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Lewandowski ungerührt treffsicher

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Von: Frank Hellmann

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Auf dem Weg nach ganz oben: Robert Lewandowski.
Auf dem Weg nach ganz oben: Robert Lewandowski. © AFP

Der bald für Bayern München spielende Robert Lewandowski bleibt wichtigster Dortmunder. Sein Trainer Jürgen Klopp ist voll des Lobes für den Ausnahmefußballer: "Es ist außergewöhnlich, was er leistet".

Der bald für Bayern München spielende Robert Lewandowski bleibt wichtigster Dortmunder. Sein Trainer Jürgen Klopp ist voll des Lobes für den Ausnahmefußballer: "Es ist außergewöhnlich, was er leistet".

Das Bundesligaspiel in Bremen war gerade vorüber, das heutige Pokalspiel in Frankfurt stand noch nicht auf der Agenda, da hat Jürgen Klopp die Nachfrage der FR zum Anlass genommen, ein bisschen auszuholen. Um das zu würdigen, was Robert Lewandowski für Borussia Dortmund bedeutet. „Von mir wird es kein schlechtes Wort über Robert geben, weil ich bald vier Jahre mit ihm zusammenarbeite. Es wird ja oft vergessen, dass er damals als klare Nummer zwei hinter Lucas Barrios zu uns kam.“ Und weiter führte der BVB-Trainer aus: „Es ist außergewöhnlich, was er leistet, wie er sich entwickelt hat. Er hat eine sehr gute Einstellung zu unserem Spiel, zu unserem Verein. Dass er ihn verlässt, gehört zum Fußball dazu – das ist schon bei anderen Spielern passiert.“

Zu alter Stärke zurückgefunden

Es schien, als habe Klopp dieses Statement vom Samstag noch einmal auf dem Herzen gelegen; weil der Fußballlehrer jeden Tag genießt, den er mit diesem Ausnahmefußballer zusammenarbeiten kann. Tatendrang und Torgefahr, Geschmeidigkeit und Draufgängertum, Eleganz und Effektivität – die Mischung macht diesen Mittelstürmer weltweit beinahe einzigartig.

Dazu paart sich noch eine andere Tugend, die der Trainer bei seinem Torgaranten herausstreicht: „Er muss extrem viel einstecken, aber er bleibt immer klar und arbeitet extrem hart.“ Der Lohn: Seit seinem Wechsel von Lech Posen für knapp 4,5 Millionen Euro aus der polnischen Ekstraklasa in die deutsche Bundesliga hat er 67 Tore geschossen – so viele wie niemand sonst hierzulande.

Lewandowskis Doppelpack im Weserstadion war bereits Nummer 17 dieser Art. „Wir haben zurück zu alter Stärke gefunden“, sagte der 25-Jährige hinterher, „das war der alte und der neue BVB. Das wollen wir in Frankfurt fortsetzen.“ Extremes Gegenpressing gepaart mit blitzschnellem Umschalten – diese in der Hinrunde oft verschüttete Kombination soll in der Rückrunde wieder das schwarz-gelbe Strickmuster werden. Es funktioniert freilich nur, wenn sich hinter Lewandowski auch Henrikh Mkhitaryan in Szene setzt – der Armenier hat in Bremen immerhin seine 1066 Minuten währende Tor-Blockade gelöst und an Frankfurt beste Erinnerungen: Hier schoss er seine ersten Bundesligatore.

Harte polnische Schule

Interessant wird sein, wie die Dortmunder Offensive im Frankfurter Stadtwald mit neuen Flügeln funktioniert: Statt Jakub Blaszczykowski (Kreuzbandriss) und Marco Reus (Muskelfaserriss) sollen Pierre-Emerick Aubameyang und Allzweckwaffe Kevin Großkreutz über rechts und links vorstoßen. Ihr Vorteil: Mit kaum einem Stoßstürmer lässt sich so gut zusammenspielen wie mit Lewandowski, in dem ein Kombinationskünstler schlummert. Elf Treffer hat der in drei Wettbewerben schon wieder vorbereitet. Ein Umstand, den ihn zum idealeren Frontmann beim FC Bayern als den wuchtigen Kroaten Mario Mandzukic macht.

Dass der von den Beratern Cezary Kucharski und Maik Barthel vertretene Lewandowski den monatelangen Wirbel um seine Person wegsteckte, als ginge ihn das nichts an, führt auf die Widrigkeiten zurück, die den Polen irgendwie immer begleitet haben. Es fing schon damit an, dass er mit acht Jahren für sein erhofftes Engagement in der Jugendabteilung von Legia Warschau zu jung war, woraufhin ihn sein Vater beim Schülersportklub Varsovia anmeldete. Wo deutsche Talente früh beste Bedingungen vorfinden, prägte ihn dort die harte polnische Schule. Heruntergekommene Ascheplätze, keine warme Dusche. Ein Jugendtrainer erinnerte sich einmal, dass der Junge, den sie wegen seiner schmächtigen Statur „Bobek“ nannten, immer der Erste und Letzte war. Weil er bereit war, alles in seine Leidenschaft zu investieren. Und wenn er den Bus zum Training – zwei Stunden hin, zwei Stunden zurück – nehmen musste, weil seine Eltern als Lehrer im Warschauer Vorort Leszno ihr Geld verdienten.

Mit 15 Jahren gab es noch ein Ereignis, dass seinen Ehrgeiz prägen sollte: Lewandowski wurde bei Polonia Warschau abgewiesen. Er sei zu klein, zu schwach, hieß es. Doch er ließ nicht locker – und hatte dann Glück. Ein Förderer erkannte sein Talent, vermittelte ihn an den Drittligisten Delta Warschau, wo er seinen ersten Profivertrag bekam. Der Mann, der beim FC Bayern München bald bis 2019 jährlich fast zehn Millionen Euro verdienen soll (und dessen Gehalt der BVB freiwillig für die letzte Saison auf gut 4,5 Millionen verdreifachte), bekam damals rund 1500 Zloytch im Monat. Umgerechnet 350 Euro.

Karriere stand auf der Kippe

Der Anfang? Alles geriet erneut in Gefahr, als erst sein Klub pleite ging, dann sein Vater starb. Wieder stand die Karriere auf der Kippe. Lewandowski erzählte später, dass ihm in dieser Phase vor allem der Glaube an Gott geholfen habe. Dann kam die Anfrage, auf die er immer gewartet hatte: Legia Warschau wollte ihn. Doch noch einmal musste er Umwege nehmen, weil ihn der Verein nur in der zweiten Mannschaft einsetzte. Der Drittligist Znicz Pruszkow verhalf ihm zum Durchbruch, Lewandowski wurde Torschützenkönig, wechselte im Sommer 2008 zu Lech Posen. Für 380 000 Euro. Bereits zwei Jahre später war er nicht mehr in der Heimat zu halten.

Ewig pokerten die BVB-Bosse Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc, um Polens aktuellen Fußballer des Jahres nach Dortmund zu holen. Es gelang. Und doch diente ihr Wunschstürmer im ersten Jahr nur als Ergänzungsspieler, wurde 15-mal lediglich eingewechselt. Weil an einem gewissen Lucas Barrios kein Vorbeikommen war. Jürgen Klopp weiß, warum er genau daran vor dem heutigen Pokalspiel noch mal erinnert hat.

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