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Die kleinen Dinge

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Klatscharbeit: Holger Stanislawski.
Klatscharbeit: Holger Stanislawski. © getty/Friedemann Vogel

Auf der oftmals erfolglosen Tour durch die Zweite Liga hat der 1. FC Köln vor allen Dingen eins gelernt: Demut.

Von Daniel Theweleit

Für einen Moment blitzte am Montag die gute alte kölsche Hybris hervor. „Und Ihr wollt Deutscher Meister sein?“, sangen die Anhänger des 1. FC, als die Schlussphase des Testspiels gegen Borussia Dortmund begann. Am Ende gewannen die Kölner tatsächlich mit 1:0, woraufhin die Verantwortlichen der Gegenwart erst einmal versuchten, die (sicher auch karnevalistisch beflügelte) Euphorie zu bremsen. Was dieser beachtenswerte Erfolg und die anderen fünf Siege in den insgesamt sechs Vorbereitungsspielen wert seien, wurde Trainer Holger Stanislawski gefragt, seine Antwort: „Null Tore, null Punkte!“

Beim FC haben sie Demut gelernt auf der oftmals erfolglosen Tour durch die Zweitligaprovinz. Während der vorherigen Abstecher ins Unterhaus hatte der Klub sich noch mit der Prominenz des Christoph Daum oder dem Glanz des Lukas Podolski geschmückt, nun ist Kevin Mc Kenna, ein Mann, der sich längst auf dem Abstellgleis befand, wohl wichtigster Führungsspieler im Team. Stanislawski ist ein solider Arbeiter, keiner, der für eine glanzvolle Zukunft im internationalen Geschäft steht. Zudem hat der Trainer mächtig unter der allgegenwärtigen Finanznot zu leiden, die die wirren Träumereien von der Wiedergeburt als Topklub hinterlassen haben: Von 30 Millionen Euro Schulden ist die Rede. Die Kölner haben ihren Kader mit dem Sturmbrecher Stefan Maierhofer (RB Salzburg) und dem völlig unbekannten brasilianischen Innenverteidiger Bruno Andrade vom portugiesischen Erstligisten Estoril erweitert. Transfers auf mittlerem Zweitliganiveau waren das.

Klub soll professioneller werden

Immerhin kann die Art und Weise, wie die Verpflichtung Andrades realisiert wurde, als Indiz für einen Wandel der Kölner Geschäftskultur gelten. Normalerweise werden Verhandlungen, Medizinchecks und Vertragsunterschriften live in den Boulevardmedien übertragen, der Name Bruno Andrade wurde nun erst mit dem 1. FC Köln in Verbindung gebracht, als die Zusammenarbeit fix war.

Vielleicht ist dieser unter chronischen Indiskretionen leidende Fußballstandort wirklich dabei, sich zu professionalisieren. Zwar wird Werner Spinner, dem neuen Präsidenten nachgesagt, er plaudere zu viel, aber dafür gilt der neue Geschäftsführer, der seinen Dienst Mitte Januar antrat, als Hoffnungsträger. Thomas Wehrle, ein elanvoller Mann, der bis zuletzt in der Klubführung des VfB Stuttgart beschäftigt war, kündigte an, er werde „Kostendisziplin einführen, bei größtmöglichem sportlichen Erfolg“. Die Liquidität für die laufende Saison konnte ja nur mit Hilfe einer Fan-Anleihe über zehn Millionen Euro gesichert werden. Wenn der Aufstieg nicht glückt, muss der Etat von geschätzten 20 Millionen Euro auf etwa 12 Millionen Euro reduziert werden. Aber vor allem ist Wehrle nicht wie seine Vorgänger wegen irgendwelcher Verdienste verpflichtet worden, sondern weil er in einem sorgfältigen Auswahlverfahren gesamtkonzeptionell überzeugte.

Relegationsplatz ist das Ziel

Auf die anstehenden sportlichen Aufgaben wird sich diese Personalie aber allenfalls atmosphärisch auswirken. „Wir sind nicht weit vom Relegationsplatz entfernt, den wollen wir erreichen“, sagte Daniel Royer, der am Montag das Siegtor gegen Dortmund erzielte. Die Zuversicht ist also schon mal da, allerdings dürfen sie sich keine Zeit mehr lassen mit ihrer Aufholjagd.

Offenbar dauerte es länger als erwartet, bis die Mannschaft sich an den neuen Trainer und die ungewohnte Zweitligaumgebung gewöhnt hatte, aber inzwischen seien „die Jungs untereinander eingespielt“, sagte Holger Stanislawski nun. Es sind die kleinen Dinge, die den Kölnern derzeit Hoffnung machen, und dazu kann dann durchaus auch ein Testspielerfolg gegen Borussia Dortmund zählen.

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