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Die Union deutscher Heilpraktiker hat ihren Sitz in Schöneck

Von Ute Vetter

SCHÖNECK. Monika Gerhardus ist Heilpraktikerin aus Überzeugung. Die Präsidentin der Union deutscher Heilpraktiker (UDH) hat dennoch "überhaupt kein Problem" damit, in bestimmten Fällen Patienten zum Arzt zu schicken. Etwa ein Kind, das kürzlich mit völlig vereiterten Augen in ihre Gemeinschaftspraxis nachSchöneck kam. "Ihr Sohn braucht angesichts des offensichtlich bakteriellen Infektes eher ein Antibiotikum", erklärte sie dem Vater - und schickte beide zum Arzt. Von Ärzten, die Patienten zu Heilpraktikern schicken, hört man dagegen eher selten.

Rund 12 000 Heilpraktiker und Heilpraktikerinnen arbeiten in Voll- oder Nebenwerbspraxen in Deutschland. Die meisten sind Mitglied in einer von sechs bundesweit tätigen Standesorganisationen. Die UDH mit Sitz in Schöneck ist mit rund 6000 Mitgliedern einer der drei größten und traditionsreichsten Interessenverbände im Bundesgebiet. Als Dachorganisation ist die UDH in neun Landesverbänden organisiert. Monika Gerhardus ist seit 1999 Präsdentin dieser bundesweit aktiven Berufsvereinigung und leitet seit 1972 den 500 Mitglieder zählenden hessischen Ableger.

Was ist ein Heilpraktiker eigentlich genau? Was hat er für eine Ausbildung? Was unterscheidet ihn vom Arzt? Nun, die Ausbildung zum Heilpraktiker in freien oder Verbandsschulen nach standardisierten Lehrplänen und Ausbildungsvorgaben dauert rund drei Jahre. Am Ende steht die schriftliche und mündliche Prüfung durch Amtsärzte. Nur wer sie besteht, darf sich Heilpraktiker nennen und niederlassen.

Die Ausbildungshürde entspricht laut Monika Gerhardus "in etwa der des dritten Staatsexamens im Medizin-Studium". Entsprechend hoch ist die Durchfallquote: 75 Prozent schaffen die Prüfung nicht. Monika Gerhardus findet das positiv: "Das ist gut für die Verbraucher; sie können sich auf das profunde Wissen der geprüften Heilpraktiker verlassen". Will heißen: Auch "solche Kreise" (ein Arzt über Heilpraktiker), "wissen sehr genau, wie weit sie gehen können, wann geröntgt, an Ärzte überwiesen oder ein Blutbild genommen werden muss", betont Gerhardus.

Das Berufsbild ist festgelegt. Es fußt auf dem Ganzheitsprinzip und der Naturheilkunde. Der Heilpraktiker sieht die wahrnehmbaren Veränderungen bei seinen Patienten als Ausdruck wechselnder innerer und äußerer Bedingungen und Ursachen und versucht, diese ganzheitlich in ihrem Gesamtzusammenhang zu erfassen. Gesundheit ist für ihn die Bewahrung der Integrität einer Persönlichkeit in ihrer "Geist-Körper-Seele-Einheit". Er stellt die Krankheit nicht nur als objektiven Tatbestand fest, sondern beachtet die Gesamtperson, also Konstitution, Temperament, Disposition und Diathese.

Vor allem aber nehmen sich Heilpraktiker viel Zeit, um die Ursachen der Krankheit festzustellen. "Jeder, der das erste Mal zu mir kommt, muss alles mitbringen, was er so an Mittelchen und Tabletten einnimmt - bis hin zu Vitaminen", betont Monika Gerhardus. Das gehöre zur Abrundung des Gesamteindrucks dazu. Steht die Ursache der Krankheit oder Störung fest und ist eine Überweisung zum Arzt nicht notwendig, werden bestimmte naturheilkundliche Behandlungen angewendet. Ganz wichtig sind Hinweise zu einer gesunden Ernährung und Lebensführung.

Heilpraktiker verstehen sich als Bewahrer und Erben uralter Medizin und Naturheilkunde. Und "verhindern in den ihn eigenen Bereichen der gesundheitlichen Versorgung eine in unserer demokratisch-pluralistischen Gesellschaft unangemessene Monopolstellung der institutionalisierten und dogmatischen Medizin", betont die UDH-Präsidentin. Im Klartext: "Wir bilden eine Regulativfunktion, bewahren die Therapie- und Wahlfreiheit des Bürgers, haben also auch eine wichtige soziologische Funktion". Darüber hinaus erfülle der Heilpraktiker auch Aufgaben für die Volksgesundheit, indem er seine Patienten zu einer gesunden Lebensweise, speziell im Bereich der Ernährung, anhält.

Mehrere Umfragen, darunter Studien des Institutes für Demoskopie in Allensbach und der Wickert-Institute, ergaben, dass der Heilpraktiker und die Naturheilverfahren in der Öffentlichkeit an Geltung gewinnen. Ein wissenschaftlich begleitetes Modellprojekt zur Erprobung alternativer Heilverfahren der IKK Sachsen, in dem zwischen 1996 und 2001 rund 3000 Patientendaten ausgewertet wurden, kam zum Ergebnis: Akupunktur und Homöopathie verringern Krankheitstage deutlich. Mehr als 80 Prozent der Therapierten erreichten eine Verringerung ihrer Beschwerden.

Derzeit zahlen nur private Krankenversicherer Heilpraktiker-Konsultationen. Wer in der gesetzlichen Krankenversicherung ist, muss selbst zahlen.

Kontakt: Union deutscher Heilpraktiker, Monika Gerhardus, Waldstraße 21, 61137 Schöneck, Telefon 06187 / 8428, E-Mail: kontakt@udh-hessen.de, Internet: www.udh-hessen.de

FR vom 21.9.2002

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