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Marko Marin hat es irgendwie geschafft, den großen FC Chelsea London von seinem Können zu überzeugen.
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Marko Marin hat es irgendwie geschafft, den großen FC Chelsea London von seinem Können zu überzeugen.

Werder Bremen

Kernschmelze in Grün-Weiß

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Werder Bremen gibt im Jahr 2012 ein Bild des Jammers ab. Die Klub, der einst als spielfreudige Attraktion durch Europa tourte, verliert seine Perspektiven. Der Verkauf von Marko Marin an Chelsea passt zudem ins Bild. Werder gelingt es nicht mehr, Rohdiamanten zu veredeln.

Werder Bremen gibt im Jahr 2012 ein Bild des Jammers ab. Die Klub, der einst als spielfreudige Attraktion durch Europa tourte, verliert seine Perspektiven. Der Verkauf von Marko Marin an Chelsea passt zudem ins Bild. Werder gelingt es nicht mehr, Rohdiamanten zu veredeln.

Die Uneinigkeit nach Abpfiff war ziemlich offensichtlich bei den Akteuren des SV Werder Bremen. Torjäger Claudio Pizarro starrte Löcher in die Luft, Torwart Tim Wiese schüttelte nur den Kopf, Talent Florian Trinks kauerte auf dem Rasen. Und alle wirkten sie mal wieder ernüchtert und enttäuscht. Erneut hatte der SV Werder Bremen all jene Werte mit Füßen getreten, für die dieser Vorzeigeverein fast ein Jahrzehnt lang bundesweite Sympathien gesammelt hatte.

Die Zerfallserscheinungen beim törichten 1:3-Niederschlag gegen den gewiss nicht übermächtigen VfL Wolfsburg wirkten besorgniserregend. Werder-Verteidiger Sebastian Prödl ist dafür nach dem Duschen ein sehr passendes Statement eingefallen. „Dieses Spiel war ein Spiegelbild der gesamten Saison: Wir fangen gut an und lassen stark nach“, konstatierte der Österreicher treffend, der vermutlich diese Woche sein Arbeitspapier an der Weser verlängern wird.

Naldo könnte der nächste sein

Ein anderer macht dagegen den Abflug: Marko Marin erhält tatsächlich einen lukrativen Fünf-Jahres-Vertrag beim FC Chelsea – den Deal, der Werder mutmaßlich ungefähr jene Summe einbringen soll, die 2009 für den flinken Dribbler nach Mönchengladbach gingen (8,2 Millionen Euro), bestätigte Klubchef Klaus Allofs vor Spielbeginn ? verwunderte Mitspieler wie Torwart Tim Wiese („Chelsea? Ist das wahr?“) erfuhren davon erst nach Spielende. Für den nötigen Umbruch, ergänzte Allofs, seien „andere Stärken“ als jene Marins gefragt.

Dem Wechsel des bei Joachim Löw zuletzt nicht mehr berücksichtigten Nationalspielers wollte sich Werder schon aus finanziellen Erwägungen ein Jahr vor Vertragsablauf nicht versperren. Abwehrstar Naldo könnte der nächste sein, der aus diesem Grund noch verkauft wird. Und um die griechische Entdeckung Sokratis buhlen schon jetzt Klubs wie Juventus Turin.

Marin passte nicht ins System Werder

Marin, mittlerweile 23, taugt gut als Symbolfigur dafür, was den Bremer Baumeistern nicht mehr gelingt: Rohdiamanten aufzuspüren und zu veredeln. Der Irrwisch ist als ein begnadetes Talent gekommen; er geht als ein verletzungsanfälliger Trickser, für den das starre Spielsystem mit Mittelfeldraute und ohne Außenstürmer nicht gemacht war. Marin könne in einer funktionierenden Mannschaft die Glanzlichter setzten, erklärte Allofs – das Dumme ist nur, dass der Klubchef mit Cheftrainer Thomas Schaaf ein Aufgebot mit lauter Fehlfunktionen zusammengestellt hat.

Bremens Baumeister üben sich in den Rollen als Beschwichtiger: Weder sei die wirtschaftliche Situation (Allofs: „Wir haben die Lizenz ohne Auflagen“) noch die sportliche Lage dramatisch (Schaaf: „Wir werden wieder eine gute Mannschaft zusammenbekommen“). Dabei gibt ihr Verein im Jahr 2012 ein Bild des Jammers ab. Dass trotz mickrigen 13-Rückrunden-Punkten die Europa-League-Qualifikation theoretisch vor dem Saison-Kehraus gegen den FC Schalke 04 immer noch möglich ist, mutet eigentlich wie ein Wunder an.

In Wahrheit haben alle den internationalen Wettbewerb abgehakt, selbst wenn Allofs für die Qualifikation „auch noch in die Karpaten“ fahren würde. Beim ihm mag das ja stimmen, aber Stars wie der ablösefreie Torjäger Pizarro wirken schon seit Wochen so, als ginge ihnen die grün-weiße Zukunft noch wirklich viel an.

Kader ohne Konturen

Früher ist der SV Werder als spielfreudige Attraktion durch Europas Spielklassen getourt, heute wäre die Sorge berechtigt, dass dieser Verein das Bild einer prosperierenden Liga konterkarieren könnte. Abgesehen vom 1. FC Köln, Hertha BSC oder 1. FC Kaiserslautern gäbe es gerade keinen schlechteren Botschafter, so untertourig gibt sich dieser konturlose Kader, der in derzeitiger Konstellation nicht annähernd an den forschen Vorwärtsfußball von früher zu erinnern. Dazu kommt das ewige Dilemma der Schaaf-Ära in der Rückwärtsbewegung. „Wir haben gefühlt 200 Mal in sieben Jahren Kontertore nach eigenen Standards bekommen“, klagte Torwart Wiese, „das ist kaum zu erklären, das ist schon dumm.“

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