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Allez hopp: Ulrich Kirchhoff will beim Festhallenreitturnier angreifen.

Reitturnier

Lehrer mit Ambitionen

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Ulrich Kirchhoff will beim Frankfurter Festhallenreitturnier möglichst weit vorne landen.

Seinen bislang letzten Auftritt beim Festhallenreitturnier in Frankfurt musste Ulrich Kirchhoff noch mal nachschlagen. Mit zwei Fehlern im Großen Preis auf Carino schloss der Doppelolympiasieger von Atlanta diesen damals ab. Wer gewann, das weiß der heute 51-Jährige nicht mehr. „Wahrscheinlich war ich da schon abgefahren.“ Die Laune sei nach so einem Umlauf nicht mehr die beste.

Schließlich will der gebürtige Niedersachse, der seit fünf Jahren für die Ukraine startet, dort, wo er in den Sattel steigt, nicht nur mitreiten, sondern konkurrenzfähig sein und möglichst weit vorne landen. Bei der am Donnerstag beginnenden nächsten Auflage der Traditionsveranstaltung wird das nicht leicht. Kirchhoff bringt drei noch recht junge Pferde, die neunjährigen Alpacino und Cancun für die großen Prüfungen sowie den ein Jahr jüngeren Cadoc für die Youngster Tour, mit an den Main. Zudem ist das Feld der Springreiter trotz des erstmals parallel ausgetragenen, höchst lukrativen Global-Champions-League-Turniers in Prag keineswegs schlecht besetzt. Der Niederländer Jeroen Dubbeldam und der Schwede Rolf-Göran Bengtsson treten zum Beispiel in der weihnachtlich dekorierten Arena an, zwei weitere olympische Einzelmedaillengewinner im Parcours. Aus deutscher Sicht gehören Vielseitigkeits-Olympiasieger Michael Jung, der frühere Europameister Marco Kutscher oder die ehemalige Teamweltmeisterin Janne-Friederike Meyer-Zimmermann zu den bekannteren Namen. Bundesnachwuchskader Gerrit Nieberg, Sohn des langjährigen deutschen Championatsreiters Lars Nieberg, wird einiges dafür unternehmen, seinen Vorjahreserfolg im Stangenwald zu wiederholen.

Sportler mit zwei Pässen

Kirchhoffs Anfahrtsweg ist diesmal nicht weit. Zwar lebt der Mann aus Lohne weiter mit seiner Freundin und Sportkollegin Barbara Suter in der Nähe von Mailand. Doch seit Dezember hat er eine zusätzliche Heimat: Gemeinsam mit seiner Schülerin Rebecca Pohl hat er auch noch das Gestüt Prinzenberg im südhessischen Pfungstadt übernommen. Noch laufen auf dem Anwesen, das vorher der ehemalige Junioren-Bundestrainer Dietmar Gugler bewirtschaftete, umfassende Renovierungsarbeiten. Doch spätestens Ende Februar soll alles fertig sein.

Acht Pferde haben dort bislang Platz im Stall gefunden. Sie sollen der 21-jährigen Amazone zu immer größeren Erfolgen verhelfen. Das Potenzial sei da, sagt Kirchhoff über die junge Frau aus dem reichen Gründerhaus der Deutschen Vermögensberatung. Von der sportlichen Einstellung her ähnelt sie ihm offenbar sehr.

Doch auch der Lehrer selbst hat noch Ambitionen. Bei den Olympischen Spielen in Rio war er für die Ukraine am Start, und obwohl es rund um den Oligarchen Oleksandr Onyschtschenko, der das Team ursprünglich zusammengekauft hatte, viel Wirbel gab und dem auch in der Politik engagierten Milliardär wegen Korruption die von langer Hand vorbereitete Teilnahme in Brasilien dadurch verboten war, bleibt Kirchhoff dem neuen sportlichen Zuhause treu. Sein vierbeiniger Partner von damals, Prince de la Mare, wurde zwar mittlerweile verkauft, und der mit zwei Pässen ausgestattete Sportler muss nun viel versprechende Talente neu aufbauen. Doch auch die Teilnahme in Tokio in zwei Jahren peilt er wieder an.

Die Chancen dafür stünden in der ukrainischen Equipe auf jeden Fall besser als hierzulande, gibt Kirchhoff als Grund für die Entscheidung an. Zudem könne er sich so besser und in Ruhe auf die Herausforderungen vorbereiten und seine eigenen Pläne verfolgen.

Ein getrübtes Verhältnis zu Bundestrainer Otto Becker habe er nicht. Vergangene Woche erst hatte Kirchhoff dem früheren Weltcup-Sieger zu seinem 60. Geburtstag gratuliert. Von außen gesehen gebe es Dinge, die er an der Arbeit des hierzulande Verantwortlichen schätze; Becker und seine Kollegen zu kritisieren, stehe ihm nicht zu, heißt es.

In der Festhalle werden die beiden sich wiederbegegnen. Denn wie seine Dressurkollegin Monica Theodorescu wird auch Becker die Präsentationen der Paare in der gerne als Oper des Pferdesports betitelten Veranstaltungsstätte begutachten. Der Tanz durchs Viereck, unter anderem mit der aktuell alles dominierenden Doppelweltmeisterin Isabell Werth, ist dabei mindestens genauso gut besetzt wie die Jagd über die Hindernisse.

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