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Traumhafter Heimatbesuch: Stephan Leyhe nach seinem Sieg in Willingen.

Skispringen

Leyhe macht sein Märchen wahr

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  • Friederike Weiler
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Der Willinger Skispringer feiert seinen ersten Weltcupsieg ausgerechnet auf der Heimschanze. Das Springen für Sonntag musste wegen „Sabine“ abgesagt werden.

Stephan Leyhe sprang jubelnd in die Höhe und ließ sich von den Fans an der Mühlenkopfschanze feiern. „Oh, wie ist das schön“ dröhnte aus den Lautsprechern im Stadion. Ausgerechnet bei seinem Heimspiel sicherte sich der 28-Jährige seinen ersten Weltcupsieg.

Der Lokalmatador sprang am Samstag auf der Mühlenkopfschanze 139,5 und 144,5 Meter weit und setzte sich damit vor dem Norweger Marius Lindvik und Kamil Stoch aus Polen durch. Leyhe hatte in seiner Karriere zuvor erst zweimal in einem Einzelspringen auf dem Podium gestanden, zuletzt am vergangenen Wochenende im japanischen Sapporo. „Stephan ist unterwegs zum Siegspringer und wird hoffentlich am Samstag zuschlagen“, hatte Bundestrainer Stefan Horngacher noch am Freitagabend bei der Eröffnungsfeier gesagt. Und er sollte recht behalten. Einen Tag später erklang im Stadion an der Mühlenkopfschanze die deutsche Nationalhymne und später auch das Waldecker Lied.

„Ich habe insgeheim natürlich auf einen Podiumsplatz gehofft. Aber an einen Sieg hätte ich nicht gedacht“, sagte Stephan Leyhe. Bei der anschließenden Pressekonferenz erzählte er, dass er seinen Sieg wegen des frühen Wettkampfs am Sonntag leider nicht feiern könne. „Ausreichend Schlaf ist wichtig, vielleicht gibt’s ein kleines Bierchen.“ Und er hatte Glück, das gab es tatsächlich, denn nachdem die Absage für den Weltcupsonntag feststand, machte sich das deutsche Team auf nach Schwalefeld, in Leyhes Heimatort, um dort seinen Sieg zu feiern – inklusive Bierchen und Feuerwerk. „Stephan hat sein eigenes Märchen wahrgemacht“, sagte Horngacher.

Völlig aus dem Häuschen war natürlich auch Leyhes Familie. „Mir fehlen noch immer die Worte. Besser hätte man kein Buch schreiben können“, sagte Vater Volker. „Ich kann’s auch jetzt noch nicht glauben. Ich habe wirklich nicht damit gerechnet, dass sich Stephan ausgerechnet in Willingen den Sieg schnappt“, sagte Bruder Christoph. Beide verfolgten das Springen vor Ort an der Schanze. Ganz im Gegensatz zu Mutter Renate. „Ich war zu Hause und habe nicht mal Fernsehen geguckt, sondern zur Ablenkung gebügelt. Die Ergebnisse habe ich mir erst am Laptop angeschaut. Und dann musste ich direkt weinen, als ich gesehen habe, wo Stephan gelandet ist.“

Kurz danach ging es auch für Renate Leyhe mit dem Fahrdienst direkt zur Schanze, wo sie ihren Sohn beim Warten zur Dopingkontrolle in die Arme schließen konnte. Und die deutschen Fans stimmten ihre Gesänge an: „Wie heißt die Mutter von Stephan Leyhe? Mama Leyhe, Mama Leyhe“, skandierten sie.

Durch die Absage des Wettbewerbs am Sonntag wegen des Sturmtiefs Sabine wurde Leyhe, der bereits mit 145,5 Metern die Qualifikation gewonnen hatte, auch Gewinner der Willingen-Five-Wertung. Die Wertung, in die alle Wettkampfsprünge und die Qualifikation eingehen, ist mit 25 000 Euro dotiert.

„Die Gemeinde Willingen wird einer Öffnung des Stadions am Sonntag nicht zustimmen“, hatte Willingens Bürgermeister Thomas Trachte nach dem Treffen eines Krisenstabes aus Polizei, der Gemeinde Willingen, des Weltskiverbands Fis und dem ausrichtenden SC Willingen am Samstagabend gesagt. „Die Gemeinde hat Sorge für das Wohl aller Beteiligten. Wir würden das Risiko eingehen, dass die Leute spätestens auf dem Weg nach Hause in den angekündigten Sturm geraten“, so Trachte.

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