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Macht sich Gedanken: Lewis Hamilton.

Formel 1

Die Klimadebatte und die Formel 1

Das Thema Klimawandel hat mit bislang einmaliger Intensität auch die Formel 1 erreicht. Lewis Hamilton sieht allerdings nicht nur die Rennserie in der Pflicht.

Lewis Hamilton weiß sehr wohl um das dünne Eis, auf dem er wandelt. Einerseits propagiert der Formel-1-Weltmeister einen Lebensstil, der die Ressourcen und das Klima schont. Auf der anderen Seite verdient er sein Geld in einem gigantischen globalen Wanderzirkus, in dem es darum geht, so schnell wie möglich Auto zu fahren. Angriffsfläche gibt es somit genug, doch der Superstar aus Großbritannien verweist auf das Gewicht seiner Stimme in der Öffentlichkeit.

Hamilton will ein Vorbild sein und „mehr tun“ für die Umwelt. „Ich möchte, dass alles in meinem Haushalt recycelbar ist, vom Deodorant bis zur Zahnbürste. Ich ändere so viel wie ich kann in meinem Leben“, sagte der Mercedes-Pilot am Rande des Großen Preises von Mexiko (Sonntag, 20.10 Uhr MEZ/RTL und Sky). So habe er sich zuletzt ein Elektroauto angeschafft, auch versucht Hamilton seltener zu fliegen.

Er sei sich darüber im Klaren, fügte der 34-Jährige an, dass der ökologische Fußabdruck eines Formel-1-Fahrers tiefer sei als der eines Durchschnittsbürgers, „aber deshalb sollten wir keine Angst haben, uns offen für einen positiven Wandel auszusprechen“.

Widerspruch von Alonso

Damit nahm er die Kritik seines früheren Mitstreiters Fernando Alonso auf. Hamilton hatte in der Vorwoche seine 13 Millionen Follower bei Instagram unter anderem dazu aufgerufen, wie er selbst vegan zu leben. Dies sei „der einzige Weg, unseren Planeten zu retten“. Alonso gefiel das offenbar gar nicht.

„Wir wissen alle, was für einen Lebensstil Lewis hat“, sagte der Ex-Weltmeister dem spanischen Radiosender Cadena Cope. Als Formel-1-Fahrer müsse man schließlich „200 Mal im Jahr fliegen. Dann kann man anderen nicht erzählen: ‚Esst kein Fleisch‘", führte Alonso aus.

Laut Hamilton müsse man „Druck ausüben auf die Industrie und auch auf die Formel 1“. Auch Ferrari-Pilot Sebastian Vettel, eigentlich ein erklärter Freund der wenig umweltfreundlichen V12-Motoren, nahm die Formel 1 in die Pflicht: „Du wärst ein Ignorant, wenn du nicht darauf schaust. Ich bin der Ansicht: Die Formel 1 sollte eine stärkere Botschaft senden. Der Wandel wird kommen. Hoffentlich früher als später.“

Ein klimaneutraler Sport wird der PS-Zirkus kaum werden. Doch die Königsklasse des Motorsports verweist immer wieder – nicht zu Unrecht – darauf, Systeme zu entwickeln, die mittelfristig auch auf der Straße zum Einsatz kommen und damit unter dem Strich einen Nutzen für die Umwelt haben.

„Wir stellen die effizientesten Motoren auf dem Planeten her, mit 50 Prozent thermischer Effizienz“, sagt etwa Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff mit Blick auf die in der Formel 1 eingesetzten Turbo-Hybrid-Motoren.

Präsident Jean Todt vom Automobil-Weltverband FIA ist davon überzeugt, mit dem derzeitigen Konzept zukunftsweisend aufgestellt zu sein: „Hybridtechnologie, Energieeffizienz, immer geringerer Benzinverbrauch, das sind doch wichtige Faktoren für die Zukunft.“ Ab 2021 könnten zudem synthetische und weitgehend CO2-neutrale Kraftstoffe vorgeschrieben werden. (sid)

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