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Erstmals für Deutschland unterwegs: Amos Bartelsmeyer (rechts) und Sam Parsons (dahinter).

Leichtathletik-EM

Deutschland statt USA

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Amos Bartelsmeyer und Sam Parsons starten bei der EM für das Land ihrer Mütter.

Die Sonne strahlt Amos Bartelsmeyer ins Gesicht. In rotem Shirt und Laufhose steht der 24-Jährige auf der Tartanbahn der Sportanlage Hahnstraße. In den vergangenen Tagen hat er zusammen mit dem Mittelstrecken-Bundestrainer Georg Schmidt und einigen Teamkollegen von der LG Eintracht Frankfurt aus dem Kader des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) in Frankfurt trainiert. Zum allerersten Mal überhaupt, denn Bartelsmeyer ist erst seit kurzem für den DLV startberechtigt. Und am 1. März (13.30 Uhr) wird er das erste internationale Rennen mit dem Adler auf der Brust bei der Leichtathletik-Hallen-Europameisterschaft über 3000 Meter in Glasgow bestreiten. „Es ist aufregend. Ich freue mich wahnsinnig darauf“, sagt der Rotschopf.

Nicht wahnsinnig, aber zumindest außergewöhnlich ist der Werdegang von Amos Bartelsmeyer. Als Sohn eines US-Amerikaners und einer Deutschen wurde er in Aschaffenburg geboren, zog dann im Alter von zwei Jahren in die USA nach St. Louis und lebt und studiert jetzt in Seattle im Bundesstaat Washington - startet aber trotzdem für Deutschland. „Den deutschen Pass habe ich seit Geburt und war auch jeden Sommer in Deutschland“, sagt Bartelsmeyer, dessen Deutsch einen leichten amerikanischen Einschlag hat.

Die Entscheidung, für das Heimatland seiner Mutter zu starten, sei über einen längeren Zeitraum gereift. Gleich in seinem ersten offiziellen Rennen wurde er in 7:54,39 Minuten deutscher Hallen-Vizemeister über 3000 Meter. Nur knapp geschlagen von Samuel Parsons, der wie Bartelsmeyer eine deutsche Mutter und einen US-amerikanischen Vater hat und ebenfalls heute sein erstes internationales Rennen für Deutschland laufen wird. Auch Parsons startet für die LG Eintracht Frankfurt, trainiert aber in Diez in Rheinland-Pfalz, wo der 24-Jährige nach seinem Universitätsabschluss mittlerweile lebt.

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Anders als bei Bartelsmeyer, entschied sich Parsons von heute auf morgen für den DLV zu starten. Im Juli 2018 wurde er in einem Rennen über 5000 Meter in Belgien nur Vorletzter. Ein Frusterlebnis. Dazu kamen Schmerzen im Fuß, die ihn zum Saisonende zwangen. Daraufhin besuchte er seine Mutter, und sein Onkel legte ihm eines Abends ans Herz, doch für Deutschland zu starten. „Eines Morgens, nachdem ich in der Bäckerei die Frühstücksbrötchen geholt hatte, erklärte ich meiner Mutter, dass ich künftig das deutsche Nationaltrikot tragen wolle“, erzählt Parsons. „Da brach meine Mutter vor Freude in Tränen aus. Ein Moment, den ich nie vergessen werde.“

Danach ging alles sehr schnell. Am 6. September bekam er den deutschen Pass, und im Februar wurde er Deutscher Meister. „Das ist mehr ein Glücksfall als ein Politikum. Sam und Amos waren ja schon immer Deutsche – nun haben sie es ein bisschen spannend gemacht“, sagte Bundestrainer Georg Schmidt über das Duo. „Die Ankunft der beiden ist so etwas wie ein Hallo-Wach-Signal. Da müssen die Etablierten aufpassen“, warnte der 33-Jährige. „Amos und Sam sind gute Jungs. Die wollen angreifen.“

Das Finale haben die beiden sowie der dritte im Bunde, Florian Orth (LG Regensburg), als klares Ziel ausgegeben. „Und dann ist eine Platzierung ganz oben möglich“, sagt Bartelsmeyer.

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