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Labbadia hat plötzlich „totale Lust“

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Ziemlich beste Freunde: Bruno Labbadia und Fredi Bobic (r.).
Ziemlich beste Freunde: Bruno Labbadia und Fredi Bobic (r.). © dpa

Der Trainer des VfB Stuttgart beendet die Hängepartie und verlängert seinen Vertrag bis 2015. Jetzt soll Labbadia sich verstärkt der Nachwuchsförderung widmen.

Von Jan Christian Müller

Am Sonntagabend nach dem 0:2 gegen Bayern München ist der Stuttgarter Sportdirektor Fredi Bobic bestenfalls mittelmäßig gut gestimmt gewesen. Das lag einerseits natürlich an der ärgerlichen Niederlage, andererseits aber auch daran, dass Bobic mit Zitaten des Mittelstürmers Vedad Ibisevic konfrontiert wurde, der seine Freude über die Vertragsverlängerung von Trainer Bruno Labbadia kundgetan hatte. Dummerweise hatte Labbadia zu diesem Zeitpunkt aber noch gar kein Autogramm unter den Kontrakt gesetzt, wiewohl entsprechende Meldungen bereits Tage zuvor in Bild und folglich auch im Internet kursierten. Bobic folgerte findig, die Spieler seien „halt keine Analphabeten, wenn sie etwas lesen, dann glauben sie es auch.“

Schwierige Gespräche

Es hat dann noch drei Nächte gedauert, ehe die Tinte unter einem neuen Zweijahresvertrag getrocknet war. Am Mittwochmorgen teilte der Tabellenelfte zunächst via Presseinformation mit, dass der im Dezember 2010 in höchster Abstiegsnot verpflichtete Trainer sich bis Juni 2015 an den Klub gebunden habe, wenig später wurde zur Pressekonferenz geladen. Dort sagte Labbadia, er habe „totale Lust“ auf den VfB, es sei „eine unglaubliche Herausforderung, etwas nicht mit riesigen Mitteln zu entwickeln. Das treibt mich total an“. Das hatte sich zur Jahreswende noch ein klein wenig anders angehört. Er sei „jetzt zwei Jahre diesen intensiven und harten Weg mitgegangen, und jetzt will ich mir erst mal die Freiheit nehmen und beobachten, welchen Weg der Klub einschlagen will“.

Etwa gleichzeitig entschied sich Labbadias Arbeitgeber bei einer dreitägigen Klausurtagung, dass auch in Zukunft eine solide Haushaltsführung Priorität vor schwer kalkulierbaren Risiko-Investments in Fußballerbeine haben würde. Entsprechend waren die Vertragsgespräche mit dem fleißigen Fußballlehrer im Trainingslager im türkischen Belek laut Präsident Gerd Mäuser „nicht immer von gleicher Anschauung geprägt“.

Labbadia und Bobic vertrauen sich

Man kann das als deutlichen Hinweis darauf werten, wie schwer sich Labbadia nun bei seiner Unterschrift getan haben dürfte. Nicht von ungefähr interpretierte die Stuttgarter Zeitung die Vertragsverlängerung als Fortführung einer bloßen „Zweckgemeinschaft“. Mäuser auf der einen sowie Labbadia und Bobic auf der anderen Seite werden eher nicht mehr die ganz dicken Freunde werden. Labbadia und Bobic verbindet dagegen inzwischen ein Vertrauensverhältnis, das dem Trainer auch nach verpatztem Saisonstart, Kritik aus der Fankurve und seiner „Arsch geleckt“-Rede im vergangenen Oktober half. Bobic ließ zumindest öffentlich nie Zweifel aufkommen, dem Trainer konsequent den Rücken zu stärken.

Präsident Mäuser ? ein ehemaliger Porsche-Manager, der bislang an der Vereinsspitze noch blass blieb ? erkennt zwar den Fleiß und die Akribie des bald 47-Jährigen durchaus an, erwartet aber von Labbadia künftig auch, sich das reichhaltige Reservoir an Talenten aus der besten Nachwuchsschmiede der Republik zunutze zu machen und Forderungen nach Verstärkungen von außen nicht zu forsch zu äußern. Dazu passt, dass Anfang der Woche Rani Khedira an dessen 19. Geburtstag einen Vertrag bis 2015 unterschrieb. An der Entwicklung des jüngeren Bruders von Nationalspieler Sami Khedira wird sich Labbadia künftig ähnlich messen lassen müssen wie am Tabellenplatz.

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