte erhebliche Zweifel an dieser Aussage.

War es beim 10-Kilometer-Rennen am Dienstag nur eine halbe Sekunde gewesen, die sie von Bronze getrennt hatte, so geriet der Abstand gestern deutlich größer. Für das nach Gössners imposantem Auftritt im Einzelrennen mit einigen Medaillenhoffnungen gestartete deutsche Quartett ging am Ende nicht einmal der bescheidene Wunsch von Katrin Zeller in Erfüllung. „Wenn es in die Top Sechs geht, sind wir schon zufrieden“, hatte die an Position zwei ins Rennen gegangene Läuferin gesagt, als sich Gössner auf den Schlussabschnitt begab. Doch als die allseits erwarteten Siegerinnen im Zielraum mit ihren dünnen Stimmchen längst norwegische Triumphparolen krähten, rutschte Gössner als Siebte über den Zielstrich. Auch weil sie auf der letzten Runde schon wieder an den heutigen Start beim Biathlon am Holmenkollen dachte. „Ich habe alles gegeben“, sagte sie, „aber als ich gesehen habe, dass nach vorne nicht mehr viel ging, bin ich am Limit gelaufen, nicht darüber.“

Die angestrebte Bronzemedaille hinter den beiden klaren Favoriten Norwegen und Schweden ging an Russland, und angesichts der Chancenlosigkeit der deutschen Equipe war es fast schon müßig, sich über die Taktik zu wundern, die der Bundestrainer Frank Ullrich gewählt hatte. Anders als sein Vorgänger Jochen Behle, hatte er auf den Gössner-Schub an Position drei verzichtet, der bei Olympia 2010 in Whistler Silber gebracht hatte. Damals hatte Miriam Gössner das Loch, das Evi Sachenbacher-Stehle zur Spitze hatte aufreißen lassen, resolut zugefahren, Claudia Nystad konnte den zweiten Platz verteidigen. Aber entweder Ullrich traute Denise Herrmann die Nystad-Rolle nicht zu oder er erwartete tatsächlich, dass die Biathlonleihgabe Wunderdinge gegen die stärksten Kräfte der anderen Teams vollbringen würde. Dem war definitiv nicht so, am Ende verlor Gössner sogar noch einen Platz gegenüber Frankreich.

Das Unheil deutete sich an

Das Unheil deutete sich bereits an, als Startläuferin Nicole Fessel in ihrer zweiten Runde plötzlich zu niesen begann, dadurch mehrfach die Balance verlor und gegen die neben ihr laufende Finnin Anne Kyllönen strauchelte, die in die Zuschauer stürzte. Fessel rappelte sich schnell wieder auf, Kyllönen jedoch fiel zurück, was ihr Team, am Ende Fünfter, möglicherweise eine Medaille kostete. „In der ersten Runde habe ich mich sehr gut gefühlt und dachte, heute geht was“, sagte Fessel, „aber leider ging dann doch nicht so viel.“

Katrin Zeller hatte ebenfalls Probleme und beging zudem den taktischen Fehler, sich an die bärenstarke Justyna Kowalczyk hängen zu wollen, ein Versuch, der bei Olympia schon Sachenbacher-Stehle zum Verhängnis geworden war. Die Polin überholte am Ende sogar noch die 10-Kilometer-Siegerin Therese Johaug vom eigentlich schon weit enteilten norwegischen Team.

Doch das störte weder Norwegen, noch half es Polen, da Kowalczyks Teamkolleginnen längst nicht ihr Niveau haben und noch auf Rang neun zurückfielen. „Ich habe mich in meiner ersten Runde völlig übernommen“, räumte Zeller ein, „und mein Ski lief nicht so gut, am Ende war es nur noch Kampf.“ Insgesamt hatte sie von allen Läuferinnen der ersten sieben Teams die drittschlechteste Laufzeit und übergab als Siebte an Denise Herrmann. Diese wiederum zauberte die insgesamt zehntbeste Zeit auf die Piste und war klar die beste deutsche Läuferin, was für die Behle-Taktik gesprochen hätte. An dritter Position gegen die nicht ganz so starke Konkurrenz hätte Miriam Gössner wohl mehr ausrichten können.

Zur Medaille hätte es aber wohl auch so nicht gereicht. „Wir wussten, dass alles passen muss, wenn wir in den Medaillenkampf eingreifen wollen“, sagte Bundestrainer Ullrich und resümierte: „Der heutige Tag hat gezeigt, es ist noch sehr viel zu tun.“ Das dann allerdings ohne Miriam Gössner. Die wird bei den Olympischen Spielen in Sotschi weder auf Position drei noch vier starten, sondern bei den Biathleten starten.

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