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Holte bereits zweimal Gold: die Norwegerin Therese Johaug.

Ski-Langlauf

Kritik an der Königin

Therese Johaug dominiert die Langlaufwettbewerbe in Seefeld, die Vergangenheit holt sie aber auch bei der WM ein.

Für ihr zweites Gold in Seefeld hatte Therese Johaug noch einmal kräftig arbeiten müssen. Die schwedische Junioren-Weltmeisterin Frida Karlsson war der norwegischen Ausnahmelangläuferin im Zehn-Kilometer-Rennen noch einmal unerwartet nahe gekommen. Aber natürlich hat Johaug die Verhältnisse im Endspurt gerade gerückt. Alles andere hätte auch nicht ins Bild gepasst. Die Seriensiegerin des Weltcups ist als Königin von Seefeld fest eingeplant. Auch für den norwegischen König Harald, der sich gerne mit der 30-Jährigen ablichten lässt.

Doch kann das wirklich mit rechten Dingen zugehen, wie die Frau mit dem Strahlelächeln nun auch in Tirol die Szene beherrscht? Ex-Bundestrainer Jochen Behle sagt: ja. Der heutige TV-Experte hatte Johaug schon 2007 bei der WM in Sapporo als „absolutes Ausnahmetalent“ ausgemacht. Die eben abgelaufene Dopingsperre? „Das war bei ihr ja eher ein Missgeschick“, sagt Behle. Im September 2016 war sie positiv auf das anabole Steroid Clostebol getestet worden. Ursache soll eine verseuchte Lippencreme gewesen sein. „Da sind dem Mädel zwei Jahre genommen worden und sie kann eigentlich nichts dafür“, betont Behle.

Doch das sieht nicht jeder so. Daran ändert auch nichts, dass die norwegische Mannschaft von den gestrigen Polizeiaktionen (siehe Artikel auf Seite 22) nicht betroffen war. Zu den Kritikern gehört nicht zuletzt auch Gian Franco Kasper. Der mächtige Präsident des Ski-Weltverbandes FIS hatte einst maßgeblich dazu beigetragen, dass der Bann gegen die norwegische Seriensiegerin von zunächst 13 auf 18 Monate ausgeweitet wurde. Die FIS hatte vor dem Sportgerichtshof CAS die Ausweitung der Sperre erwirkt.

Johaug hat die Zeit auf ihre Weise überbrückt. Und das nicht nur, weil sie als Model in Erscheinung trat. Sie trainierte die 18 Monate voll durch. Wobei es auch keine Rolle spielte, dass sie als überführte Dopingsünderin keine offiziellen Lehrgangsmaßnahmen mitmachen durfte - sie trainierte eben inoffiziell mit. Teilweise auch mit Topathletinnen anderer Nationen wie der Schwedin Charlotte Kalla.

Nun ist der Bann abgelaufen, zum Saisonstart im finnischen Kuusamo feierte die Norwegerin ein tränenreiches Comeback. Freundschaft hat Kasper mit der norwegischen Vorzeigeläuferin nicht geschlossen. „Wenn sie hier etwas gewinnt“, hatte er schon zum WM-Auftakt in der vergangenen Woche gesagt, „dann habe ich wahrscheinlich etwas anderes vor.“ Bislang hat er Wort gehalten. Am Mittwoch ehrte er stattdessen lieber die deutschen Skispringerinnen. Und auch Bundestrainer Peter Schlickenrieder will Johaugs Leistungen nicht trauen. „Sie hat das Rennen gewonnen. Da sage ich Glückwunsch“, sagte er, „aber darüber hinaus: no comment“. Kein Kommentar.

Autor Patrick Reichelt

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