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Umjubelter Mann gegen Stuttgart: Julian Schieber.

1. FC Nürnberg

Kontinuität statt Chaos

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Der Club musste in den beiden vergangenen Spielzeiten in die Relegation – und sicherte sich jeweils die Zugehörigkeit zum Oberhaus. Wie der 1. FC Nürnberg sich nun dauerhaft im Establishment verankern will.

Martin Bader ist mittlerweile zu lange im Geschäft, um sich aufgeregten und überstürzten Deutungen hinzugeben. Der 42-Jährige, immerhin schon seit Februar 2004 für den 1. FC Nürnberg in der Verantwortung, kann am ungewöhnlichen Tabellenbild der Bundesliga nicht viel finden. „Alle Hochrechnungen sind verfrüht“, sagt Bader, „es wird sich noch vieles relativieren.“

So sehr der gebürtige Schwabe beispielsweise den Höhenflug des FSV Mainz schätzt oder die beachtlichen Ergebnisse des SC Freiburg anerkennt, zwei potenzielle Mitkonkurrenten im Abstiegskampf, so gelassen bleibt der Nürnberger Manager. „Die schlaflosen Nächte habe ich erst im März und April. Ein guter Start anderer Mannschaften ist kein neues Phänomen.“ Genau wie Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen hängt auch Nürnbergs starker Mann der These an, dass die Bundesliga für fast alle Vertreter in etwa vorgefertigte Plätze bereit halte – und Bader erwähnt explizit das Frankfurter Beispiel: „Die haben irgendwann vergangene Saison vom Europapokal geträumt. Und am Ende sind sie Zehnter geworden. Jeder ordnet sich ein, wo er hingehört.“

Der Club musste in den beiden vergangenen Spielzeiten in die Relegation – und sicherte sich jeweils die Zugehörigkeit zum Oberhaus. Ein drittes Mal dieses Szenario zu erleben, schließt Bader nicht aus, „wenn wir es dann wieder schaffen, habe ich nichts dagegen.“ Die Weiterentwicklung in einer fußballbegeisterten Region wird eben durch gewisse Altlasten behindert – mit einem Personalkostenetat von 18 Millionen Euro sind große Sprünge nicht möglich. Überhaupt ist der Verein froh, 5,5 Millionen Euro über eine Fananleihe eingenommen zu haben, mit denen am Valznerweiher eine neue Geschäftsstelle, ein Nachwuchsleistungszentrum und ein moderner Trakt für die Lizenzspieler entstehen soll – der Spatenstich fürs Bauvorhaben soll bereits im Herbst erfolgen.

Zur Modernisierung passt, dass sich der 1. FC Nürnberg neue Strukturen gibt. Am 6. Oktober bei der Mitgliederversammlung wird die überfällige Reform endgültig abgesegnet. Präsident Franz Schäfer, 73, tritt ebenso zurück wie die Vizepräsidenten Lothar Schmauß und Siegfried Schneider. Der neue Vorstand besteht dann nur noch aus zwei Personen: Eben Bader, dem Sportdirektor, und Ralf Woy, dem Finanzchef. Aus Satzungsgründen sind deren Verträge bereits bis 2013 (Bader) und 2015 (Woy) verlängert worden. Kontinuität soll einkehren beim Club, dessen „C“ im Vereinsnamen viel zu oft für Chaos stand. Interessant wird noch, wer in den neunköpfigen Aufsichtsrat einzieht – der Ex-Torwart Manfred Müller, mittlerweile in der Fernsehproduktion ein wichtiger Strippenzieher, ist der prominenteste Kandidat.

Gündogan im Blickpunkt

Von den aktuellen Profis hat Ilkay Gündogan das größte Starpotenzial – nicht zuletzt, weil Bayer Leverkusen und TSG Hoffenheim den hochbegabten Deutsch-Türken schon diesen Sommer verpflichten wollten. Doch Bader lehnte ab, weil sich der 19-Jährige noch ein Jahr in gewohnter Umgebung weiterentwickeln soll. Und Trainer Dieter Hecking sagt: „Zum einen soll er erst mal seine Schule fertig machen. Außerdem kann er hier noch ein Jahr lernen.“

Trainer Hecking bevorzugt ein (Defensiv-)System mit einer Spitze (Julian Schieber, der beim 2:1 gegen Stuttgart ein Tor machte und eines vorbereitete), auswärts setzt er auf eine Taktik, die zuvorderst dem Gegner den Spaß am Spiel verderben soll. Das verhindert übrigens auch, dass Klubs wie der 1. FC Nürnberg verfrüht in Tabellenregionen geraten, in denen sie ja gar nicht hingehören.

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