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Tiger Woods’ irrsinnige Story vom Aufstieg und Fall und Aufstieg.

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Mensch und Maschine

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Die Selbstzerstörung lugt immer um die Ecke bei Getriebenen wie Tiger Woods.

Die Besten der Besten im Sport charakterisiert durchweg, dass sie nicht verlieren können, verlieren wollen, verlieren dürfen. Das Gewinnen steht im Imperativ für Menschen wie den Golfer Tiger Woods, egal, was sie tun. Im Quelltext ihrer absurden Erfolgsgeschichten finden sich meist Nachweise eines Ehrgeizes, der an Tragik grenzt, weil er als unersättlicher Furor im Innersten lärmt, als Motor mit nie endenden Energiereserven. Gewinnen, gewinnen, gewinnen. Verlieren ist was für Andere, das Aufgeben: Wie ein kleiner Tod.

Wer wissen will, wie Tiger Woods dieses Comeback geschafft hat, an das man sich in 100 Jahren noch erinnern wird, weil es Einmaligkeit suggeriert, muss ihn sich als Kind vorstellen. „Kriegsgefangenen-Techniken“ nennt er selbst die Trainingsmethoden, die sein Vater Earl auf ihn anwandte. Während Tiger Bälle schlug, beschimpfte Earl ihn ununterbrochen, so sollte er lernen, in Drucksituationen zurechtzukommen. Sie hatten ein Codewort ausgemacht für den Fall, dass es dem Kind zu viel würde, „Enough“, es reicht, aber Tiger Woods hat es nie benutzt, er erzählt das voller Stolz.

Woods trainierte sich kaputt

Die Selbstzerstörung lugt immer um die Ecke bei Getriebenen diese Prägung. 2008, bei den US Open, trat Woods mit gebrochenem Bein und gerissenem Kreuzband an, bei jedem Schlag verzog er das Gesicht vor Schmerzen. Er gewann das Turnier. Dass er viermal am Rücken operiert werden musste, hat mit Verletzungspech wenig zu tun, sondern mit exzessivem Training, gerne auch mitten in der Nacht, wenn der Schlaf sich bitten ließ. Sein Ex-Trainer behauptet, um stärker zu werden, habe Woods trainiert wie ein olympischer Gewichtheber. So habe er sich verletzt.

Woods hatte sich schon selbst vernichtet für den größtmöglichen Erfolg, aber als er vor zehn Jahren am Boden lag, um ihn herum die Trümmer seiner Karriere, seines Privatlebens, von Tigergate in die Luft gesprengt, ist er langsam wieder aufgestanden. Wie ein unkaputtbarer Android, dessen Einzelteile auch nach einer Riesenexplosion wieder von selbst zueinanderfliegen. Eine Siegmaschine.

Tiger Woods’ irrsinnige Story vom Aufstieg und Fall und Aufstieg eines Helden ist die menschlichste Robotergeschichte der Welt, und wer am Sonntag die Jubelbilder aus Augusta sah, weiß: Die Story ist noch lange nicht zu Ende erzählt.

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