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Klein, fein und bissig

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Von: Frank Hellmann

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Chef im Londoner Südwesten: Roy Hodgson hat beim Hamburger Halbfinalgegner FC Fulham seit Dezember 2007 das Sagen.
Chef im Londoner Südwesten: Roy Hodgson hat beim Hamburger Halbfinalgegner FC Fulham seit Dezember 2007 das Sagen. © rtr

Der HSV kommt als Gast nach Craven Cottage - und trifft dort auf einen Verein, den viele unterschätzen. Wie der FC Fulham, ein Underdog aus der Premier League, arrivierte Teams aus Europa das Fürchten lehrt. Von Frank Hellmann

Wer Roy Hodgson so zuhört, wird mit dem oft gerühmten britischen Humor konfrontiert. Mit der Bissigkeit und Trockenheit, die dieser feinen Form der Ironie anhaftet, versprach etwa der Teamchef des FC Fulham vergangenen Donnerstag frohgemut, er freue sich nun darauf, "einen großen Verein wie den Hamburger SV willkommen zu heißen."

Und schob sodann die Spitze nach, dass der heutige Gast im Craven Cottage gewiss ein Tor schießen könne, natürlich, aber, so Hodgson: "Unsere Atmosphäre ist anders, unser Spielfeld ist kleiner - damit müssen sie zurecht kommen." Eigentlich wollte der grau melierte, stets akkurat gekleidete multilinguale Vielleser - der 62-Jährige spricht fünf Sprachen - damit aber sagen, dass er nicht so recht daran glaube, dass die Deutschen sich am Themseufer wirklich wohlfühlen werden.

Das hat sowohl mit einer charmanten Spielstätte mit nur 25.700 Plätzen inklusive roter Backsteinfassade und weißem Holzhaus in einer Ecke zu tun als auch mit der aktuellen Befindlichkeit des Zwölften der Premier League.

Lieblingsklub von Hugh Grant

Sobald der Lieblingsklub von Hollywood-Star Hugh Grant in diesem Frühjahr internationales Parkett betritt, durchläuft das aus torgefährlichen Angreifern wie Bobby Zamora, Arbeitern wie Danny Murphy oder Haudegen wie Abwehrhüne Brede Hangeland zusammengestellte Ensemble eine seltsame Metamorphose.

Dann verwandelt sich dieses Team in einen Haufen entschlossener Kicker, die in diesem Wettbewerb fast Wundersames vollbrachten. Nacheinander eliminierte der Underdog den ukrainischen Titelverteidiger Schachtjor Donezk, die italienischen Großklub Juventus Turin und den deutschen Titelträger VfL Wolfsburg. "Wir sind beseelt davon", sagte Hodgson, "Geschichte zu schreiben."

Möglich wird das durch die Finanzspritzen von Kaufhaus-Besitzer Mohamed Al-Fayed - auf den ägyptischen Milliardär geht im Dezember 2007 auch die Verpflichtung von Hodgson zurück, der von der finnischen Nationalelf, der Schweiz, den Arabischen Emiraten bis hin zu Viking Stavanger, SK Örebro oder Inter Mailand scheinbar alles und jeden coachen kann.

Hodgson, ein konservativer Fußballlehrer, stand sogar 1998 in Verhandlungen mit dem DFB, ehe aber Erich Ribbeck als Bundestrainer installiert wurde. Hodgson hat die damalige Absage aus Deutschland nicht geschadet: Er hat sich mittlerweile einen so guten Ruf erworben, dass längst sein Name im Gespräch ist, wenn es um den nächsten Nationaltrainer der Engländer geht.

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