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Leben auf der Grenze

Borderline-Patienten spüren weniger SchmerzBorderline-Patienten empfinden häufig nur wenig oder sogar überhaupt keine Schmerzen, wenn sie sich selbst Verletzungen zufügen. Tatsächlich handle es sich bei diesem rätselhaften Phänomen um "einen völlig neuartigen neurobiologischen Mechanismus der Schmerzunterdrückung durch eine aktive Leistung des Gehirns".

Mainz (ap). Borderline-Patienten empfinden häufig nur wenig oder sogar überhaupt keine Schmerzen, wenn sie sich selbst Verletzungen zufügen. Dabei verlaufen Schmerzentstehung und -weiterleitung bei ihnen ebenso völlig normal wie die Reaktionen der Nervenzellen im Gehirn, wie Wissenschaftler der Universität Mainz und des Zentralinstituts für seelische Gesundheit in Mannheim herausfanden. Tatsächlich handle es sich bei diesem rätselhaften Phänomen also um "einen völlig neuartigen neurobiologischen Mechanismus der Schmerzunterdrückung durch eine aktive Leistung des Gehirns".

Rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland - überwiegend Frauen zwischen 15 und 25 Jahren - leiden unter Borderline. Der Ende der 30er Jahre geprägte Begriff geht auf den amerikanischen Psychoanalytiker William Louis Stern zurück, der damit psychische Störungen umschrieb, die zwischen Neurose und Psychose schwanken. Heute gilt das Syndrom, dessen genauen Ursachen noch immer unklar sind, als eigenständiges Krankheitsbild: Borderliner leiden unter einer schier unerträglichen inneren Spannung, die sich abwechselnd in großer Euphorie und tiefer Niedergeschlagenheit äußert. Vor allem weibliche Patienten versuchen diese Spannung zu überwinden, indem sie sich selbst Verletzungen zufügen.

Die weitgehende Reduzierung des Schmerzempfindens bei diesen Selbstverletzungen bezeichnen die Experten als hypoalgetischen Zustand. Die Forscher untersuchten Borderline-Patientinnen und gesunde Vergleichspersonen, indem sie mit einem Infrarot-Laser kurze Hitzereize auf den Handrücken setzten, die Probanden gleichzeitig mit Denkaufgaben ablenkten und währenddessen die Verarbeitung der Schmerzreize im Gehirn mit Hilfe der so genannten Elektroenzephalographie (EEG) dokumentierten.

Ergebnis: Die Borderlinerinnen hatten deutlich höhere Wahrnehmungs- und Schmerzschwellen für die Laserreize als die gesunde Vergleichsgruppe. Zugleich gaben sie ein signifikant niedrigeres subjektives Schmerzempfinden an. Doch bei den objektiven Werten, die per EEG gemessen worden waren, gab es keinerlei Unterschiede. Die Wissenschaftler folgern daraus, dass die Verarbeitung schmerzhafter Reize im Gehirn der Patientinnen vollkommen intakt ist und dass es sich daher um einen aktiven Mechanismus der Schmerzunterdrückung im Hirn handelt.

"Der Schmerz wird als Ereignis zwar wahrgenommen, aber nicht als schmerzhaft empfunden. Das heißt, er wird subjektiv anders bewertet", erklärt der Mainzer Mediziner Wolfgang Greffrath. Diese Befunde sind nach Angaben des Experten einerseits für das Verstehen der Borderline-Störung von Bedeutung. Andererseits erhoffen sich die Forscher vom genaueren Verständnis dieses Phänomens auch mögliche Ansätze für eine Verbesserung der Therapie chronisch gesteigerter Schmerzen.

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