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Der als Kinderkrankheit bekannte Keuchhusten betrifft vor allem Erwachsene. Dramatisch wird es, wenn eine Mutter ihren kleinen Säugling ansteckt, wie es bei Martina F. und ihrem Sohn der Fall war.
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Der als Kinderkrankheit bekannte Keuchhusten betrifft vor allem Erwachsene. Dramatisch wird es, wenn eine Mutter ihren kleinen Säugling ansteckt, wie es bei Martina F. und ihrem Sohn der Fall war.

Keuchhusten

Längst keine Kinderkrankheit mehr

Der als Kinderkrankheit bekannte Keuchhusten betrifft vor allem Erwachsene. Dramatisch wird es, wenn eine Mutter ihren kleinen Säugling ansteckt, wie es bei Martina F. und ihrem Sohn der Fall war.

Frankfurt/Main (ap) - Für Martina F. wurde eine Keuchhusten-Infektion zum Alptraum. Kurz nachdem die 40-Jährige ihr zweites Kind bekommen hatte, wachte sie nachts mit schlimmen Hustenanfällen auf. "Daraufhin suchte ich mehrere Ärzte auf, und keiner kam auch nur auf die Idee, dass es sich eventuell um Keuchhusten handeln könnte. Stattdessen stapelten sich bei uns Packungen mit Husten- und Schleimlösern", berichtet die Mutter. "Sehr dramatisch war, dass ich meinen drei Wochen alten Säugling ansteckte." Er kam ins Krankenhaus, erlitt dort einen Atemstillstand und wurde mehrere Tage auf der Intensivstation behandelt. "Mein Sohn hat überlebt, aber bis heute hustet er stark", erzählt Martina F. drei Monate später.

Für größere Kinder und Erwachsene ist Keuchhusten eine lästige Krankheit, die aber selten gefährlich wird. Doch für junge Säuglinge ist eine Infektion mit dem Bakterium Bordetella pertussis bedrohlich: Bei ihnen kann es nach Angaben des Robert-Koch-Instituts zu Atemstillständen kommen. Außerdem sei die Gefahr von Komplikationen wie etwa Lungenentzündungen im ersten Lebensjahr am größten. Vor allem Neugeborene sind den Erregern schutzlos ausgeliefert: "Aus bislang nicht völlig geklärten Gründen besteht für Pertussis kein oder nur ein geringer Nestschutz", heißt es in den Merkblättern für Ärzte des Instituts. Geimpft werden können Babys erst ab neun Wochen.

"Säuglinge stecken sich heute meistens bei ihren Eltern an", sagt Carl Heinz Wirsing von König, Leiter des Konsiliarlaboratoriums für Bordetella pertussis am Klinikum Krefeld. Denn Keuchhusten ist inzwischen keine typische Kinderkrankheit mehr. "Vor allem Erwachsene sind betroffen", berichtet der Experte. Schätzungen zufolge sind etwa sieben von zehn Keuchhusten-Patienten älter als 18 Jahre. "Das liegt daran, dass heute 95 Prozent aller Babys geimpft werden", erklärt der Professor. Der Impfschutz währt aber nicht länger als etwa vier bis zehn Jahre. Dies erklärt auch, warum die Fallzahlen unter Schulkindern in den vergangenen Jahren gestiegen sind.

Hinzu kommt, dass die Chance gesunken ist, die Immunität durch erneuten Kontakt mit den Bakterien zu stärken. "Dank der Impfung sind die Erreger seltener geworden", erklärt Wirsing von König. Das führt dazu, dass der Schutz nach Impfung oder durchgemachter Krankheit nicht mehr so lange währt wie früher, als mehr Erreger kursierten. Auch wer die Krankheit durchgemacht hat, ist nur eine begrenzte Zeit lang vor einer Neuansteckung gefeit - ob die Immunität länger währt als nach der Impfung, ist umstritten.

Dennoch wehrt sich Wirsing von König gegen die Auffassung von Impfkritikern, die Keuchhusten-Impfung habe die Krankheit ins Erwachsenenalter verschoben. "Das ist Quatsch", sagt der Experte. "Die Krankheit hat es bei Erwachsenen schon immer gegeben. Es hat früher nur niemand darauf geachtet." Denn anders als bei Kindern, bei denen sich Keuchhusten meist als bellender Husten zeigt, sind die Symptome bei Erwachsenen weniger typisch. Bei ihnen äußert sich die Krankheit oft nur als hartnäckiger Husten.

Auch heute zögen Allgemeinmediziner und Internisten die Diagnose Keuchhusten zu selten in Betracht, kritisiert Wirsing von König. "Ignoranz auf diesem Gebiet ist ein großes Problem", sagt er. "Für viele ist Keuchhusten nach wie vor eine Kinderkrankheit." So werden Erwachsene zu "Bazillenschleudern", die Säuglinge anstecken können.

Hochansteckende Krankheit

Wie verbreitet die Bakterien unter Erwachsenen sind, zeigt eine Studie, die Wirsing von König mit Kollegen in Krefeld und Rostock durchführte: Bei etwa jedem zehnten Patienten, der länger als eine Woche hustete, diagnostizierten sie Keuchhusten. Untersucht worden waren insgesamt knapp 1.000 Patienten.

"Die meisten Erwachsenen gehen erst zum Arzt, wenn der Husten schon drei Wochen lang anhält", berichtet der Experte. Doch gerade in den ersten beiden Wochen ist die Krankheit besonders ansteckend: Etwa 80 Prozent der Personen, die innerhalb eines Abstands von einem Meter angeniest oder angehustet werden, erkranken.

Die Ständige Impfkommission will die Zahl der Keuchhusten-Fälle mit einem erweiterten Impfprogramm drücken. Inzwischen empfiehlt sie eine Auffrischimpfung für Schulkinder im Alter von fünf bis sechs Jahren und eine weitere im Alter zwischen neun und 17 Jahren. Außerdem sollen Frauen mit Kinderwunsch sowie Erwachsene, die Kontakt zu Babys haben, ihre Immunität überprüfen lassen. Als einziges Bundesland empfiehlt Sachsen sogar allen Erwachsenen, sich regelmäßig impfen zu lassen.

Ein Problem dabei ist allerdings, dass es die Keuchhusten-Impfung nicht mehr einzeln, sondern nur kombiniert mit anderen Impfstoffen gibt. Am gängigsten ist die Dreifachimpfung gegen Keuchhusten, Diphtherie und Tetanus. "Wegen eines ansonsten leicht erhöhten Risikos für lokale Nebenwirkungen sollte die letzte Tetanus- beziehungsweise Diphtherie-Impfung möglichst fünf Jahre zurückliegen", sagt Impfexpertin Wiebke Hellenbrand vom Robert-Koch-Institut. Davon könne man im Einzelfall aber abweichen: "Auch wenn man schon nach eineinhalb oder zwei Jahren erneut impft, ist das Risiko für Nebenwirkungen nur minimal erhöht."

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