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Vechtas Josh Young (l) und Maximilian Dileo freuen sich über den Sieg gegen die Bayern im März.

Basketball

Kleines Vechta ärgert die Großen

Rasta Vechta hat seinen sensationellen Höhenflug fortgesetzt und den früheren Serienmeister Bamberg in den Play-offs ausgeschaltet.

Auf dem Spielfeld feierten die „glorreichen Sieben“ ausgelassen ihre nächste Heldentat, bei den Fans von Rasta Vechta kullerten die Tränen. „Wir sind nach Bamberg gekommen, um Geschichte zu schreiben“, sagte Trainer Pedro Calles, nachdem der Plan des Aufsteigers perfekt aufgegangen war. Ziemlich genau 40 Jahre nach seiner Gründung steht der kleine Basketballklub aus dem Oldenburger Münsterland zum ersten Mal im Halbfinale der Play-offs – der Wahnsinn geht weiter.

Rasta ärgert in der Bundesliga schon seit Herbst unablässig die Etablierten. Nun erwischte es keinen Geringeren als Brose Bamberg, den früheren Serienmeister, den Pokalsieger, den Großen. Auch beim 90:86 (42:46) in Franken, dem entscheidenden dritten Sieg im Viertelfinale, setzte sich der Emporkömmling mit Qualitäten durch, die dem Gegner derzeit völlig abgehen: totale Aufopferung, Geschlossenheit und Leichtigkeit.

„Jeder kämpft für den anderen. Wir sind angeschlagen in diese Viertelfinalserie gegangen und haben uns als Team durchgekämpft“, sagte Calles. Wegen seiner vielen Verletzten spielte der Spanier nur mit einer Siebener-Rotation, eigentlich eine Schwächung; gegen die Bamberger, die am Dienstag zehn von zwölf möglichen Profis einsetzten, aber nur auf dem Papier.

Bislang hat die Kondition gereicht. Wie lange das noch so weitergehen kann, ist die Frage. Jetzt geht es gegen Meister Bayern München, Vechta kann das nächste Duell zwischen David und Goliath kaum erwarten. „WOW. Bayern, macht euch bereit, wir kommen!“, schrieb der Klub bei Twitter.

Rasta beweist, dass auch mit wenigen Mitteln noch ganz viel möglich ist. Der Saisonetat des Vereins soll bei 2,7 Millionen Euro liegen, in Bamberg ist er ungefähr fünfmal so hoch, und doch war das nicht genug. „Sie haben es verdient, da muss man ehrlich sein. Sie glauben an sich, sie spielen zusammen“, erklärte der Bamberger Nikos Zisis vielsagend bei MagentaSport.

Der Grieche hat in Europa alles gewonnen, doch diesmal zog Zisis (35) mit seiner topbesetzten Mannschaft den Kürzeren. Gegen Namenlose wie T.J. Bray, der genauso wie Austin Hollins teils unmögliche Würfe trifft, den deutschen Youngster Philipp Herkenhoff (19) oder Yosh Young, der im letzten Spiel der Best-of-Five-Serie den Schlusspunkt setzte.

„Mir gehen so viele Emotionen durch den Körper“, sagte Young, Coach Calles platzte vor Stolz. „Meine Jungs haben sich nach jedem Ball geworfen und gekämpft. Nun müssen wir uns erholen“, sagte er. Am Sonntag (18.00 Uhr/MagentaSport) geht es in München weiter.

Geschäftsführer Stefan Niemeyer war mit dem Ziel in die Saison gestartet, nach dem dritten Aufstieg nicht zum dritten Mal direkt wieder abzusteigen. Das gelang in Rekordzeit, Rasta Vechta lebt einen Traum – anders als Bamberg.

Hätte die einstige deutsche Nummer eins im Frühjahr nicht den Pokal gewonnen, wäre es ein Jahr zum Vergessen gewesen. Finanzielle Sorgen, Streit mit dem geschassten Geschäftsführer Rolf Beyer, Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und ein Trainertausch, der nur kurzfristig etwas brachte. Federico Perego dürfte deshalb keine Zukunft haben.

„Ich finde keine Worte zum jetzigen Zeitpunkt. Wir haben gegen ein starkes Team verloren. Das gilt es anzuerkennen“, sagte der Italiener. Das stimmt zwar, doch Perego weiß auch, dass Bamberg andere Ansprüche hat. (sid)

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