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Punktlandung auf Rang zwölf mit dem deutschen Team: Andreas Toba bei der Heim-WM in Stuttgart.

Kunstturnen

Knapp am Erdrutsch vorbei

Den deutschen Kunstturnern gelingt mit Glück die Qualifikation für die Olympischen Spiele.

Die Jubeltraube der deutschen Kunstturner im Block F der Schleyer-Halle löste sich schnell auf, auch der 29. Geburtstag von Andreas Toba wurde nur kurz begossen. Denn bei aller spontanen Begeisterung wurde allen Beteiligten rasch klar: Mit der Punktlandung auf Rang zwölf hatte man lediglich eine beispiellose Blamage verhindert – und das vor eigenem Publikum bei den Weltmeisterschaften in Stuttgart. Noch nie war eine deutsche Riege auf sportlichem Weg an der Olympia-Qualifikation gescheitert.

„Ein Verpassen des olympischen Mannschaftswettbewerbs wäre einem Erdrutsch nahe gekommen“, musste auch Wolfgang Willam, Sportdirektor des Deutschen Turner-Bundes (DTB), einräumen. Was den Frauen mit dem neunten Platz vergleichsweise mühelos gelang, war für ihre männlichen Kollegen eine Zitterpartie. Erst als die Riegen aus den Niederlanden und Rumänien im allerletzten Durchgang schwächelten, durfte bei den WM-Gastgebern aufgeatmet werden.

Mangelnde Einstellung

Ausgehend von diesem historischen Tiefpunkt soll und muss es schon bis zu Olympia 2020 in Tokio aufwärts gehen. Aber wie? Bundestrainer Andreas Hirsch machte bei einer ersten Analyse Einstellungsdefizite deutlich: „Unser Turnpodium ist die große Bühne, auf die wir alle wollen. Das müssen wir noch mehr in die Athleten hinein bekommen.“

Den Nachfolgern von Reck-Olympiasieger Fabian Hambüchen, der den Wettkampf als WM-Botschafter beobachtete, fehlt eben nicht nur dessen absolute Weltklasse. Es mangelt bei einigen auch häufig an der Emotionalität des einstigen Weltmeisters, dessen goldene WM-Kür von 2007 an gleicher Stelle immer wieder auf der Videowand in der WM-Arena zu sehen war und ist.

Aber während Hambüchen mit Onkel Bruno regelmäßig einen Mentalcoach an seiner Seite wusste, ist dies für Hirsch keine grundsätzlich erforderliche Begleitung des körperlichen Trainings. „Wir haben uns doch jetzt für Olympia freigeschossen, da fange ich doch nicht das Grübeln an“, sagte der Chefcoach, sein nicht sichtbares Kopfschütteln schwang im Tonfall mit.

Und ein verkopfter Laptop-Trainer, das machte der 61-Jährige deutlich, wird er auch nicht mehr werden: „Mentales Training ist nicht der Schlüssel, es hilft nicht bei dreifachen Drehungen.“

Fakt ist sicherlich: Der goldene Geburtsjahrgang 1987 mit Hambüchen, dem Olympia-Zweiten Marcel Nguyen und Ex-Europameister Philipp Boy ist weitgehend Turn-Geschichte, die sich so schnell in Deutschland nicht wiederholen wird. Aber auf dem aktuellen Niveau verharren will und darf man beim DTB deswegen nicht. Sportdirektor Willam: „Das kann nicht unser Anspruch sein.“

So enttäuschend das Teamresultat war, drei Finalqualifikationen für den Hannoveraner Toba im Mehrkampf, Nick Klessing (Halle) an den Ringen und Lukas Dauser (Unterhaching) am Barren waren realistischerweise nicht zu erwarten. Dieses Trio könnte also am Wochenende für einen versöhnlichen WM-Abschluss sorgen – und gemäß dem WM-Motto „Set new Signs“ doch noch ein neues Zeichen auf dem olympischen Weg nach Tokio setzen. (sid)

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