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Lieber Badstubers als Brenos

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Von: Maik Rosner

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Der FC Bayern will die Plätze künftig vermehrt mit Spielern aus der eigenen Region besetzen.
Der FC Bayern will die Plätze künftig vermehrt mit Spielern aus der eigenen Region besetzen. © dapd

Zehn Südamerikaner versuchten sich in den vergangenen Jahren erfolglos beim FC Bayern. Nun ziehen die Münchener Konsequenzen: Talente sollen künftig nicht mehr aus Südamerika geholt werden, sondern verstärkt aus der Region.

Von Bernardo Fernandes da Silva und Waldemar Aureliano de Oliveira Filho, kurz Mazinho, hat man bei Bayern München schon lange nicht mehr gesprochen. Das ist schade, denn einst waren diese beiden Spieler so etwas wie die brasilianische Ausgabe von Holger Badstuber und Thomas Müller. Badstuber und Müller sind mittlerweile Nationalspieler.

Die Geschichte von Bernardo und Mazinho ging lange recht ähnlich, zumindest vor ihrer Zeit in München. Als vielversprechende Talente hatten der Mittelfeldspieler und der Stürmer den Weg in Brasiliens Topklubs gefunden und von dort aus weiter bis in die Selecão, die Nationalmannschaft. Doch als sie 1991 mit bereits Mitte 20 zum FC Bayern kamen, endete ihr Karriereglück.

Brenos Geschichte dürfte bald enden

Bernardo war für zwei Millionen D-Mark vom FC São Paulo verpflichtet worden, ließ den FC Bayern aber nach ganzen vier Spielen hinter sich. Mazinho blieb immerhin drei Jahre, wovon er allerdings nur im ersten halbwegs überzeugte. Insgesamt zehn Südamerikanern, die direkt aus ihrer Heimat übersiedelten, erging es ähnlich bei den Münchnern, ob nun Roque Santa Cruz, Adolfo Valencia, Paolo Guerrero, Julio dos Santos oder José Ernesto Sosa.

Dauerhafte Verstärkungen wurden sie nie. Was auch bei Breno, letzter teurer Direktimport aus Südamerika, spätestens nach seiner Twitter-Attacke gegen den eigenen Klub, anzunehmen ist.

Die Geschichte der Südamerikaner beim FC Bayern dürfte bald enden, jedenfalls jener, die direkt aus ihrer Heimat geholt wurden.

Verständigt auf diesen Kurswechsel hat man sich in München schon vor einiger Zeit. „Wir werden keinen jungen Spieler aus Südamerika mehr holen, das hat keinen Sinn“, hat der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge angekündigt.

Verpasste Chancen

Statt über enttäuschende Transfers aus der Ferne spricht man in München nun verstärkt über die Potenziale der näheren Umgebung. Und dabei kommt Michael Tarnat, der Sportliche Leiter der Jugendabteilung, auch nicht um die verpassten Chancen herum. Noch heute ärgern sie sich beim FC Bayern darüber, dass ihnen heimische Talente wie Lars und Sven Bender oder Moritz Leitner durchrutschten.

Lars Bender spielt heute für Bayer Leverkusen, sein Bruder und Leitner für Borussia Dortmund.

Tarnat erinnert lieber an die Erfolgsgeschichten mit Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm oder eben Müller und Badstuber, er sagt: „Wir müssen schauen, dass uns kaum noch ein Spieler durch das Netz geht.“ Bisher sei es so, dass der FC Bayern bis zur U10 nur Spieler aus München sichtet, ab der U11 bis zu 30, 40 Kilometer um die Landeshauptstadt.

Erst ab einem Alter von 15 Jahren schaue man sich deutschlandweit um, sagt Tarnat, obwohl es schon Ausnahmen gab und auch künftig geben könne. Doch statt nun systematisch Teenager aus der ganzen Republik anzuwerben, hat man sich in München zum Ziel gesetzt, das regionale Netzwerk auszubauen.

Hoffen auf Scholl und Butt

Sogenannte Kindertransfers, zuletzt aufgeregt debattiert durch die Wechsel zweier 13-Jähriger nach Hoffenheim und Wolfsburg, lehnen sie in München ab. Stattdessen dient ein Erfolgsmodell der Vergangenheit als Richtschnur: Schweinsteiger lebte bis zu seinem 15. Lebensjahr in Oberaudorf im Elternhaus, Lahm und Müller sogar während der gesamten Jugendzeit.

Diesen Weg streben sie auch weiterhin an. Viel versprechen sie sich in München von Jörg Butt und Mehmet Scholl, die ab Sommer in der Nachwuchsabteilung tätig werden. Von Trainer Andries Jonker wird Scholl die U23 übernehmen, Butt wiederum die Leitung der Nachwuchsabteilung.

Neues Konzept

Offiziell bekanntgeben will Sportdirektor Christian Nerlinger das neue Nachwuchskonzept und die personellen Veränderungen erst demnächst. Ein Ausbau des Internats, das derzeit über 13 Plätze verfügt, ist dabei nicht vorgesehen. Stattdessen sollen Gastfamilien Talente aufnehmen, die durch die neue Rasterfahndung in Bayern gefunden werden.

Wonach die Münchner suchen, ist jedenfalls klar umrissen. Für den FC Bayern ist es laut Nerlinger „elementar wichtig, weiterhin Eigengewächse wie Müller, Lahm, Schweinsteiger, Badstuber, Kroos, Alaba oder Contento zu integrieren. Unsere Jugendarbeit muss wieder führend in Deutschland werden.“

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