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Klaas verpasst Medaille

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Knapp an der Medaille vorbei - Kathrin Klaas.
Knapp an der Medaille vorbei - Kathrin Klaas. © dpa

Die Frankfurterin Kathrin Klaas wird bei der Leichtathletik-EM in Helsinki Vierte im Hammerwerfen und hat ihre erste Medaille erneut verpasst. Ein Unfall vor vier Wochen verhinderte eine bessere Leistung.

Von Sebastian Rieth

Die Frankfurterin Kathrin Klaas wird bei der Leichtathletik-EM in Helsinki Vierte im Hammerwerfen und hat ihre erste Medaille erneut verpasst. Ein Unfall vor vier Wochen verhinderte eine bessere Leistung.

Als die Hammerwerferinnen ein wenig abseits der öffentlichen Wahrnehmung das Olympiastadion von Helsinki verließen, weil die 35.000 Zuschauer nach Leibeskräften die Sprintköniginnen der Staffel feierten, hatten wieder andere ihre Nationalflagge um den Rucksack gebunden, und nicht Kathrin Klaas.

Vierte wurde sie bei dieser EM, bei der die Chancen auf eine Medaille – zumindest beim Blick auf das Papier – so groß wie noch nie gewesen waren.

Schwindelgefühle nach Sturz

Viertbeste Weite in der Qualifikation, nach dem frühen Aus von Weltrekordlerin Betty Heidler stand ihre Teamkollegin Klaas plötzlich auf dem dritten Platz der Meldeliste. So war sie noch nie in einen großen Wettbewerb gegangen. Am Ergebnis änderte es nichts. Wieder einmal blieb der 28-Jährigen der Sprung auf das Treppchen verwehrt.

Davon weiß Klaas ein Lied zu singen. 2006 wurde sie EM-Sechste, bei der WM 2011 landete sie auf dem siebten Platz und nicht zuletzt die Heim-WM in Berlin 2009, der wohl tragischste Wettkampf ihrer Karriere. Um 56 Zentimeter verpasste sie damals den großen Coup vor heimischer Kulisse. Die Slowakin Martina Hrasnova hatte ihr mit dem letzten Wurf Bronze weggeschnappt. Klaas wurde Vierte, wie nun in Helsinki.

Doch die beiden Platzierungen sind unterschiedlich einzuordnen. Fehlte es in Berlin an jenem Abend schlichtweg am nötigen Glück, hatte Klaas vor den Titelkämpfen in Finnland mit ganz anderen Sorgen zu kämpfen.

Mehr geht nicht

Vor einem Monat war sie beim Meeting in den USA schwer auf den Kopf gestürzt, musste mit fünf Stichen genäht werden und klagte über Schwindelgefühle. „Ich konnte nicht mehr geradeaus laufen. Das war wie mit 3,0 Promille?, erzählte sie jüngst.

Zwischenzeitlich musste die Hammerwerferin der LG Eintracht Frankfurt gar um ihre Karriere bangen. Deswegen sehe sie das EM-Ergebnis nun mit „einem lachenden und einem weinenden Auge.“ Die Weite von 70,44 Meter und Rang vier seien sicher nicht das, was sie sich vorgestellt habe, „aber ich bin auch froh, dass ich überhaupt wieder werfen kann“.

London ist das Ziel

Man merkte Klaas während des Wettkampfes deutlich an, dass sie – so kurz nach dem Unfall – nicht mehr aus ihrem Körper herausholen kann, als jene 80 Prozent, die sie selbst ihren momentanen Leistungsstand nennt. Mehr geht nicht – auch nicht für einen Versuch.

Und so blieben Anita Wlodarczyk (Polen/74,29 Meter), Martina Hrasnova (Slowakei/73,34 Meter) und Anna Bulgakova (Russland/71,47 Meter) für Klaas außer Reichweite. „Leistungssport ist kein Gesundheitssport“, wusste sie, die seit 2009 beständig in die 74 Meter wirft.

Das hätte für ihre erste internationale Medaille gereicht. Doch die Hessin will der vertanen Chance nicht nachtrauern, sie hadert nicht mit ihrem Schicksal, dass ihr erneut einen Strich durch die Medaillen-Rechnung gemacht hat. „Ich bin noch viel auf der Suche“, vermisst Klaas einige Automatismen.

„Es geht aber weiter in die richtige Richtung“, sagt sie. Die Olympischen Spiele in London am 8. August sind das Ziel. Ein neuer Anlauf, ein neues Ziel, um mit einer Flagge am Rucksack die Arena zu verlassen. 

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