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Der noch nicht so bekannte Teil der neuen Doppelspitze: Interimspräsident Rainer Koch.

DFB-Nachfolgekandidat

Kieler mit Kante

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Rainer Koch hat seine eigene Sicht auf Recht und Ordnung im Fußball - das kann dem DFB nur helfen. Der gebürtige Kieler hat sich klar positioniert und öffentlich gemacht, dass die Vergabe der WM 2006 neu bewertet werden müsse.

Akkurater Seitenscheitel, randlose Brille, markanter Schnurrbart, ordentlicher Schlips: Vom äußerlichen Erscheinungsbild bedient Rainer Koch die gängigen Klischees. So einer kann Richter am Oberlandesgericht in München sein. Oder Funktionär beim Deutschen Fußball Bund (DFB) in Frankfurt. Es geht aber auch beides. Tatsächlich ist der neue Interimspräsident, der im Gespann mit Reinhard Rauball dem schwer ins Schlingern geratenen größten Sportverband des Landes vorsteht, einer jener Entscheider in der Otto-Fleck-Schneise, die nicht allein in der Parallelwelt des Fußballs, sondern auch im normalen Berufsleben funktionieren.

Im Gegensatz zum in Ehren ergrauten Mitstreiter Rauball ist sein Name dem gemeinen Fußballvolk allerdings nicht auf Anhieb ein Begriff. Aber wann, bitte, kann ein Vizepräsident, der zuständig für Rechts- und Satzungsfragen sowie Amateurfußball und Angelegenheiten der Regional- und Landesverbände ist, seine Sicht der Dinge schon in einem ARD-Brennpunkt nach der Tagesschau vortragen? Nur dann, wenn ziemlich viel Unbill für seine Institution droht.

Der gebürtige Kieler hat gleich mal klare Kante gezeigt und öffentlich gemacht, dass die Vergabe der WM 2006 neu bewertet werden müsse. Und dass die Umstände endlich aufgeklärt gehörten, unter denen das Sommermärchen ins Land gekommen ist. „Höchste Zeit“, so der 56-Jährige zudem vor laufender Kamera, dass auch Franz Beckenbauer Stellung beziehe. Da sprach ein promovierter Jurist, dem Recht und Ordnung über Namen und Ansehen gehen.

Insofern ist der mit einer Rektorin verheiratete Familienvater derzeit der richtige Mann am richtigen Ort. Seine Botschaften: „Ich habe Interesse daran, gemeinsam mit Reinhard Rauball die Dinge geordnet zu regeln. Ich habe Interesse daran, dass der DFB weiter reibungslos funktioniert.“ Doch ziemlich sicher ist auch: Im Gegensatz zu Rauball hat er auch Interesse an der Niersbach-Nachfolge.

Qua Amt gilt der lange unterschätzte Überzeugungstäter als Mann der Basis. Nur: Ist so einer auch dem schillernden Showgeschäft Profifußball vermittelbar? Und: Ist es vorstellbar, dass er bei einem Rückflug der Nationalmannschaft übers Bordmikro vor Bastian Schweinsteiger und Manuel Neuer eine launige Rede hält wie der Vorgänger das zu tun pflegte? Vielleicht rühren daher die Vorbehalte, die ihm aus Teilen der Liga entgegenschlagen. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge positionierte sich am Mittwoch ziemlich eindeutig und verlangte, nur Rauball soll den Verband führen. Er sei kein Freund der Doppelspitze, „den Fehler sollten wir nicht noch einmal machen“.

Koch fühlte sich übergangen

Aber warum soll Koch nicht das tun, was er einst als langjähriger Vorsitzender des DFB-Sportgerichts im Hoyzer-Skandal tat: den unnachgiebigen Auf- und Erklärer spielen. 2007 zog er auch deshalb ins Präsidium ein, doch vier Jahre später kam es zum Bruch mit Niersbach-Intimfeind Theo Zwanziger. Schuld war die Affäre um Manfred Amerell und Robert Kempter, in der sich Koch mit seinem Zuständigkeitsbereich fürs Schiedsrichterwesen übergangen fühlte. Die Verfehlungen bei den Schiedsrichtern trafen ihn auch deshalb bis ins Mark, weil er in jungen Jahren selbst bis zur Bayernliga als Referee fungiert hatte. Der Streit mit Zwanziger eskalierte – Koch gab den Schiedsrichterbereich ab und war im DFB auf einmal für Prävention, Integration, Freizeit- und Breitensport zuständig. Erst Niersbach machte die Entmachtung wieder rückgängig.

Koch gewann dann wieder weitere Machtfülle hinzu, als er vor vier Jahren auch noch den Vorsitz des Süddeutschen Fußballverbands übernahm – Präsident des Bayrischen Fußballverbands war er bereits seit 2004. Dass Bayern im Zuge der Strukturreform unterhalb der Dritten Liga eine eigene Regionalliga erhielt, entsprang seinem Ansinnen. Das brachte ihm auch Kritik ein. Bis heute leidet die vierte Spielklasse unter dem Konstrukt mit fünf Spielklassen ohne Direktaufstieg. Weiteren Zorn von Vereinen und Verlagen zog er sich in dem Konflikt mit den „Hartplatzhelden“ zu, die in einen Musterprozess mündeten. Auf dem Internetportal werden Videos und Filme von Amateurspielen eingestellt. Koch vertritt die Ansicht, dass so etwas ausschließlich über den DFB und die Landesverbände vermarktet werden darf. Es geht ums liebe Geld. Und dafür kämpft er erbittert.

Mancher hat sich schon oft gefragt, wo dieser Mann für seine vielen Aufgaben und Ämter die ganze Energie hernimmt. Als weitere Beschäftigung, ganz nebenbei, vertritt er im Gemeinderat seines oberbayrischen Wohnortes Poing noch die SPD. „Ein Koch für alle, und es schmeckt“, hat der „Münchner Merkur“ mal über den rastlosen Juristen geurteilt, der zwar viel lieber Richter als Anwalt werden wollte, der in seinem – mittlerweile halbtags – ausgeübten Beruf aber die Bestätigung vermisste, die ihm die Strahlkraft des Fußballs vermittelte. Und er verspürte auch dann Genugtuung, wenn er nicht dessen Sonnenseite behandelte.

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