American Football

Auf den Kopf gefallen

Football-Star Brown macht Ärger wegen Helm.

Die Oakland Raiders hätten wissen müssen, auf wen sie sich da einlassen. Für einen wie Antonio Brown, seit Jahren der vielleicht beste Passempfänger in der National Football League (NFL), wurde wohl die Bezeichnung Enfant terrible erfunden. In den vergangenen Wochen hat sich Brown (31) aber mal wieder selbst übertroffen.

Am ersten Tag des Vorbereitungs-Camps der Raiders im Napa Valley, dem Weinanbaugebiet nördlich der San Francisco Bay, schwebte der Neuzugang mit einem Heißluftballon ein – eine Fortsetzung seiner mittlerweile legendären Auftritte in den vergangenen Jahren. Im vergangenen Jahr, damals als Spieler der Pittsburgh Steelers, ließ er sich von einem Helikopter absetzen. Seine üblichen Ankünfte in wechselnden Rolls-Royce waren ihm wohl zu bieder geworden.

Die Steelers hatten das Verhalten von Brown immerhin neun Jahre lang hingenommen, zuletzt aber ging er ihnen nur noch auf die Nerven. Er kam zu spät zum Training – oder gar nicht. In Sitzungen hörte er allem Anschein nach immer seltener zu, weshalb Quarterback Ben Roethlisberger ihm in der vergangenen Saison in aller Öffentlichkeit vorwarf, er laufe immer öfter in die falsche Richtung. Brown war wie üblich beleidigt, die Steelers hatten genug und ließen ihn trotz Vertrag gehen. Brown, der mehrere Steelers- und NFL-Rekorde hält, fand trotz seiner bekannten Eigenheiten umgehend einen neuen Klub, und dass es die Raiders waren, überraschte nicht: Die Franchise hatte im 2011 verstorbenen Al Davis den wohl exzentrischsten Besitzer der NFL – und schon immer ein Faible für schwierige Charaktere. Brown erhielt einen Vertrag über drei Jahre, er ist mit 50 Millionen Dollar dotiert, mehr kassiert kein Wide Receiver in der Liga.

Erfrierungen an den Füßen

Mit seinem neuen Team hat Brown seit seiner Ballonfahrt am 26. Juli erst einmal trainiert: Weil er im Juli in Frankreich zu Regenerationszwecken eine Kältekammer aufsuchte, dabei jedoch nicht wie vorgeschrieben seine Füße schützte, fällt er wegen der Erfrierungen nun vorerst aus. Seit dem 30. Juli wurde er nicht in Napa gesehen, allgegenwärtig war er dennoch: In den vergangenen Tagen hatte er angekündigt, nie mehr spielen zu wollen, wenn er nicht seinen alten Helm benutzen dürfe.

Brown spielte neun Jahre lang mit ein- und demselben Modell: Der Hersteller hatte den Helm allerdings schon 2011 aus dem Programm genommen. Brown nutzte ihn dennoch, hätte aber wissen müssen, was auf ihn zukommt. Die NFL hatte bereits vor einem Jahr eine Liste veröffentlicht, auf der die ab dieser Saison zugelassenen Helmmodelle stehen. Brown aber machte wie üblich ein Bohei, drohte der NFL sogar mit Klage. Ein Schiedsgericht bestimmte nun: Den alten Helm kann Brown vergessen. Prompt kündigte dieser an, bald das Training aufzunehmen. 50 Millionen gute Gründe haben ihn vermutlich überzeugt. (sid)

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