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Mit langem Anlauf ins nasse Glück

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Von: Jürgen Ahäuser

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Die Berlinerin Daniela Samulski wird in Rom über die 50 Meter Rücken Vize-Weltmeisterin. Von Jürgen Ahäuser

Das war ein langer Anlauf. Seit zehn Jahren schwimmt Daniela Samulski in der deutschen Nationalmannschaft, sie hat ungefähr ein Dutzend nationale Meistertitel gewonnen, aber die Stelle, an der im Register internationale Erfolge bilanziert werden, blieb bis zum Beginn der Schwimm-WM ziemlich leer. Seit gestern ist der Eintrag vom ersten Tag der globalen Wettkämpfe noch einmal um 100 Prozent gewachsen.

Die für Essen startende Berlinerin wurde über 50 Meter Rücken Zweite. "Ich habe nicht Gold verloren, sondern Silber gewonnen," sagte die Sprintspezialistin, die bereits mit dem zweiten Rang in der 4x100-Meter-Staffel für den wichtigen mentalen Schub in der deutschen Mannschaft gesorgt hatte. Überraschende Siegerin dieses Rennens wurde in neuer Weltrekordzeit die Chinesin Jing Zhao. Die Weltbestzeit über die kurze Rückensprintstrecke war in Rom wie ein Ping-Pong-Ball hin- und hergewechselt.

Der Kaiser von Rom

Im Halbfinale hatte Samulski, die sich bereits bei der WM-Qualifikation in Berlin zur schnellsten Rückenschwimmerin der Welt gemausert hatte, den Rekord auf 27,39 geschraubt, ehe die Russin Anastasia Zujewa noch eine Hundertstelsekunde schneller war. Die eigentliche Favoritin wurde beim Überraschungsangriff der Chinesin (27,06) nur Vierte. "Sie war mir ehrlich gesagt bis ins Finale unbekannt. Die hatte niemand auf der Rechnung", meinte Samulski. Obwohl es für die 25 Jahre alte Europarekordlerin der bisher wertvollste Erfolg ihrer wechselhaften Schwimmkarriere war, wollte die Berlinerin nicht von ihrem größten Tag sprechen. "Vielleicht kommt das noch. Aber der Weltrekord mit der Staffel in Berlin war auch sehr schön."

Liebling des enthusiastisch diesen heißen Sommerabend zelebrierenden Publikums war Cesar Cielo Filho. Der Brasilianer machte sich mit seinem Sieg über die klassischste aller Wasserrouten tatsächlich zum Kaiser dieser WM. Es war aber nicht der historische Sprung eines Menschen in einem legalen Schwimmanzug unterhalb der 47 Sekunden Grenze, mit dem der Brasilianer die Herzen der 14 000 gewann, es war das beinahe Ertrinken an seinen eigenen Tränen beim Ertönen der brasilianischen Nationalhymne. "Auf dieser Strecke der beste der Welt zu sein, ist größer als die Goldmedaille über die 50-Meter-Freistil in Peking", erklärte Filho. Die Last von 1000 Pfund sei von seinem Rücken gefallen, erzählte der 22-Jährige, der sich den Schliff für explosives Wasserpflügen auf dem College in Alabama holt.

Britta Steffen hatte auf ihrem Weg zur "Caesarin" von Rom für einen Moment die Angst gepackt, sich aus dem heutigen Gold-Rennen über 100-Meter-Freistil zu baden. Am Ende blieb die Weltrekordlerin im Halbfinale aber nur knapp hinter Dauerrivalin Lisbeth Trickett aus Australien.

An Erfahrung gewonnen

Gewonnen haben auch die beiden Darmstädter Talente Yannick Lebherz und Marco Koch allerdings nur an viel Erfahrung. Während Koch, der über 200 Meter Brust im Halbfinale ausschied und dabei auch seinen Europarekord verlor, nahm Vereinskollege Lebherz das Aus über 200 Meter Rücken mit einiger Gelassenheit. "Ich habe ja über 400 Meter-Lagen noch eine Chance und ich nehme jetzt schon viel mit."

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