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Portrait

Der Langläufer

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Ulrich Höller ist Chef der Deutschen Immobilien Chancen (DIC) und plant neue Stadtviertel. Die Energie dafür findet er morgens um sechs im Wald.

Er lernt die Welt im Laufen kennen. Jeden Morgen um 6 Uhr bricht Ulrich Höller von seinem Haus am Rande Frankfurts in den Wald auf. "Gerade jetzt ist es die schönste Zeit des Übergangs, es beginnt schon langsam hell zu werden." Der 42-Jährige ist dann "ganz bei mir selbst in Gedanken versunken". Er nimmt immer wieder am Marathon teil, "um meine Grenzen kennenzulernen". Und der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Immobilien Chancen (DIC) läuft auch gleichsam beruflich: "Morgens früh durch viele Städte - was man da alles sieht und kennenlernt!"

Der Manager mit der 70-Stunden-Arbeitswoche braucht dieses "Abtauchen" dringend. Wie ein Wirbelwind ist der gebürtige Essener, der in Trier aufwuchs, seit 2002 in die deutsche Immobilienszene eingebrochen. Setzt gerade in der DIC-Heimatstadt Frankfurt städtebauliche Zeichen: Für 500 Millionen Euro soll auf dem früheren Degussa-Areal ein neues Stadtviertel mit Büros und Wohnungen entstehen. An der Hasengasse hat die DIC die neue städtische Zentralbibliothek gebaut, an der Konstablerwache wird gerade das traditionsreiche Bienenkorbhaus spektakulär umgestaltet… Da kann noch mehr kommen.

Höller kontrolliert ein Immobilienvermögen von 2,9 Milliarden Euro. Nennt sich selbst "ruhe- und rastlos". Fügt lächelnd hinzu: "Ich hab' immer den Finger in der Steckdose." Sieht sich als Repräsentant einer neuen Generation von Immobilien-Managern, eine "nach den alten Baulöwen" aus der Nachkriegszeit. 1991, als er anfing, hatte die Branche einen "echt schlechten Ruf". Heute ist DIC "börsennotiert", sagt er stolz. Im Gespräch unterstreicht er Sätze mit Bewegungen der Handkante: "Ich kann harsch sein", sagt er dann oder "Ich mag nicht, wenn halbgar gearbeitet wird".

"Superkritisch"

Der Absolvent der European Business School in Eltville war mit 28 Jahren schon Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens. Er begann, die Stadt seiner Kindheit umzukrempeln: "Wenn ich heute durch Trier laufe, kann ich mit Stolz auf das eine oder andere Gebäude zeigen." Aus seinem Büro dort hat er eine farbige Neon-Installation mitgebracht, die gleich am Eingang des DIC-Hauptquartiers steht.

"Superkritisch" schimpft der Familienvater (zwei Kinder) auf das Durcheinander in der Regionalpolitik: "Die Eschborns dieser Welt machen uns das Leben schwer." Es brauche endlich eine politische Neu-Organisation von Stadt und Region: "Noch so ein Schlag wie der Abzug der Deutschen Börse - das hätte massive Auswirkungen auf die Branche."

Er setzt auf den neuen Dezernenten Boris Rhein (CDU), damit "die Wirtschaftspolitik endlich stärkere Bedeutung bekommt". Die Stadt müsse die Gewerbesteuer senken, "selbstverständlich". Wieder die Hand. Zack.

Er liebt Frankfurt, "mit allen Stärken und Schwächen". Dass die Umgestaltung des Goetheplatzes so lange brauche, nennt er "peinlich für die Stadt". Und beim Zustand der Zeil und ihrer Nebenstraßen müsse Frankfurt "tierisch zulegen". Er lacht: "Ich bin Perfektionist." Diesen August will er den Kilimandscharo besteigen.

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