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Lehmann in Rage

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Von: Frank Hellmann

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Geknickte Stuttgarter: Jens Lehmann wirft Diego vor, im Spiel einen Freistoß geschunden zu haben.
Geknickte Stuttgarter: Jens Lehmann wirft Diego vor, im Spiel einen Freistoß geschunden zu haben. © dpa

Der VfB blamiert sich bei der Gala des Brasilianers Diego. Stuttgarts Ex-Nationaltorwart nennt den Mittelfeldstar derweil einen Betrüger. Von Frank Hellmann

Fußballfans sind bekannt dafür, wenig Feingefühl für Verlierer aufzubringen. Und so intonierte der Werder-Anhang in der Ostkurve am gestrigen Abend einen Singsang, der einem ganz in schwarz gekleideten Tormann gar nicht gefallen haben dürfte. "Schießbude Lehmann", grölte das Publikum, als der erste Bundesliga-Feiertag des Jahres 2009 ihrer Lieblinge zur Gewissheit geworden war. Denn mit dem kaum für möglich gehaltenen 4:0 (1:0) schoss sich Werder Bremen gegen überforderte Schwaben ziemlich viel Alltagsfrust von der Seele. Das sorgt vor dem Uefa-Cup-Rückspiel am Mittwoch in St. Etienne für Auftrieb. "Unser Trend zeigt nach oben", meinte Werders Wortführer Torsten Frings zufrieden.

Bei Markus Babbel drückte die erste Bundesliga-Niederlage unter seiner Regie mächtig auf die Stimmung: "Nach der Leistung müssen wir unsere Ziele nach unten korrigieren", so Stuttgarts Teamchef. Abermals fiel dabei der Exzentriker Jens Lehmann als besonders schlechter Verlierer aus der Rolle. Alles drehte sich um den präzisen Freistoß von Diego zum 1:0 (34.), dem später Claudio Pizarro ein weiteres Traumtor zum 2:0 (53.) und der zuletzt so glücklose Schwede Markus Rosenberg die Treffer zum 3:0 (59.) und 4:0 (74.) folgen ließ.

Lehmann machte das Debakel allein am ersten Gegentreffer fest. Um den Freistoß hatte es allerlei Tamtam gegeben, denn der Keeper kritisierte zuerst die Berechtigung, monierte danach den Abstand und stellte kurzzeitig seinen Verteidiger Christian Träsch in seine entfernte Ecke, in die der Ball dann schließlich einschlug. Dumm gelaufen. Derart frustriert und düpiert, geriet der 39-jährige Ex-Nationaltorhüter noch in der Halbzeit beim Gang in die Kabinen mit dem 24-jährigen Brasilianer in Bremer Diensten aneinander. "Wenn Diego sich darüber freut, dass er durch Täuschung einen Freistoß herausholt, dann ist das sein Charakter. Solch einen Spieler kann ich nicht akzeptieren", klagte Lehmann, "den will ich weder in meiner noch in einer anderen Mannschaft haben."

Konter von Allofs und Diego

Diego reagierte gelassen - genau wie beim Freistoß, den Schiedsrichter Günter Perl nach Lehmanns-Intervention rund zehn Zentimeter nach hinten verlegt hatte. "Es gab im Spiel und in der Halbzeit ein paar Probleme mit ihm", berichtete Bremens überragender Spielmacher und konterte: "Lehmann soll sich darauf konzentrieren, die Bälle zu halten. Er hat wohl vergessen, dass er Spieler ist und nicht Schiedsrichter." Und zu dem zurückverlegten Freistoß merkte er süffisant an: "Vielleicht waren das die entscheidenden Zentimeter." Tatsächlich war es knapp:Der per Freistoß getretene Ball sprang unter die Latte und erst danach ins Tor. Es war der Anfang vom Ende der Stuttgarter Serie mit neun ungeschlagenen Spielen in der Bundesliga.

Deutliche Worte für Lehmanns Verhalten im Kabinengang und zu dessen Aussagen nach Spielschluss fand Allofs. "Er erkennt viele Dinge richtig, aber nicht alle, dennoch glaubt er ganz allein die Wahrheit zu erkennen", sagte der Werder-Clubchef. "Er ist doch selbst ein Typ, über den es genug Dinge gibt, die man nicht gut finden kann, aber es stellt sich doch auch nicht jedesmal ein Spieler der anderen Mannschaft hin und prangert ihn so an."

Es war nicht Lehmanns erster Auftritt der unangenehmen Art in dieser Saison. Beim 3:3 in Hannover geriet der Hitzkopf mit den Gegenspielern Jiri Stajner und Michael Tarnat aneinander und stauchte zudem einige Teamkollegen zusammen. Beim 1:2 im UEFA-Cup-Hinspiel in St. Petersburg riss er seinem Mitspieler Boulahrouz wutentbrannt das Stirnband vom Kopf. Und beim 3:3 gegen 1899 Hoffenheim warf Lehmann den vor seinem Strafraum liegenden Schuh von Sejad Salihovic auf das Tornetz.

Die VfB-Verantwortlichen mussten sich aber über die gesamte Stuttgarter Mannschaft ärgern. "Ich bin stinkesauer", gab Manager Horst Held zu:"Ich habe selten eine eine so überhebliche und arrogante Mannschaft gesehen." Für ihn war das Spiel "eine einzige Enttäuschung".

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