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Kjetil Jansrud mit Gips.

Kommentar

Die wilde Terminhatz

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Die logische Lösung für das Dilemma der eng gestrickten Termine im Skisport wäre, den Kalender zu entzerren. Eigentlich ganz einfach.

Es hat schon wieder gekracht: Kjetil Jansrud zog sich beim ersten Abfahrtstraining auf der legendären Streif in Kitzbühel zwei Brüche an der linken Hand zu. Der norwegische Olympiasieger verlor auf eisigem Untergrund die Kontrolle, versuchte mit dem linken Arm auszugleichen, was nicht mehr auszugleichen war und trägt nun eine Metallplatte im Knochen. Glück gehabt. Wie bitte? Wieso das denn? Nun ja, Jansrud hätte es schlimmer erwischen können. Ein kurzer Auszug aus den aktuellen Krankenakten der Nationen. Deutschland: Thomas Dreßen, Andreas Sander und Marina Wallner – Kreuzbandrisse, Saisonaus. Österreich: Anna Veith, Stefanie Brunner, Katharina Gallhuber und Christine Scheyer – Kreuzbandrisse, Saisonaus. Italien: Emanuele Buzzi – Schienbeinbruch, Saisonaus. Schweiz: Marc Gisin – gequetschte Lunge, Saisonaus, Karriere in Gefahr.

Nun gehören Verletzungen, auch schwere, zum Leistungssport sicher dazu. Zudem sind genannte Blessuren auf verschiedene Ursachen zurückzuführen. Mal waren die Pisten nicht ideal präpariert, mal die Sichtverhältnisse schlecht, dann begingen die Athleten Fahrfehler. Berufsrisiko sagen die einen, Marcel Hirscher hält dagegen: „Wir kommen dienstags aus Nordamerika nach Hause und fahren freitags in Frankreich. Da wird dir schwindlig wie Sau. Wenn sich die Krankenakten füllen, darf sich niemand wundern.“ Der siebenfache Weltcup-Gesamtsieger aus Österreich nimmt sich also die wilde Terminhatz vor. Und er hat Recht.

Gerade im Januar geht es alle zwei, drei Tage zur Sache. Adelboden, Wengen, Kitzbühel, Schladming, Garmisch-Partenkirchen. Dazwischen Reisen, Pressekonferenzen, Streckenbesichtigungen, Trainingseinheiten. Marco Büchel - früher Weltklasseabfahrer, heute TV-Experte - erklärte unlängst, dass manch Sturz auch damit zu tun habe, dass sich die Athleten die verschiedenen Streckensetzungen nicht mehr einprägen könnten. Zu viel Input in zu kurzer Zeit.

Die logische Lösung für das Dilemma wäre, den Kalender zu entzerren. Und beispielsweise nach dem Auftaktweltcup Ende Oktober in Sölden keine dreiwöchige Pause einzulegen. Oder insgesamt weniger Rennen zu fahren. Doch der internationale Skiverband Fis handelt dem konträr. Je mehr Weltcups stattfinden, desto mehr Märkte lassen sich erschließen - von Beaver Creek in den USA bis Pyoengchang in Südkorea. Fis-Präsident Gianfranco Kasper sagte schon vor zwei Jahren klipp und klar: „Niemand wird gezwungen, teilzunehmen.“ Aha. Der Sportler ist also alleine verantwortlich. Sicher auch eine Lösung. Nur eben keine gute.

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