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Aus den Höhen Kenias zum Trierer Stadtlauf. Gesa Felicitas Krause.

Leichtathletik

Für Krause zählt nur Rio

Die Frankfurterin Gesa Krause ist beim Silvesterlauf in Trier beste Deutsche. Dennoch ist die Läuferin mit ihrer Leistung nicht ganz zufrieden. Der Blick geht allerdings schon weiter in Richtung der olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro.

Von Jürgen C. Braun

Es war ein emotionales, aber sportlich nicht ganz zufriedenstellendes Ende eines erfolgreichen Jahres für Gesa Felicitas Krause. Die 23-Jährige von der LG Eintracht Frankfurt beendete vor 15 000 Zuschauern in der historischen Altstadt von Trier Deutschlands bestbesetzten Silvesterlauf als Fünfte. Ihr Minimalziel bei der fünften Teilnahme in Trier hatte die hessische Sportsoldatin somit nach 16:13 Minuten über fünf Runden à einen Kilometer erreicht. Auch wenn sie mit ein wenig mehr geliebäugelt hatte. Am Ende waren zwei Außenseiterinnen aus der afrikanischen Läufer-Hochburg Äthiopien, sowie zwei europäische Topathletinnen aus Dänemark (Anna Holm-Baumeister) und den Niederlanden (Maureen Koster) vor Krause: „Ich bin nicht enttäuscht. Schon nach der ersten Runde hatte ich gemerkt, dass ich das angeschlagene Tempo von 3:05 Minuten pro Kilometer noch nicht in den Beinen hatte.“

Die seit vier Jahren von Bundestrainer Wolfgang Heinig betreute Mittelstrecklerin war erst wenige Tage zuvor aus einem Höhen-Trainingslager in Kenia zurückgekehrt. Dem Ziel Olympia und dem dort angestrebten Medaillengewinn über ihre Spezialstrecke 3000 Meter Hindernis ordnet die Sportsoldatin alles unter. Sowohl sportlich als auch bei der aufwendigen Suche nach privaten Sponsoren und Partnern.

Zu ihrem festen Salär als Bundeswehr-Obergefreite („Davon könnte ich, wenn es sein muss, leben. Ich bin ein sparsamer Mensch“) kommen von ihr akquirierte Partner. Nach dem medienwirksamen Auftritt bei ihrem Bronze-Lauf bei der WM im August in Peking und dessen Echo im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen sind ihre Verhandlungspositionen besser geworden. „Es ist nicht so, dass einem die Sponsoren die Türen einrennen. Aber als Medaillengewinnerin bei einer Weltmeisterschaft öffnet der Name Gesa Krause die eine oder andere Tür zu einem Gespräch schon etwas leichter und einen Spalt breit größer.“

Totale Kontrolle

Was sich zwischen Peking 2015 und Rio 2016 nicht verändert hat und auch nicht verändern wird, ist „die totale Kontrolle, unter der wir alle stehen. Von morgens fünf bis abends um 23 Uhr.“ Das globale Informationssystem der Welt-Antidopingagentur (Wada) zwingt die besten Athletinnen und Athleten zu permanenter Buchführung ihres Aufenthaltsortes und ihrer Erreichbarkeit. Die korrekte Umsetzung der „ADAMS“ (Antidoping Administration and Management System) genannten Vorgabe sieht Krause zwiespältig: „Wir Europäer werden nicht korrekt behandelt. Ich war in Kenia in Regionen, wo es weder Strom gab noch Internet-Zugang möglich war. Wie wollen Athletinnen und Athleten von dort Adams bedienen?“

Auch, dass die Leichtathletik medial vom Fußball immer mehr verdrängt wird, bedauert Deutschlands beste Mittelstrecklerin. „Die Leichtathletik ist die Königsklasse der Olympischen Spiele, aber wir haben so wenige Möglichkeiten, auf uns aufmerksam zu machen. Das ist sehr schade.“ Dass Wettbewerbe der Diamond-League-Serie teilweise nur verschlüsselt auf privaten Spartenkanälen zu sehen seien, findet Krause „den gezeigten Leistungen ganz und gar nicht angemessen.“ Dennoch, so betont sie, werde die Leichtathletik zu keiner „Randsportart“ verkommen.

Ein solches Menetekel hatte Deutschlands „Sportlerin des Jahres“, Kugelstoß-Weltmeisterin Christina Schwanitz, nach der Baden-Badener Sportlergala in einer Medienschelte an die Wand gemalt.

Insgesamt zog die ehemalige Absolventin der Accadis Hochschule in Bad Homburg für International Business zu den Klängen von Samba-Trommeln, Trillerpfeifen und im Konfetti-Regen der 15 000 Zuschauer aber ein positives Fazit. „Es war ein tolles Jahr für mich. Ich habe deutlich an der Tür zur Weltklasse angeklopft. Da will ich weitermachen.“ Vielleicht, so sinniert sie, habe es ja auch ein Gutes, „dass ich „auf den letzten 70 Metern in Peking nicht noch Silber oder gar Gold gewonnen habe. Ich bin noch jung. Ein paar Ziele müssen bleiben und alles auf einmal muss ja auch nicht sein.“

Sechste oder Siebte der Welt auf ihrer Spezialstrecke seien schließlich „keine schlechte Basis“. Und möglicherweise springt in diesem Jahr unter den fünf olympischen Ringen am Corcovado mehr für sie heraus, als nur der fünfte Platz wie beim Silvesterlauf an der Mosel.

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