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Endlich mal wieder vorneweg gefahren: Fernando Alonso.
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Endlich mal wieder vorneweg gefahren: Fernando Alonso.

Formel 1

Rot ist die Leidenschaft

Ferrari macht sich nach dem Chaos- und Zufallsrennen von Singapur selbst Mut.

Von ELMAR BRÜMMER

Der Tankrüssel von Ferrari war nicht das einzige, was beim nächtlichen PS-Abenteuer von Singapur feststeckte. Ausgerechnet in der Sekunde, in der Fernando Alonso nach einem Jahr Abstinenz wieder als Sieger über die Ziellinie raste, brach die Radioleitung in die Renault-Heimat zusammen. "Allo Pari, Allo Pari" brüllte ein verzweifelter Franzose in sein Mikrofon. Als Paris endlich antwortete, war es auch schon vorbei, und nur noch der Jubel der Formel-1-Traumkulisse konnte atmosphärisch transportiert werden. Dabei kam es gerade beim surrealen Flutlicht-Grand-Prix darauf an, die Augenblicke auszukosten, die eine verwirrende Safety-Car-Phase produziert hatte. Ob bei Lichtgestalt Fernando Alonso oder dem zweitplatzierten Nico Rosberg - es waren wunderbare Momentaufnahmen durchaus verdienter Erfolge. Sieger Alonso wusste: "Unter normalen Umständen wäre ich wohl als 15. gestartet und als 14. ins Ziel gekommen."Die Nacht verstärkt die Explosion der Gefühle, lässt sie aber auch in Lichtgeschwindigkeit wieder verglühen.

Der Zufallsgenerator hat beim tropischen Stadtrennen kräftig mitgemischt, was in der entscheidenden Phase der Weltmeisterschaft hart ist für die, die leer ausgehen mussten. Aber zufällig wird in dieser Formel-1-Saison keiner Champion, vielmehr entscheidet die Zuverlässigkeit. Während die übers Rennjahr eher unglücklichen und unzufriedenen Asphalthelden Alonso und Rosberg daher eher mit Demut die Avancen entgegen nahmen, was ursächlich auch mit der Dehydrierung zusammenhängen könnte, schlichen die Ferraristi gedemütigt in die Finsternis. "Fehler sind menschlich", sagte Felipe Massa nach dem neuerlichen Boxengassenchaos. Er meinte den Mechaniker, der zu früh Grün gegeben und damit das Debakel ausgelöst hatte. Doch der Brasilianer, Vorletzter im Ziel, durfte im Plural sprechen, auch als er den unglücklichen Mechaniker im Hinterzimmer tröstete: "Junge, schau nach vorn."

Ausgerüstet mit dem überlegenen Auto fürs Bodenwellenreiten auf den Straßen Singapurs blieb für Kollege Kimi Räikkönen zwar die zehnte schnellste Rennrunde der Saison, und damit ein Schumacher-Rekord. Aber das wirkte beinahe höhnisch, nachdem sein Dienstwagen kurz vor Schluss in den Barrieren verraucht war. Totalschaden für die Titelverteidigung. "Ich bin draußen", ahnt der Finne, der nun 27 Zähler Rückstand auf den Silberpfeil-Spitzenreiter Lewis Hamilton hat.

Ferraris Teamchef Stefano Domenicali hat die Rolle des Krisenmanagers in diesem Jahr schon oft spielen müssen, er formuliert die Parolen wie aus einer Powerpoint-Präsentation: "Fakt ist, dass Emotionen Teil der Charakteristik des Ferrari-Teams sind. Uns hat schon immer die Leidenschaft ausgezeichnet, im richtigen Moment zurückzukommen." Die Hoffnung, dass dieser bei drei noch ausstehenden Großen Preisen in Fuji, Schanghai und Sao Paulo, allesamt für chaotische Rennverläufe bekannt, noch nicht verpasst ist, liefert der Blick auf die Formkurven einer unberechenbaren Saison: Sie wirken wie die 23 tückischen Kurven des Marina Bay Circuit, von denen jede anders war als die vorhergehende. Rot-Silber-Rot, und dazwischen Tupfer wie Vettel und Alonso.

Bereinigt um die chaotischen Umstände einer Nachtank-Regel während der Safety-Car-Phase, die Teamchefs und Piloten kaum verstehen, das Publikum schon gar nicht, wurden in Südostasien die Null-Fehler-Ritte belohnt: Das galt für Alonso, Rosberg und auch für den Drittplatzierten Lewis Hamilton. Der Silberpfeil-Pilot, mit seiner Kompromisslosigkeit und dem (Über-)Mut schon häufig angeeckt, war ein Ausbund an kalkuliertem Risiko: "Und genauso werden wir die nächsten Rennen angehen. Es wird ein harter Kampf." 24 Punkte in drei Rennen, dann wäre er Weltmeister, mit solchen Rechnungen braucht man Mercedes-Sportchef Norbert Haug gar nicht erst kommen. Denn da ist der Fluch des Vorjahres, als 17 Punkte Vorsprung verzockt wurden. Ferrari-Chef Domenicali will Singapur als Fluchtpunkt verstanden haben: "Drei Doppelsiege - und der Titel gehört uns."

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