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DFB-Präsident Theo Zwanziger und der umstrittene Fifa-Präsident Joseph S. Blatter.
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DFB-Präsident Theo Zwanziger und der umstrittene Fifa-Präsident Joseph S. Blatter.

Bestechungsskandal bei der FIFA

Das lange Schweigen der Deutschen

Der Deutsche Fußball-Bund ist in der Ära Joseph Blatter nie durch Aufsässigkeit aufgefallen. Stattdessen arrangierte man sich. DFB-Präsident Theo Zwanziger, der am Mittwoch zum exklusiven Kreis der Fifa stößt, wird daran so schnell nichts ändern.

Von Wolfgang Hettfleisch und Jan Christian Müller

Der Deutsche Fußball-Bund ist in der Ära Joseph Blatter nie durch Aufsässigkeit aufgefallen. Stattdessen arrangierte man sich. DFB-Präsident Theo Zwanziger, der am Mittwoch zum exklusiven Kreis der Fifa stößt, wird daran so schnell nichts ändern.

Vor ein paar Tagen hat sich Theo Zwanziger getraut, eine kritische Einlassung in Richtung Fifa abzugeben. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes forderte in einem Interview die dauerhafte Installation einer externen Untersuchungskommission. „Es ist wichtig, dass man bei bestimmten Entscheidungen die Verantwortung auslagern kann. Es braucht eine sichtbare Gewaltenteilung innerhalb der Organisation“, begründete der ehemalige Steuerinspektor.

Das ist fast schon mutig formuliert von einem, der an diesem Mittwoch im Alter von fast 66 Jahren erstmals als Mitglied zum Kreis des 24-köpfigen Fifa-Exekutivkomitees stoßen wird.

Als Nachfolger von Franz Beckenbauer kommt Zwanziger in dem Wissen ins mächtigste Gremium des Blatter-Imperiums, dass „die Fifa ein Imageproblem hat“. Wie ernst sein Vorstoß indes zu nehmen ist, dokumentiert die einmütige Haltung des Europäischen Verbandes Uefa angesichts der zuletzt erhobenen Forderung nach einer Verschiebung des Wahltermins: Davon wollten die Europäer, unter ihnen der mächtige Deutsche Fußball-Bund mit Exekutivmitglied Zwanziger, nichts wissen. Im Gegenteil: Sie haben sich bereits festgelegt, wer Fifa-Präsident bleiben soll.

Sepp Blatter, und sonst niemand. Ansonsten, fürchten sie, könnte der europäische Einfluss auf den Weltfußball schwinden. Es ist die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Als Letzter widersprach Braun

Der DFB ist in der Ära Blatter nie durch Aufsässigkeit aufgefallen, seit er bei der Wahl des Schweizers zum mächtigsten Fußballfunktionär 1998 in Paris erfolglos auf dessen Gegenspieler, den alten Schweden Lennart Johansson, gesetzt hatte. Seinerzeit herrschte Eiszeit zwischen den Deutschen und deren Präsidenten Egidius Braun auf der einen und Blatters Fifa auf der anderen Seite. Das besserte sich erst, als 2001 Gerhard Mayer-Vorfelder die Nachfolge von Braun übernahm und sich der Angelegenheit pragmatisch annahm.

Der inzwischen 78-jährige „MV“, Zwanzigers Vorgänger als DFB-Boss, ist genau der Typ Fußballfunktionär, dem all die Annehmlichkeiten, die einem Mitglied der Fifa-Exekutive zuteilwerden, eine Spur zu gut gefallen. Franz Beckenbauer soll sich alsdann in der Altherrenrunde vor allem gelangweilt haben, dabei werden seine Fähigkeiten als Netzwerker und sein Instinkt als Geschäftsmann oft unterschätzt.

Zwischendurch galt der „Kaiser“ Beckenbauer als erster Anwärter auf den Fifa-Thron, für einen Unternehmer wie ihn wäre das Amt aber wohl eher Einschränkung gewesen als Zugewinn. Auch Zwanziger begleitet ein beliebtes Fehlurteil durch seine bemerkenswerte Funktionärskarriere, die im Sommer 2004 zunächst im Sturz von Mayer-Vorfelder gipfelte. Der honorig daherkommende Mann aus Altendiez wird konsequent unterschätzt.

Als der Franzose Michel Platini 2007 in Düsseldorf den alten Haudegen Johansson vom Uefa-Thron stürzte und an die Spitze der Uefa gewählt wurde, war Zwanziger noch erkennbar eine Randfigur.

Bei Uefa- oder Fifa-Kongressen bewegt er sich bis heute nicht mit der Selbstverständlichkeit des von keinerlei Selbstzweifeln heimgesuchten „MV“ von Bistrotisch zu Bistrotisch. Aber Zwanziger hat zugleich ein ausgeprägtes Sensorium dafür, wie sehr er durch die aktuelle Konstellation an Kontur und Bedeutung gewinnen könnte – die Anlehnungsbedürftigkeit des angeschlagenen Fifa-Regenten Blatter; die zornige Selbstisolation der verprellten Engländer und Platinis Gelüste, zum Herrscher des Weltfußballs aufzusteigen.

Ein auch nur annähernd vergleichbar gutes Netzwerk wie bei den deutschen Landesfürsten fehlt dem Neuling Zwanziger freilich in der Fifa, weshalb es verwegen wäre, Blatter in dessen vier Wänden die Stirn zu bieten.

Als DFB-Boss hat Zwanziger in diversen Krisen sein Stehvermögen nachgewiesen. Er war einst mit einer Reformagenda angetreten, von der kaum mehr geblieben ist als eine Vorliebe für Frauenfußball und gelegentliche antirassistische Vorstöße. Bei der Fifa schätzt man Pragmatiker.

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