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Macht sich Gedanken: Lewis Hamilton.

Kommentar

Klimakiller Formel 1

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Weltmeister Lewis Hamilton fordert mehr für die Umwelt zu tun. Auch wenn der Brite selbst als Teil des Formel-1-Zirkus in der Kritik steht, ist die losgetretene Diskussion wichtig und richtig. Der Kommentar.

Kofferpacken zählt für viele Reisende eher nicht zu den Lieblingsaufgaben. Ist ja auch nervig diese ständige Grübelei, ob denn nun wirklich alles verstaut ist. Und dann der Ich-setze-mich-auf-den-Koffer-Trick, um auch ja alles dicht zu bekommen. Kennt fast jeder, kann lästig sein, und mutete dennoch lächerlich an im Vergleich zu dem, was die Mitarbeiter der Formel-1-Teams so zu tun haben. Rund 400 Tonnen an Luft- und Seefracht werden da regelmäßig verpackt, vom japanischen Suzuka gehts binnen weniger Tage nach Mexiko-Stadt. Mehr als 10 000 Kilometer entfernt – ein Wahnsinn, vor allem ein kaum noch vertretbarer.

Seit längerem geht in der Motorsport-Königsklasse die Angst um, auch von der Klimadiskussion erfasst zu werden – und schlecht dazustehen. Ausgerechnet, zumindest aus Sicht der Formel-1-Bosse, einer der Ihrigen hat diese Befürchtungen nun wahrgemacht: Weltmeister Lewis Hamilton. Er wolle ein Vorbild sein und „mehr tun“ für die Umwelt, sagte der Mercedes-Angestellte nun: „Die Formel 1 kann mehr tun. Wir müssen alle Industrien pushen.“

Klar, Lewis Hamilton liebt das Rennfahren, er liebt auch die Formel 1, durch sie hat er Unmengen an Kohle auf sein Konto gehievt. Er posiert auch privat gerne vor umweltunfreundlichen PS-Boliden. Und trotzdem sagt der Brite: „Ich bin mir im Klaren, dass der ökologische Fußabdruck eines Formel-1-Fahrers tiefer ist als der eines Durchschnittsbürgers, aber deshalb sollten wir keine Angst haben, uns offen für einen positiven Wandel auszusprechen.“ Kann man das glauben? Fernando Alonso jedenfalls tut es nicht. Der einstige Weltmeister wirft dem aktuellen Scheinheiligkeit vor. „Wir wissen alle, was für einen Lifestyle Lewis hat“, sagt Alonso. „Selbst 200 Mal im Jahr fliegen“, dann könne man anderen nichts erzählen.

Wahre Worte, und dennoch die falschen. Warum? Ganz einfach, weil die Formel 1 einerseits zwar Bemühungen zeigt, klimafreundlicher zu werden. So soll zum Beispiel der Kraftstoff bis 2025 zu 100 Prozent aus E-Fuel bestehen. Auch verweist die Rennserie nicht zu Unrecht darauf, Antriebssysteme zu entwickeln, die mittelfristig auf der Straße zum Einsatz kommen könnten (Mercedes-Boss Toto Wolff: „Wir stellen die effizientesten Motoren auf dem Planeten her“). Andererseits aber überwiegt noch immer die Gier. Der Gigantismus wird immer gigantischer. Neue Rennen werden geschaffen, immer weiter entfernt voneinander. In Sotschi zum Beispiel, oder Baku, oder Hanoi, und so weiter und so fort. Insofern ist die von Hamilton losgetreten Diskussion – egal ob nun scheinheilig herbeigeführt oder nicht – wichtig und richtig. Sie ist schlicht nötig.

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