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Schneller am Puck: DEB-Auswahlspieler Marcel Noebels (links) gegen den Schweizer Marco Müller.

Eishockey

Auf Konfrontationskurs

Der Deutsche Eishockey-Bund fordert von der DEL, die Ausländerquote zu verringern.

Olympia-Silber, glänzende WM-Auftritte und hoffnungsvolle Deutschland-Cup-Eindrücke sollen vergoldet werden – dafür geht der Deutsche Eishockey-Bund auf Konfrontationskurs mit der Liga. Eindringlich forderte Sportdirektor Stefan Schaidnagel beim Deutschland Cup in Krefeld, die Zahl der erlaubten Ausländerstellen in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zu verringern. Heimische Spieler sollen wichtigere Rollen übertragen bekommen, sie sollen die Qualität und Erfolgsaussichten des Nationalteams stärken.

„Wir müssen uns überlegen: Wollen wir uns für die Anstrengungen der letzten Jahre belohnen? Dann müssen wir uns zusammen bekennen“, sagte der Stratege Schaidnagel, neben Präsident Franz Reindl der starke Mann im Verband. Eine weiter beschränkte Zahl der ausländischen Profis sei „die logische Konsequenz“ des jüngsten Aufschwungs. „Meiner Meinung nach darf keine Zeit verloren werden. Um dieses Thema müssen wir nun miteinander ringen.“

Über die Regelung entscheidet jedoch die Liga – und die positioniert sich dagegen. Das sei momentan kein Thema, bestätigte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke am Sonntag. Derzeit dürfen elf ausländische Profis im Kader stehen, neun in einem Spiel eingesetzt werden. Der Plan des DEB ist, dass das Kontingent bis 2026 „mindestens auf sechs“ verringert wird.

Zum Vergleich: In der Schweiz ist die Zahl auf vier begrenzt. Die DEL argumentiert, deutsche Spieler seien zu teurer, die Topklubs Mannheim und München verpflichten die besten, und die Kluft zwischen den finanzstarken und den klubs mit kleineren Etats wächst. Kritiker befürchten auch, das Einbürgern könnte weiter Schule machen.

Es ist ein Aufregerthema, das seit langem heftig diskutiert wird. Der DEB nutzte die Aufmerksamkeit des Deutschland Cups, um ein Signal zu setzen. In Krefeld vertraut Bundestrainer Toni Söderholm aus Sichtungsgründen auf dem Weg zur Weltmeisterschaft 2020 einem unerfahrenen Team – und fühlte sich nach den ersten beiden guten Spielen bestätigt. Seine Erwartungen an die Neulinge seien erfüllt worden, sagte der 41-Jährige vor dem abschließenden Spiel am Sonntagnachmittag gegen die Slowakei.

Der „clevere“ Finne (Routinier Felix Schütz) erwies sich wie bei der WM bei seinen ersten Auftritten in Krefeld als glückliche Wahl für die Nachfolge von Silbertrainer Marco Sturm. Das 4:3 gegen Russland und das 3:4 nach Verlängerung in letzter Sekunde gegen die Schweiz waren vielversprechende Auftritte gegen Gegner, die ebenfalls ohne WM-taugliche Teams antraten. „Gerade diese Mannschaft hat gezeigt, dass man dieses Thema sofort angehen muss“, befand Schaidnagel.

Im Hintergrund dieser kalkuliert eingeleiteten Debatte steht das Konzept Powerplay 2026. Es sind die Leitlinien, die Reindl einführte, als er 2014 zum Präsidenten gewählt wurde und seit er mit Erfolg begann, vieles im Verband umzukrempeln. Der ehrgeizige Plan: Von 2026 an soll Deutschland dauerhaft ein Anwärter auf WM-Medaillen sein.

Das Nachwuchsproblem wurde – auch mit der Liga – angegangen, das Olympia-Silber von 2018 zog mehr Kinder zum Eishockey. Die U18 und die U20 sind bei den Weltmeisterschaften wieder in die höchsten Divisionen aufgestiegen, es gibt mehr Talente und Alternativen für das Nationalteam. Beim Deutschland Cup tat sich der mit 26 Jahren nicht mehr ganz so junge Neuling Daniel Fischbuch aus Nürnberg hervor. Der Druck auf die Etablierten wachse, sagte Daniel Pietta . Stürmer-Kollege Schütz ergänzte: „Es ist erstaunlich, wie sich der Kader über die Jahre entwickelt hat.“ (dpa)

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