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Lehmanns letzter Ausflug?

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Dumm gelaufen: Lahm wird überlaufen, Torres schiebt den Ball am herausstürzenden Lehmann vorbei ins Tor.
Dumm gelaufen: Lahm wird überlaufen, Torres schiebt den Ball am herausstürzenden Lehmann vorbei ins Tor. © rtr

Wenn nicht alles täuscht, spielt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft künftig mit einem anderen Torwart.

Von JAN CHRISTIAN MÜLLER

Es ist wahrscheinlich, dass Jens Lehmann am Sonntagabend zum letzten Mal im Tor der deutschen Nationalmannschaft stand. Jedenfalls in einem offiziellen Länderspiel. Das EM-Finale war der 61. Auftritt des 38-Jährigen. Nun drängt es sich geradezu auf, dass Lehmann am 2. September im Abschiedsspiel für Oliver Kahn in München ebenfalls ein würdiger Abgang von der großen internationalen Bühne bereitet wird. Die beiden jahrelangen Rivalen, deren gegenseitige Abneigung mitunter skurrile Züge annahm, ehe die Altersweisheit sie eines Besseren belehrte, noch einmal an einem Abend in gegnerischen Toren: Die Inszenierung könnte zur großen Show werden - wenn die Protagonisten und der Deutsche Fußball-Bund dazu bereit wären.

Am Sonntag bewahrte Lehmann seine Mannschaft mit einer gelungenen Parade in der 14. Minute vor einem frühen Rückstand, als Christoph Metzelder eine harte Hereingabe versehentlich aufs eigene Tor befördert hatte. Die deutschen Fans reagierten mit "Jens Lehmann"-Sprechchören, die sie nach einer halben Stunde, als Lehmann einen Weitschuss von Cesc Fabregas festhielt, noch einmal wiederholten. Zwei Minuten später hätte der deutsche Torwart aber die bessere Entscheidung getroffen, wenn er Torres vor dessen Schlenzer zum 1:0 nicht entgegengeeilt, sondern im Tor geblieben wäre. Philipp Lahm, der wie Lehmann und Metzelder beim spanischen Führungstreffer nicht gut aussah, brach den Zweikampf mit Torres ab, offenbar, weil er glaubte, der Torwart sei vor dem spanischen Stürmer am Ball. Ein Irrglaube. In ähnlicher Situation in der zweiten Halbzeit war der aufmerksame Lehmann dann da - und reagierte danach ganz stark gegen Ramos und Iniesta.

Noch hält sich Bundestorwarttrainer Andreas Köpke mit offiziellen Äußerungen zu Lehmanns Zukunft im DFB-Dress auffallend zurück, und der Torwart selber tat bisher so, als müsse er eine Entscheidung noch treffen. Aber intern dürfte zumindest eine Vorentscheidung längst gefallen sein: René Adler und Robert Enke als Favoriten, Manuel Neuer und Timo Hildebrand mit Außenseiterchancen streiten um die Position der künftigen Nummer eins.

Lehmanns Leistungen bei dieser Europameisterschaft waren zu wechselhaft, als dass sich eine Fortführung der internationalen Karriere bis zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika aufdrängen würde. Er wäre dann fast 41. Schon jetzt war er mit 38 Jahren und 232 Tagen der älteste Torwart, der je das Endspiel einer EM bestritten hat. Lehmann, der am 19. Dezember beim 2:2 von Schalke 04 bei Borussia Dortmund als erster Torwart der Bundesliga ein Feldtor erzielte, hinterließ nur im Viertelfinale gegen Portugal einen uneingeschränkt sicheren Eindruck. Weil seine Vorderleute, allen voran auch gegen Spanien wieder Metzelder, aber ebenfalls nicht immer auf der Höhe des Geschehens waren, gehörte Lehmann laut Uefa-Statistik zu den besten Keepern dieses Turniers. Er wehrte insgesamt 26 schwerere Bälle ab, mehr als jeder andere Torwart. Im Uefa-Index landete er auf Platz vier hinter dem Niederländer Edwin van der Sar, dem Schweden Andreas Isaksson und dem Rumänen Bogdan Lobont.

Nun kommt auf Lehmann in Stuttgart eine neue Herausforderung zu - und vor allem: ein Stammplatz. Aber der Druck wird groß sein: Als Nachfolger des auch an den großen Erwartungen gescheiterten Raphael Schäfer erwartet Trainer Armin Veh von Lehmann nicht mehr und nicht weniger als Souveränität. Die Bundesliga, auf deren schwächeres Niveau im Vergleich zur englischen Premier League Lehmann mehrfach hingewiesen hat, wird ihm vermutlich keinen entspannten Vorruhestand gewähren.

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