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Jan Christian Müller ist Sportredakteur der Frankfurter Rundschau.
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Jan Christian Müller ist Sportredakteur der Frankfurter Rundschau.

Die Höhle des Löw

Klassiker

Vor zweieinhalb Wochen kassierte die deutsche Sportjournalisten-Nationalmannschaft ein 3:4 gegen die Deutsche Botschaft Pretoria. Mittlerweile kann von Rachegelüsten keine Rede mehr sein. Von Jan Christian Müller

Von Jan Christian Müller

Vor zweieinhalb Wochen hat die deutsche Sportjournalisten-Nationalmannschaft ein 3:4 gegen die Deutsche Botschaft Pretoria kassiert. Eine unglückliche Niederlage, die von Schiedsrichter Walter Eschweiler begünstigt wurde und außerdem deshalb zustande kam, weil der Sohn des Botschafters Dieter Haller zufällig zu Besuch war und die Diplomatentruppe mit zwei Vorlagen und dem entscheidenden Tor regelwidrig verstärkt hatte. Die Presseleute schworen umgehend Rache. Sie verzichteten sogar auf die Dusche, um nicht zu schnell abzukühlen, sondern möglichst lange heiß zu bleiben fürs Rückspiel.

Mittlerweile kann von Rachegelüsten keine Rede mehr sein. Erschöpft von legebatterieartigen Verhältnissen in den Pressezentren, ewigem Schlangestehen für pappige Sandwiches an der Medienverköstigung und stundenlangen Minibuspassagen über endlose und stockdunkle südafrikanische Landstraßen, eingepresst in der letzten Sitzreihe zwischen schnarchenden Mitfahrern, ist dem Sportpresseteam die Kraft aus den Gliedern gefahren. Immer andere Ausreden lassen sich die Verantwortlichen der Mannschaft, die längst keine Mannschaft mehr ist, deshalb einfallen, um den spielbereiten Botschaftsangehörigen aus dem Weg zu gehen. Die Furcht vor einer verheerenden Niederlage ist zu groß. Kein Mitspieler könnte sich nach einer neuerlichen Schlappe in den DFB-Pressekonferenzen noch glaubhaft mit kritischen Fragen an die deutschen Profis wenden. Die könnten sich dann nämlich genötigt sehen zu entgegen: "Mach mal halblang, nutzloser Schreiberling, kriegst vom Botschafter und seinen Schreibtischtätern die Hucke voll und bläst hier die Backen mit frechen Fragen auf. Halt dich zurück, Nichtsnutz, und bleib brav bei Fuß." Natürlich würden die lieben Nationalspieler das niemals tun, dazu ist die Generation Lahm zu höflich und zu gut erzogen.

Nun will die derzeit in Südafrika weilende Nationalmannschaft der deutschen Bürgermeister sich mit dem Sportpresseteam messen. Anstoß Mittwochmorgen um neun Uhr, damit hinterher noch Zeit zum Schreiben bleibt. Deutsche Bürgermeister, die sind gewiss wohlgenährt und im Antritt vermutlich eher schildkrötenhaft - das müsste also zu machen sein. Die Reporterauswahl hat folglich zugesagt und rechnet mit einem sicheren Sieg. Berichterstattung folgt selbstverständlich nur im Erfolgsfall. Ansonsten halten wir es lieber mit Nordkorea.

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