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Das pure Glück: Katharina Steinruck im Ziel.  

Katharina Steinruck

Katharina Steinruck beim Frankfurt-Marathon: Der Lauf ihres Lebens

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Beim Frankfurt-Marathon rennt Katharina Steinruck zum Olympiaticket, Valary Aiyabei stürmt zum Streckenrekord.

Schon am Anfang des roten Teppichs beim stimmungsvollen Einlauf in die Frankfurter Festhalle breitete Katharina Steinruck die Arme aus. Kurz danach schwang sie in dem ohrenbetäubenden Getöse die Faust, während die letzten Sekunden heruntertickten. Die Leuchtziffern zeigten 2:27:26 Stunden an: Nie war die 30-Jährige über die klassischen 42,195 Kilometer schneller: persönliche Bestleistung um mehr als eine Minute unterboten, zehnter Platz im exquisiten Frauenfeld, das Ticket für die Olympischen Spiele 2020 praktisch in der Tasche. Ihr 13. Marathon – der dritte in Frankfurt – sollte das perfekte Rennen werden. Fast zwei Minuten blieb sie unter der Olympianorm (2:29:30).

„Ich hätte nie gedacht, dass ich am Ende so schnell bin“, sagte die von Ihren Gefühlen überwältigte Katharina Steinruck, die von Vater Wolfgang Heinig und Mutter Katrin Dörre-Heinig gedrückt wurde. Letztere fungiert in einer Doppelrolle als Heimtrainerin und Bundestrainerin für den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) und konstatierte stolz: „Sie hat alles richtig gemacht. Sie weiß jetzt, was sie laufen kann.“ Die ehemalige Weltklasseläuferin und dreimalige Frankfurt-Siegerin weiß, dass ihre Tochter die ständigen Vergleiche nicht mag. Deshalb sollte die Namensänderung nach der Hochzeit im vergangenen Jahr „ein schöner Neuanfang“ sein.

„Der ganzen Familie ist eine unheimliche Last abgefallen. Der Druck ist von Tag zu Tag gewachsen. Es war eine unheimliche nervliche Belastung“, erklärte Katharina Steinruck den emotionalen Ausbruch ihrer Angehörigen. Obwohl sie am Tag vor dem Rennen immer „ein Nervenbündel“ sei, lief sie sehr rational in neue Sphären. Ihr Ausrufezeichen passte zur Demonstration weiblicher Stärke: Überraschend stürmte die Kenianerin Valary Aiyabei einsam zum neuen Streckenrekord von 2:19:10 Stunden und pulverisierte die Marke der Vorjahressiegerin Meskerem Assefa (2:20:36) deutlich. Die 27-jährige Siegerin lief weltweit die fünftbeste Zeit des Jahres.

Starke Tempomacher

Katharina Steinbrucks Vorstellung war nach einer Fersenoperation vor genau einem Jahr allerdings auch nicht hoch genug einzuschätzen. Dass die gebürtige Leipzigerin zuvorderst über alternative Trainingsformen, vom Skiroller bis zum Aquajogging, ihre Kraftausdauer aufbaute, war gewiss nicht von Nachteil. Neue Bestzeiten über 10 Kilometer und im Halbmarathon dienten als Indiz, dass sie in den Bereich ihrer persönlichen Bestzeit (2:28:34) vordringen könnte. Bis auf die gebürtige Äthiopierin Melat Kejata vom Laufteam Kassel (2:23:57) war keine DLV-Athletin in diesem Jahr schneller. Das Aushängeschild der LG Eintracht Frankfurt dürfte den zweiten Startplatz für den Olympischen Marathon sicher haben, der 2020 voraussichtlich in Sapporo statt Tokio stattfindet.

„Meine Pacemaker haben sehr ordentliche Arbeit gemacht. Ich habe die Jungs einfach machen lassen“, lobte die seit 15 Jahren in der Mainmetropole beheimatete Katharina Steinruck. Bei optimalen Bedingungen – Temperaturen von 13, 14 Grad, kaum Wind – hielt sich die von vielen Fans, Freunden und Polizeikollegen angefeuerte Startnummer sieben anfangs klugerweise in einer Männergruppe auf, die von ihrem Tempomacher Steffen Uliczka kontrolliert wurde. Bei Kilometer 30 gelang mit 1:45 Stunden eine „Punktlandung“, ab Kilometer 40 hieß es „Feuer frei“.

Ihr beherzter Lauf galt als Beleg, nicht immer den neuesten Trends hinterherlaufen zu müssen. „Katha“ hält von veganer Ernährung für Leistungssportler beispielsweise gar nichts. „Jeder soll das für sich selbst ausmachen. Ich esse alles.“ Wenn ihr Ehemann Robert an Wochenenden auch mal Semmelknödel und Schweinelende zubereitet, schiebt sie den Teller nicht beiseite; und wenn keine Zeit nach einem langen Training bleibt, wird schon mal eine Dose Ravioli aufgemacht. Nach ihrem Lauf des Lebens bemühte die Familie allerdings eine andere kulinarische Tradition: Am Sonntagabend ging es zum Essen beim Eritreer. Am Montag, das wusste Katharina Heinig schon, „gehe ich wieder die Treppe rückwärts runter.“ Weil irgendwann der Schmerz die Freude überholt.

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