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Am kommenden Freitag gehts los: Die Leichtathletik-WM in Katar startet.

Leichtathletik-WM

Der Sport als Schutzschild

Die Leichtathletik-WM dient Katar auch für politische Zwecke. Die Austragung der Olympischen Spiele ist das Fernziel.

Während sich am Golf ein schwerer Sturm zusammenbraut, gleicht Katar dem Auge eines Hurrikans: In der Nachbarschaft provozieren sich die Erzfeinde Saudi-Arabien und Iran, doch in dem kleinen Nachbaremirat herrscht Ruhe. Die braucht Katar dringend, denn in der kommenden Woche will sich das Land wieder der Welt so präsentieren, wie es sich gerne sieht: als Ausrichter hochkarätiger Sportveranstaltungen. Am nächsten Freitag beginnt in der Hauptstadt Doha die Leichtathletik-WM. Und die Sportwelt schaut auf Katar.

Die Aufmerksamkeit ist auch deshalb besonders groß, weil ein noch größeres Ereignis immer näher rückt. In etwas mehr als drei Jahren, im November 2022, wird in Katar der Anstoß zur Fußball-WM erfolgen, einem der größten Sportereignisse der Welt. Mit der Leichtathletik-WM hat das Emirat die Chance, seine Fähigkeit nachzuweisen, eine Großorganisation mit rund 2000 Sportlern bewältigen zu können. Gelingt das, wäre es ein weiterer Schritt, um vielleicht einen der größten Träume der katarischen Sportfunktionäre zu erfüllen – eines Tages Gastgeber der Olympischen Spiele zu sein.

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Die Handball-WM 2015, die Straßenrad-WM 2016, die Turn-WM 2018 – in den vergangenen Jahren hat das Emirat Erfahrung gesammelt. Auch auf den Sportfeldern anderer Länder ist Katar längst ein wichtiger, weil finanzstarker Akteur, nicht zuletzt als Eigner des französischen Fußball-Topklubs Paris St. Germain, der ja für die aberwitzige Summe von 222 Millionen Euro den Brasilianer Neymar verpflichtete.

Sport hat dabei nicht zuletzt die Aufgabe, den nicht immer besten Ruf des Emirats aufzupolieren, das dank seiner weltweit größten Reserven an Flüssiggas zu den reichsten Ländern gehört. Immer wieder sieht sich Katar dem Vorwurf ausgesetzt, es beute trotz des Reichtums die rund zwei Millionen Arbeitsmigranten im Land aus. Erst in dieser Woche klagte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International, das Emirat bleibe trotz Reformversprechen eine „Spielwiese“ für „skrupellose“ Firmen, die Arbeiter nicht bezahlten.

Immerhin, die Internationale Arbeitsorganisation der UN (ILO) hat Katar Fortschritte bei der Lage ausländischer Arbeiter bestätigt. Sport ist aber auch ein Schutzschild für das Emirat in einer Region, die ihm nicht freundlich gesinnt ist.

Im Sommer 2017 verhängten die Regionalmacht Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) über Nacht eine Blockade über den kleinen Staat in der Wüste. Sie werfen dem Land Terrorunterstützung und zu enge Beziehungen zu Iran vor, was das Herrscherhaus in Doha zurückweist. Sogar ein Krieg schien zeitweise denkbar. Doch gegen den künftigen Gastgeber der Fußball-WM vorzugehen, würde Saudi-Arabien negative Schlagzeilen bescheren. Stattdessen soll Riad hinter den Kulissen daran gearbeitet haben, Katar die WM zu entziehen – jedoch erfolglos.

Die Leichtathletik-WM ist auch deshalb für Katar ein Prestigeobjekt, weil es an seiner Aspire Academy in Doha eigene Sportler fördert. Der katarische Hochsprung-Weltmeister Mutaz Essa Barshim gehört zu den Besten seiner Zunft. Als Testlauf für die Fußball-WM aber dürften die Wettbewerbe im fast 50 000 Zuschauer fassenden Stadion in Doha trotz allem nicht dienen.

Wie schon die Handball-Weltmeisterschaft habe Katar die Leichtathletik-WM im Vorfeld international kaum vermarktet, sagt Tilman Engel, der mit seiner Firma SBC International Consulting in Katar als Sportberater tätig ist. Er rechnet nicht damit, dass viele Fans aus anderen Ländern anreisen. Mit Aufmerksamkeit dürfte beobachtet werden, ob Katar während der Wettbewerbe das Khalifa-Stadion füllen kann.

Bei der Fußball-WM 2022 muss Katar hingegen mit einem bislang nicht gekannten Massenansturm von Fans aus aller Welt rechnen. Der erste richtige Testlauf für dieses Turnier dürfte erst in knapp drei Monaten erfolgen, wenn die besten Vereine zur Fußball-Klub-WM in dem Emirat auflaufen. (dpa)

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