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Zurück in der Spur: Janne Ahonen.
Zurück in der Spur: Janne Ahonen. © rtr

Er gehörte vierzehneinhalb Jahre zur Weltspitze. Janne Ahonen ist in die Springerszene zurückgekehrt, weil den Finnen die Lust auf den letzten, noch fehlenden Titel seiner Karriere gepackt hat. Von Stephan Klemm

Von Stephan Klemm

Lange Zeit hat Janne Petteri Ahonen in Wettkämpfen eine Maske vor sein Gesicht geschoben, bei offiziellen Terminen versteckte er sich gerne hinter hastigen Wortfetzen. Wenig sprechen, dann konnte er schnell weg, Ruhe haben, schöne Sachen machen. Ahonen, 32 Jahre alt, grüne Augen, dunkelblonder Zopf, verheiratet, zwei Kinder, wurde diese Kauzigkeit oft als das typische Verhalten des vermeintlich ja immer seltsam und sprachlos auftretenden Finnen ausgelegt. Doch diese Zurückhaltung war nichts als ein Rollenspiel.

Ahonen mag gesehen werden, er ist kein Schweiger, er kann sich eben nur nicht so gut auf Englisch ausdrücken. Er ist, im Gegenteil, leutselig, freundlich und auch sprechfreudig. Zu bestaunen ist das vor allem am Dienstagabend, gleich nach dem Auftaktspringen der 58. Vierschanzentournee in Oberstdorf. Ahonen wird dort Zweiter, jubelt, grinst, freut sich und sagt: "Das ist unglaublich. Das ist Wahnsinn."

Schon vor diesem Coup ist Ahonen die Richtigstellung in eigener Sache so wichtig gewesen, dass er gleich ein Buch über sich hat schreiben lassen. Entstanden ist seine Biografie mit dem Titel: "Kuningaskotka", zu deutsch: "Königsadler". Eigentlich sollte das Werk sein Abschiedsgeschenk an die Welt des Skispringens sein, jetzt flankiert es Ahonens Comeback, das nun bei der Tournee einen ersten Höhepunkt erlebt. Klar ist: "Mein Selbstvertrauen ist nun wieder da." Vor dem zweiten Tourneetreffen am Neujahrstag in Garmisch ist Ahonen entsprechend zuversichtlich: "Ich hatte Glück mit den Bedingungen. Aber so ein zweiter Platz macht alles leichter."

Im März 2008 fühlte sich Ahonen so fertig mit seinem Sport, zudem nach 36 Weltcupsiegen, fünf Weltmeistertiteln und fünf Triumphen bei der Vierschanzentournee so ausgezeichnet, dass er sagte: "Ich trete zurück. Es fehlt die Motivation." Die Nation war überrascht und traurig, seine Trainer auch. Skispringen ist in Finnland eine der beliebtesten Sportarten überhaupt, und Ahonen ist einer der größten Stars des finnischen Sports. Er gehörte vierzehneinhalb Jahre zur Weltspitze.

Jetzt ist er wieder da, weil die Freizeit zwar schön war, aber die Lust auf den letzten, noch fehlenden Titel seiner Karriere eine Menge Energie freisetzte. Ahonen war noch nie Olympiasieger, weder im Einzel noch mit dem Team. "Ich habe nach einem Jahr Pause neue Motivation für das Training gefunden. Dann kam die Sehnsucht. Die Sehnsucht ist der einzige Grund, weshalb ich hier bin", sagt er. Die Sehnsucht nach den Schanzen und dem Erfolg. Deshalb betreffen seine Saisonziele auch nur die Filetstücke des Winters. Erstens: "Die Vierschanzentournee." Die Hoffnung: "Da geht es für Ahonen um den Sieg", sagt Finnlands Trainer Janne Väätäinen. Zweitens und viel, viel wichtiger, eigentlich das Zentrum von Ahonens Gedanken und sein größter Wunsch: "Ich träume von olympischem Gold im Februar in Vancouver."

Ahonen stellt sich in seinem Buch als Fast-Food liebender Nachtgänger dar, als diskussionsfreudiges Teammitglied, als geselligen Biertrinker, als Discobesucher und als treuen Familienvater. Ahonen spricht allerdings auch ein brisantes Thema an: Den Verzicht auf Nahrung. Skispringen besitzt trotz einer in Form des Body-Mass-Indexes (BMI) eingeführten Gewichtskontrolle nach wie vor die einfache Formel: Leicht fliegt gut. In einem zehnseitigen Kapitel schildert Ahonen die krankhafte Phase des Abnehmens. Es wird schlicht "gehungert, vier bis fünf Monate. Gesund ist das nicht." Während der Saison gibt es zum Frühstück ein bisschen Müsli, mittags nichts und abends noch mal Körnernahrung. Oder gerne auch mal nicht auf der Dopingliste stehende Tonalin-Tabletten, um das Restfett zu verbrennen. Vor dieser Saison musste wieder Gewicht runter, laut Ahonen "vier Kilo, ich wiege jetzt 66 Kilo". Bei 1,83 Metern Körpergröße.

Das alles taugt zu einer neuen Magersucht-Debatte in diesem Sport der dürren Männer, weshalb der Weltverband FIS flugs Hilfe verspricht: In der kommenden Saison wird der BMI heraufgesetzt, von jetzt 20 mit Anzug, Schuhen und Handschuhen auf dann 20,5. Wer unter dieser Marke bleibt, muss mit kürzeren Skiern springen. Ahonen sagt: "Viel zu wenig. Der BMI muss noch mehr erhöht werden." Doch mehr geht nicht, behauptet und bestimmt die FIS.

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