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Ryoyu Kobayashi aus Japan steht vor dem Gewinn der Vierschanzentournee.

Vierschanzentournee

Kobayashi zieht davon

Ryoyu Kobayashi hat auch das dritte Springen der Vierschanzentournee gewonnen.

Stadionsprecher Rainer Dirkes ahnte schon Unheil, bevor sich der König der 67. Vierschanzenzentournee am Bergisel zum ersten Mal die Ehre gab. „Hoffentlich ist die Schanze groß genug“, krähte er über den Bergisel. Und irgendwie war Dirkes mit der scherzhaft gemeinten Warnung gar nicht einmal schlecht gelegen. Ryoyu Kobayashi, der Tourneeregent, flog weit, viel weiter als die gesamte Konkurrenz. Bei 136,5 Metern hatte der Japaner wieder Schnee unter den Skiern. Den finalen 131-Meter-Satz, natürlich auch wieder der Beste des Durchgange, hätte es gar nicht mehr gebraucht. Schon zur Halbzeit auf dem Berg der Tiroler wurde die Tournee für entschieden erklärt.

Markus Eisenbichler konnte in Innsbruck nicht ganz an sein bisheriges Niveau anknüpfen. 129 und 123,5 Meter waren nicht schlecht – Platz 13 sprang am Ende dabei heraus. Doch sie reichten halt nicht, um den weltbesten Skispringer dieses Winters auch nur weiter kitzeln zu können. „Was der da gemacht hat, ist einfach eine Granate“, staunte Eisenbichler mit Blick auf den davonschwebenden Japaner, „das muss man neidlos anerkennen. Wenn das einer nicht tut, dann hat er bisschen eine Schraube locker.“ 

Einfach beeindruckend 

45,5 Punkte – rund 25 Meter also, sind die beiden Hauptrivalen vor dem Finale am Sonntag voneinander entfernt. Klar, die Tournee hat vor allem in Bischofshofen, der Schanze der Flieger, schon viele Geschichten geschrieben. Aber irgendwie glaubt nicht einmal der Unantastbare selbst, dass er bei diesem Turnier noch antastbar werden könnte. „Ich weiß eigentlich nicht, was mich jetzt noch aufhalten könnte“, sagte Kobayashi mit gewohnt ungerührter Miene.

Für Markus Eisenbichler ist am Bergisel auch im Rennen um Platz zwei die Luft noch einmal dünn geworden. Der Norweger Andreas Stjernen, am Freitag hinter dem wieder erstarkten Österreicher Stefan Kraft Dritter, schob sich bis auf 4,2 Punkte (2,3 Meter) an den Siegsdorfer heran.

Und doch erlebt das Team von Bundestrainer Werner Schuster derzeit noch ein seltsames Deja-vu. Zum dritten Mal in vier Jahren kämpft man in der Tourneespitze mit, zum dritten Mal muss man sich nun wohl dem Überflieger des Jahres beugen. Severin Freund blieb 2016 am Slowenen Peter Prevc hängen, Richard Freitag und Andreas Wellinger im Vorjahr an Kamil Stoch aus Polen. Und nun muss man sich also vor Ryoyu Kobayashi verbeugen. Was auch Schuster vergleichsweise leichten Herzens tat: „Ich bin schon etwas länger am Trainerturm“, sagte der Österreicher, „aber was er gezeigt hat, das war mit das beeindruckendste, was ich je gesehen habe.“

Und Schuster, der am Rande des Springens die Gerüchte über seinen bevorstehenden Abgang nach Österreich dementierte („Man muss nicht alles glauben“) hatte ja auch einiges, womit er sich trösten konnte. Stephan Leyhe wurde mit 129 und 127,5 Metern starker Vierter in Innsbruck und schob sich auch in der Gesamtwertung auf Platz fünf vor. Richard Freitag (128, 124 Meter) meldete sich ausgerechnet auf der Schanze, auf der er im Vorjahr noch einen spektakulären Crash erlitten hatte, mit einem ansprechenden achten Platz zurück.

Und dann ist da ja immer noch Markus Eisenbichler. Für den zweimaligen Gesamt-Siebten ist vor dem abschließenden Wettbewerb in Bischofshofen zumindest der Sprung aufs Podium beim wichtigsten Turnier der Springerwelt zum Greifen nahe. „Das hätte ich mir vorher nie träumen lassen“, schwärmte er. 

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