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Komödiant wider Willen

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Von: Jörg Hanau

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Torwartlegende Sepp Maier feiert heute seinen 65. Geburtstag
Torwartlegende Sepp Maier feiert heute seinen 65. Geburtstag © dpa

Torwartlegende Sepp Maier feiert heute dennoch "standesgemäß" seinen 65. Geburtstag. Von Jörg Hanau

Die Bühne lässt ihn nicht los: Sepp Maier, deutsche Torwartlegende und zeitlebens als Clown in kurzen Hosen belächelt, kämpft einen aussichtslosen Kampf gegen sein Lustiger-Vogel-Image. "Ich bin kein Clown, sondern ein ernsthafter Mensch. Nur wenn ich will, kann ich auch lustig sein", sagte der Welt-und Europameister, der heute allerdings ziemlich "standesgemäß" seinen 65. Geburtstag feiert. Nicht etwa abgeschieden in seiner bayrischen Heimat, sondern im fernen Berlin als Sänger und Magier auf der Showbühne des Internationalen Congress Centrums. Mit Florian Silbereisens "Überraschungsfest der Volksmusik" tingelt der Fußball-Renter dieser Tage über Land. "Ist doch lustig. Es sind viele Leute da zum Feiern - und ich muss nichts bezahlen", sagte Maier augenzwinkernd.

Seine Lust am Ulk, seine seltsamen Hechtsprünge nach verirrten Enten im Münchner Olympiastadion, zeichneten das Bild des komödiantischen Kultkeepers. Einer, der seinen Job zwischen den Pfosten weit weniger ernst nahm als manch anderer seiner kickenden Kollegen. Er ließ sich als Karl Valentin verkleiden und riss seine Zoten. Seine provinzielle Witzigkeit stand jedoch in keinem Verhältnis zu seinen überragenden sportlichen Leistungen.

Sepp Maier ist Deutschlands Torhüter des Jahrhunderts. Einer der ganz Großen in der Welt des Fußballs. 95-mal trug er das Trikot der deutschen Nationalmannschaft, kam auf 473 Bundesligaspiele - davon 442 in Folge - für seinen FC Bayern München, dem er seit seinem 15 Lebensjahr angehört. Eine Liebesbeziehung, die erst im vergangenen Jahr endete, als der Torwarttrainer zusammen mit Oliver Kahn aufhörte.

Die "Katze von Anzing" wurde Maier in seiner aktiven Zeit gerufen. Er war ein Teil der legendären Achse Maier-Beckenbauer-Müller, die in den siebziger Jahren dreimal den Europapokal der Landesmeister gewann. Am 14. Juli 1979 beendete ein schwerer Autounfall die Karriere des damals 35 Jahre alten Torhüters. "Es war innen drin bei mir so ziemlich alles kaputt", sagt Maier. Erst 1987 führte ihn sein Weg zurück in den Fußball. Franz Beckenbauer beförderte ihn zum Bundestorwarttrainer. Wohlwissend, dass hinter Maiers lustiger Fassade ein nachdenklicher Geist ruht. "Der Sepp ist ein Mann, der gegen sein Misstrauen ankämpfen muss", sagte Beckenbauer: "Seine Heiterkeit hat immer auch einen ernsthaften Hintergrund." Nur welchen, verriet Beckenbauer damals nicht.

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