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Der König von Turin

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Diego von Juventus Turin jubelt nach einem Treffer im Ligaspiel Juventus gegen den  AS Rom im Olympiastadion in Rom, Italien (Archivfoto vom 30.08.2009).
Diego von Juventus Turin jubelt nach einem Treffer im Ligaspiel Juventus gegen den AS Rom im Olympiastadion in Rom, Italien (Archivfoto vom 30.08.2009). © dpa

Ex-Bremer Diego ist bei Bayern-Gegner Juventus Turin auf Anhieb der unangefochtene Regent. Bei den Anhängern genießt er bereits Kultstatus. Von Oliver Birkner

Von Oliver Birkner

Schwer auszudenken, was passiert, sollte Diego Juventus Turin am Mittwochabend bei den Bayern zum Sieg schießen (20.45 Uhr, live in Sat1). Dann hätte die italienische Presse ein Problem: Die Superlative sind beinahe schon erschöpft. Dazu benötigte der ehemalige Bremer nicht einmal 180 Minuten. An den ersten beiden Spieltagen trug Diego mit sprudelnden Ideen, einem Assist und zwei Toren entscheidend zu den ersten sechs Punkten bei und wurde jeweils unter stehenden Ovationen der Turiner Tifosi ausgewechselt. Die Gazetten titelten schnell "Juve-Samba" oder "Diegol" und verglichen den 24-Jährigen mit arrivierten Ex-Juventus-Zehnern wie Zinedine Zidane oder Michel Platini.

Begehrte Nummer 28

"Es ist noch ein wenig früh, Vergleiche zu ziehen. Doch mit Diego hat Juventus einen Riesencoup getätigt", kommentierte der zum Uefa-Präsidenten aufgestiegene Platini. "Er gehört zu jener Kategorie Spielern, die durch ihre Phantasie Spaß bereiten und niemals auf der Bank sitzen dürfen. Außerdem trägt er den Namen von Maradona." Selbst Trainer Ciro Ferrara geriet ins Schwärmen: "Ich wusste, dass er stark ist. Doch einen derart überragenden Diego hätte ich nicht erwartet." Bei den Anhängern genießt Diego bereits Kultstatus. Das Juve-Trikot mit der Nummer 28 ging im Sommer doppelt so häufig über den Ladentisch wie das der Klub-Ikone Alessandro Del Piero, der dem Brasilianer die begehrte Zehn nicht abgetreten hatte. "Egal, zwei und acht macht schließlich auch zehn", sagte Diego grinsend.

Die italienische Sprache ist noch eine kleine Hürde für ihn, doch der ambitionierte Juventus-Duktus läuft Diego schon problemlos über die Lippen: "So viel Enthusiasmus hätte ich am Anfang nicht um mich erwartet, das muss ich nun auf dem Platz zurückzahlen. Der exzellente Kader macht es einem einfach, zu glänzen, mit dieser Qualität müssen wir Meisterschaft und Champions League anpeilen."

Das hört man bei Juventus gern. Nach dem riesigen Imageschaden durch den Manipulationsskandal 2006 versucht man seit Jahren akribisch, den Vereinsnamen wieder zur positiv besetzten Marke zu machen. Diego ist dabei ein signifikanter Baustein, ein Spielmacher, der dem zuletzt oft biederen Spiel des Rekordmeisters fehlte. Das ließ man sich 24,5 Millionen Euro kosten - der zweitteuerste Ligatransfer im Sommer-Mercato. "Bei Diego setzten wir uns gegen Spitzenvereine wie Bayern München durch. Er ist wichtiger Teil unseres Plans, 2010 wieder zur europäischen Elite zu gehören", erläuterte Geschäftsführer Jean-Claude Blanc.

Der neue Coach Ferrara schneiderte das Juve-System auf Diego zu. Aus einem 4-4-2 wurde ein 4-3-1-2, das fraglos Risiken birgt. Über adäquaten Ersatz verfügen die Turiner nämlich nicht. Beim 1:1 gegen Bordeaux im ersten Gruppenspiel mangelte es an Esprit. Für den talentierten Sebastian Giovinco (22), der den verletzten Brasilianer vertrat, ist die Königsklasse noch eine Nummer zu groß.

Juves Problemzone ist Diegos rechter Oberschenkel. In der Vorbereitung absolvierte der Neuzugang wegen muskulärer Probleme kaum ein Mannschaftstraining, jüngst fiel er erneut zwei Wochen aus. Bei der mittelprächtigen Generalprobe gegen Aufsteiger Bologna (1:1) wurde deutlich, dass er konditionell noch Rückstand hat. Diego spielte eine Stunde. Auch in der Allianz Arena ist ein Einsatz über die volle Distanz unwahrscheinlich. Torhüter Gianluigi Buffon sieht darin kein Problem: "Für Spiele wie in München wird man Fußballer, eine Partie für furchtlose Herzen. Und Diego ist dabei unser Luxus - selten habe ich jemanden mit seiner Fantasie gesehen. Er ist unsere Waffe, die den Unterschied ausmacht." Auch nicht voll geladen bleibt sie immens gefährlich.

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