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Einst ein Weltklassehandballer, nun erstmals Cheftrainer einer Weltklassemannschaft: Filip Jicha.

Filip Jicha im Interview

Kiel-Trainer Jicha: „Es wird brutal“

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Die Kieler Handballer erwarten zum Auftakt von anstrengenden Wochen die MT Melsungen.

Filip Jicha, gestatten Sie die Frage: Haben Sie sich als Trainer des Handball-Bundesligisten THW Kiel in den vergangenen Tagen etwas gelangweilt?
Langeweile gab es gar nicht (lacht). Ich war froh, dass ich mal aus dem Hamsterrad herausgekommen bin. Ich habe während der Ligapause drei Tage komplett ohne Handball verbracht.

Fast alle Kieler Spieler waren mit ihren Nationalteams unterwegs. Wie sah Ihr Kurzurlaub aus?
Die Zeit hat nur der Familie gehört. Ich habe die Zeit genutzt, um meine Eltern in unserer Heimatstadt Pilsen zu besuchen. Natürlich habe ich mir die Ergebnisse von meinen Nationalspielern angeschaut – aber keine Spiele. Ich habe mir selbst ein TV- und PC-Verbot auferlegt.

Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?
Es ist erst ein Drittel der Saison rum. Ich finde, dass wir ganz ordentlich gestartet sind. Vor allem gebührt meiner Mannschaft ein Kompliment dafür, wie sie sich präsentiert hat, als wir innerhalb von 48 Stunden zweimal spielen mussten. Sie hat sich nicht als Opfer gesehen, sondern sich für ihren großen Einsatz belohnt. Die Punkte aus der Champions League tun uns sehr gut. Wir dürfen uns aber nicht auf den kleinen Ereignissen ausruhen. Die nächsten zwei Monate werden brutal – es ist aber auch eine schöne Herausforderung für uns.

Am Donnerstag steht ein Topspiel an. Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf die Begegnung in eigener Halle gegen die MT Melsungen, die immerhin Tabellendritter ist?
Nach der Partie in Montpellier in der Königsklasse haben sich unsere Nationalspieler in alle Himmelsrichtungen verabschiedet. Wir haben jetzt zwei Trainingseinheiten, um uns auf Melsungen gut vorzubereiten. Ich sehe einen kleinen Nachteil darin, dass wir nur drei Spieler in Kiel hatten und kein Training machen konnten. Deswegen ist für mich klar: Wir müssen an unsere Leistungsgrenze gehen, wenn wir die zwei Punkte gegen die MT holen wollen.

Schon viele Ihrer tschechischen Landsleute haben für Melsungen gespielt: Von Petr Hruby über Petr Hazl bis hin zu Daniel Kubes. Inwieweit haben Sie die Entwicklung der MT in der Bundesliga mit besonderem Interesse verfolgt?
Melsungen hat sich respektabel entwickelt. Die MT hat die finanziellen Mittel, die spielerische Qualität und den Kader, um an der Spitze mitzumischen. In dieser Saison hat sie nach schwierigem Beginn in die Spur gefunden.

Beide Mannschaften sind zuletzt von Sieg zu Sieg geeilt. Welche Erwartungen haben Sie an dieses Duell?
Bei beiden Teams ist nach der Unterbrechung ein bisschen Ungewissheit dabei. Ich rechne mit einem kampfbetonten Spiel.

Wie bewerten Sie die Situation an der Tabellenspitze?
Die Liga ist extrem ausgeglichen. Die Teams im oberen Tabellendrittel sind in der Lage, überall zu punkten. Das macht diese Liga so unberechenbar. Ich werde deshalb niemals sagen, wer wo am Ende landet. Wir müssen hart arbeiten, um erfolgreich zu sein. Wenn bei uns alle fit sind, können wir auf allen drei Hochzeiten tanzen.

Es ist Ihr erstes Jahr als Chefcoach. Was hat Sie bislang am meisten überrascht?
Vieles ist so, wie ich es erwartet habe. Denn ich habe den Handball schon als Spieler gelebt. Ich bin sehr froh, mit dieser Mannschaft arbeiten zu können. Was allerdings auffällig ist: Der Job ist extrem zeitintensiv. Auf den Reisen musst du zum Beispiel immer die Spielvorbereitung für die kommenden Aufgaben erledigen. Doch bei aller Belastung macht es mir sehr viel Spaß.

Interview: Björn Mahr

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