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Kobe Bryant beendete seine Karriere im Jahr 2016. 

Kobe Bryant

Kobe Bryant: „Der Michael Jordan unserer Generation“

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    Sebastian Moll
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Kobe Bryant gilt als Legende im Basketball. Er hat eine Ära geprägt und zahlreiche Menschen inspiriert - am Sonntag ist der 41-Jährige bei einem Hubschrauberabsturz tödlich verunglückt.

  • Superstar Kobe Bryant stirbt bei einem Hubschrauberabsturz
  • Mit an Bord war auch seine Tochter
  • Er hinterlässt Frau und drei Kinder

Wenn Kobe Bryant unterwegs war, wurde er ein ums andere Mal von Fans angesprochen. „Hey Mann, du musst einen Sohn haben, der dein Erbe weiterführt“, erzählte der ehemalige Basketball-Superstar der Los Angeles Lakers über die Begegnungen mit seinen Bewunderern. Wenn seine Tochter Gianna dabei war, mischte sie sich umgehend ins Gespräch ein: „Ey, ich kümmere mich darum.“ Seit mehr als zwei Jahren trainierte Bryant seine Tochter und andere Mädchen in der von ihm gegründeten Mamba Academy. Gianna wollte unbedingt in die WNBA, der Profi-Basketballliga für Frauen in Nordamerika. „Wir bringen ihnen bei, was Exzellenz bedeutet“, berichtete Bryant einmal. Und wer sollte das besser lehren können, als der Mann, der wie kein Anderer diesen Begriff auf dem Parkett verkörperte.

Schlechte Sicht und technische Probleme

Am Sonntag war Bryant mit Gianna auf dem Weg zu einem Turnier in Calabasas unweit von Los Angeles. Der Helikopter holte die beiden gegen 9 Uhr Ortszeit in Orange County ab – doch die Sikorsky S-76B mit Bryant, Gianna und sechs weiteren Passagieren an Bord sollte ihr Ziel nicht erreichen. Die Maschine stürzte bei nebligem Wetter ab und ging in Flammen auf, alle neun Insassen inklusive des Piloten starben. Der Bürgermeister von Los Angeles, Eric Garcetti, bestätigte nur wenige Stunden nach dem Unglück die traurige Nachricht. Kobe Bryant wurde 41 Jahre alt, seine Tochter Gianna 13. Er hinterlässt seine Frau Vanessa und drei weitere Töchter Natalia, Bianka und Capri. Die Ermittlungen werden sich laut einem Bericht der „LA Times“ wohl um die schlechten Sichtverhältnisse und mögliche technische Probleme drehen.

Trauer vor dem Staples Center, der Heimspielstätte der Los Angeles Lakers. 

„Kobe Bryant war der Michael Jordan unserer Generation“, sagte Dirk Nowitzki einmal über seinen jahrelangen Konkurrenten. In seinen 20 Jahren, die er von 1996 bis 2016 ausschließlich für die Los Angeles Lakers spielte, dominierte er das Spiel wie die Legende der Chicago Bulls und war der Athlet, zu dem alle jungen Basketballer ab Ende der 90er Jahre aufschauten. Bryant nannte sich „Black Mamba“, angelehnt an den Codenamen von Schauspielerin Uma Thurman aus dem Film Kill Bill von Quentin Tarantino, die eine Auftragskillerin auf Rachefeldzug spielt. „Wenn ich das Feld betrete, bin ich diese Killerschlange“, erklärte Bryant. 2006 gelangen ihm 81 Punkte in einem Spiel, in seiner 1557. und letzten Partie am 13. April 2016 legte er noch einmal 60 Zähler auf. Mit 33 643 Punkten ist er viertbester Werfer in der Geschichte.

Neymar widmet sein Tor Kobe Bryant

Eine Welle der Trauer ging am Sonntag durch die ganze Welt. In der NBA wurden Schweigeminuten für den fünfmaligen NBA-Champion und 18-fachen Allstar abgehalten, Spieler schrieben sich die Trikotnummern 8 und 24 auf ihre Schuhe, der brasilianische Fußballstar Neymar von Paris St. Germain widmete sein Tor Bryant, indem er beim Jubeln mit den Händen die 24 zeigte.

Die Nachricht von dem Unglück überschattete auch die diesjährige Grammy-Gala. „Los Angeles, Amerika und die ganze weite Welt haben einen Helden verloren“, sagte Moderatorin Alicia Keys. „Wir stehen hier mit gebrochenen Herzen in dem Haus, das Kobe Bryant gebaut hat.“ Die 62. Verleihung der begehrten US-Musikpreise fand im Staples Center von Los Angeles statt – der Halle, in der auch die Heimspiele der Lakers ausgetragen werden und unter deren Dach die Nummern 8 und 24 hängen, die nicht mehr vergeben werden. Vor der Halle versammelten sich tausende Menschen und legten Blumen nieder und zündeten Kerzen an.

Das sportliche Talent wurde ihm von seinem Vater Joe „Jellybean“ Bryant in die Wiege gelegt. Er spielte acht Jahre in der NBA und in der Zeit bei den San Diego Clippers wurde Kobe 1978 geboren, der nach der japanischen Stadt benannt wurde. Laut Bryants offizieller NBA-Biografie hatten die Eltern die Bezeichnung Kobe auf einer Speisekarte gelesen. Das Kobe-Steak ist auf der ganzen Welt berühmt.

Kobe Bryant: Mit 17 Jahren Profi

Bryant lebte bis zum Alter von sechs Jahren in verschiedenen Städten in Italien, wo sein Vater die Karriere ausklingen ließ. Die italienische Basketballverband setzte eine Trauerwoche an, bei allen Spielen sollte es eine Gedenkminute geben. Schon im jungen Alter war Kobe dem Basketball verfallen. Von seinem Großvater ließ er sich Videokassetten von NBA-Spielen schicken, vor allem von den Lakers. Erst bewunderte er Elgin Baylor, den König der Fußbarbeit und dann natürlich Lakers-Legende Earvin „Magic“ Johnson, der mit Finesse und Eleganz den 80er Jahren seinen Stempel aufdrückte. Bereits in seinen Highschool-Jahren fiel Bryant durch sein überragendes Talent auf. Schon im Alter von 15 Jahren wurden Profi-Mannschaften auf ihn aufmerksam und luden ihn zum Vorspielen ein.

1996 wurde er dann im Alter von nur 17 Jahren bei der sogenannten Draft für die Profiliga rekrutiert und wurde damals mit 18 Jahren und 72 Tagen der jüngste Spieler der Liga. Die Mannschaft, die ihn ausloste, die Charlotte Hornets, tauschten ihn gegen den erfahrenen Center Vlade Divac zu den Los Angeles Lakers, wo Bryant seine gesamte Profi-Laufbahn verbrachte. Eine der vielen Parallelen zwischen Bryant und Dirk Nowitzki, der Bryants Treue zu einem Verein sogar noch um ein Jahr überbot und 21 Jahre für die Dallas Mavericks spielte.

2018 erhielt Bryant den Oscar für den Animationskurzfilm „Dear Basketball“. 

Bryant wurde bereits in seiner zweiten Saison bei den Lakers zum Stammspieler, ab seiner dritten Saison wurde er der uneingeschränkte Spielmacher der als Hollywood Team verschrienen Mannschaft. Dieses dritte Jahr war auch das Jahr, in dem Bryant mit den Lakers die erste von fünf Meisterschaften gewann. Gemeinsam mit seinem Gegenpart Shaquille O’Neal, dem stämmigen Center und dem legendären Coach Phil Jackson, der bereits die Chicago Bulls zu sechs Titeln geführt hatte, waren die Lakers zwischen 1999 und 2002 praktisch unbesiegbar. Bryant war ein Getriebener ein Besessener, der von sich und seinen Mitspielern alles abverlangte.

Bryant galt als untrainierbar

Diesen Nimbus verloren die Lakers nach 2002. Man sprach von Uneinigkeiten zwischen Bryant, O’Neal und Jackson, der Bryant später als untrainierbar bezeichnete. Bryant tat sich schwer damit, sein Ego hinten an zu stellen und seine Brillanz in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Ein Problem, das ihn bis an das Ende seiner Karriere begleitete. Zu den beginnenden Unstimmigkeiten unter den Lakers kam, dass Bryant in den Jahren 2003 und 2004 sich wegen eines Vergewaltigungsprozesses schlecht auf sein Spiel konzentrieren konnte. Eine Hotelangestellte beschuldigte ihn, sie gewalttätig zum Sex gezwungen zu haben. Bryant wurde schließlich freigesprochen: Seine hochbezahlten Anwälte hatten es geschafft, die Glaubwürdigkeit des Opfers in Zweifel zu ziehen. Die Frau erschien nicht zum Prozess, um gegen Bryant auszusagen. Bryant verlor einige Sponsoren und sein Ruf nahm vorübergehend Schaden. Dennoch blieb der Vorfall eine Fußnote seiner Biografie. Dass sein Ruf keinen größeren Schaden nahm und er weitere 13 Jahre als Superstar das Basketball-Parkett bestimmte, ist nicht zuletzt der Tatsache zu verdanken, dass die #Metoo-Ära noch nicht eingeläutet war. In der heutigen Zeit hätte Bryant es sicherlich deutlich schwerer gehabt.

Bryant gewann fünf NBA-Meistertitel und war 18-maliger Allstar. 
Tochter Gianna wollte in die Fußstapfen ihres Vaters treten. 

Nach durchwachsenen Jahren schwangen sich die LA Lakers in den Jahren 2008 bis 2010 noch einmal zum Status der dominanten Mannschaft der Liga auf. Das war nicht zuletzt der Rückkehr von Phil Jackson zu verdanken, der einen strategischen Frieden mit Bryant schloss. Bryant wurde somit der Kapitän des mit fünf Titeln erfolgreichsten Teams der Ära. Zudem gewann er mit den USA 2008 und 2012 die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen. Bryants Angriff auf einen sechsten Titel, mit dem er es Michael Jordan gleichtun wollte, blieb jedoch erfolglos.

Nach 2013 häuften sich bei dem alternden Bryant dann die Verletzungen. Es begann ein langsamer sportlicher Abstieg. In seiner letzten Saison 2016 wurde Bryant stark dafür kritisiert, dass er noch immer die Star-Rolle und ein exorbitantes Gehalt von 21 Millionen Dollar pro Jahr beanspruchte, obwohl er das sportliche Niveau nicht mehr halten konnte. Eine durchaus berechtigte Kritik, die seinem Legendenstatus jedoch nicht zu schaden vermochte.

Bryants Buch wird posthum zum Verkaufsschlager

Bryant hatte schon während seiner Karriere die Karriere danach vorbereitet. Er gründete mit Web.com-Gründer Jeff Stibel die Investmentfirma Bryant Stibel, die sich auf Medien- und Tech-Beteiligungen spezialiserte. CNN zufolge beläuft sich das verwaltete Vermögen auf zwei Milliarden US-Dollar. 2018 gewann er den Oscar in der Kategorie „Bester Animationskurzfilm“ für sein Werk „Dear Basketball“, in dem Bryant seine Liebe zu seinem Sport zum Ausdruck brachte. Sein Buch „Mamba Mentality – Mein Weg zum Erfolg“, war am Montag das meistverkaufte Buch bei Amazon. Und dem Sport blieb er durch seine Mamba Academy treu.

Kobe Bryants Erbe werden jetzt andere fortführen. Seine Tochter Gianna, die es unbedingt wollte, kann es nicht mehr.

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