+
Über den Olympia-Gastgeber entschied das Internationale Olympische Komitee bislang immer sieben Jahre im Voraus.

Olympia

„Lächerlich“ bis „traumhaft“

Zwei Thüringer wollen die Olympischen Winterspiele 2030 nach Deutschland holen und ernten für ihre Vision höchst unterschiedliche Reaktionen.

Mit ihrer Vision von Olympischen Winterspielen 2030 in Thüringen, Sachsen und Bayern haben zwei Privatpersonen Verbände und Politik in Aufregung versetzt und ihnen Arbeit aufgehalst. Immerhin: Man redet darüber. Die Verbände sowie den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) hat das Duo kalt erwischt. Entsprechend angefressen waren teilweise die Reaktionen. „Dieser Vorstoß ist weder mit den Wintersportverbänden noch mit dem DOSB abgestimmt. Ich höre davon zum ersten Mal. Es kann nicht sein, dass sich jeder, wie er will, für Olympia bewirbt“, sagte Thomas Schwab, Vorstandsvorsitzender des Bob- und Schlittenverbands Deutschland (BSD).

Initiator Mike Helios sagte am Dienstag: „Die Idee stammt aus dem Jubiläum 30 Jahre Mauerfall. Wir wollen die ländliche Struktur stärken, das „abgehängt sein“ aus den Köpfen bekommen und ein Zeichen gegen baulichen Gigantismus setzen“. Helios ist Sprecher der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden und hat die Vision zusammen mit dem Publizisten Hannes Hofmann entwickelt. Die Bank in Thüringen ist für ungewöhnliche Geschäftsideen bekannt. So betätigt sich das Geldhaus seit längerem im Fußball. Im Dezember 2018 war Stefan Effenberg als Leiter des „Firmenkunden-Kompetenzteams Fußball“ verpflichtet worden.

Thüringens Ministerpräsident hält den Vorstoß offenbar für einen Scherz. „Heute ist unstreitig der 19.11 2019 oder doch der 1. April?“, schrieb Bodo Ramelow auf Twitter. Dagegen will DOSB-Präsident Alfons Hörmann das Konzept zumindest prüfen. Allerdings mahnte der erfahrene Funktionär: „Doch der Weg zu einer erfolgreichen Olympia-Bewerbung führt in eine völlig andere Dimension der Anforderungen.“ Zumal neben Sportstätten diverse infrastrukturelle Voraussetzungen wie Hotelkapazitäten geschaffen werden müssen. Hörmann hat die in Bürgerbefragungen gescheiterten Bewerbungen Münchens um die Winterspiele 2022 und Hamburgs um die Spiele 2024 in frischer Erinnerung. An Rhein und Ruhr bereitet eine Privatinitiative um Sportmanager Michael Mronz eine Bewerbung für 2032 vor und hat dafür die Unterstützung von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und der Fraktionen im Düsseldorfer Landesparlament. Hörmann will auch mit Berlin über eine mögliche Kandidatur reden.

Über den Olympia-Gastgeber entschied das Internationale Olympische Komitee bislang immer sieben Jahre im Voraus. Seit Sommer kann das IOC von diesem Zeitraum abweichen. Laut DOSB rückt der Zeitpunkt der Entscheidung tendenziell nach vorne, so dass vor 2023 schon über den Winter 2030 abgestimmt würde. 2026 sind Mailand und Cortina d‘Ampezzo Gastgeber, 2022 ist Peking an der Reihe.

Thüringens Sportminister Helmut Holter (Linke) verwies zwar darauf, dass sich die Sportministerkonferenz Anfang November darauf verständigt habe, Deutschland zu einem international bedeutsamen Standort für herausragende und nachhaltige Sportgroßveranstaltungen ausbauen und weiterentwickeln zu wollen. Jedoch wolle man sich zunächst auf die Doppel-WM im Biathlon und Rennrodeln im Jahr 2023 konzentrieren.

Die Initiatoren Helios und Hofmann hoffen, ihre Idee auf der Mitgliederversammlung des DOSB am 7. Dezember in Frankfurt vorstellen zu dürfen. „Der Schneeball liegt bei Ihnen“, sagte Helios. So sollen viele Wettkämpfe auf vorhandenen Sportstätten in Oberhof (Ski Nordisch, Rodeln), Klingenthal (Skispringen), Garmisch-Partenkirchen (Ski alpin), Chemnitz (Eiskunstlauf) oder Altenberg (Bob/Skeleton) stattfinden. Das Eishockey-Turnier soll über Deutschland verteilt ausgespielt werden. „Das ist doch lächerlich“, sagte Vorstand Peter Fischer vom SC Garmisch, der für die Weltcupstrecken im Olympia-Ort von 1936 zuständig ist. Der Verein habe um kurz nach Mitternacht und damit etwa zeitgleich mit der Veröffentlichung im Internet eine E-Mail von Initiator Mike Helios erhalten. „Das ist doch aus der Hüfte geschossen. Mit uns hat keiner Rücksprache gehalten“, berichtete Fischer.

Neben der Kritik von den überrumpelten Verbänden gibt es positive Stimmen. „Die Idee ist traumhaft. Sie ist zu schön, um wahr zu werden. Doch wer keine großen Ziele hat, kann nicht gewinnen“, sagte Skisprung-Idol Jens Weißflog. Die Bürgermeister von Schmalkalden, Oberhof und Altenberg begrüßten den Vorstoß ausdrücklich. Der frühere Biathlon- und Langlauf-Bundestrainer Frank Ullrich sagte: „Der Wintersport hat in Thüringen und Sachsen eine lange Tradition und ich bin sicher, dass wir uns hier, an jenen Orten, die auf der Welt großes Ansehen genießen und die zurecht als Wiege großer sportlicher Erfolge gelten, als perfekte, faire und freundliche Gastgeber präsentieren werden.“ (dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion