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"Keinen Bock auf dumme Ausreden"

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Von: Frank Hellmann

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© ap

Dem wegen auffälliger Blutwerte verdächtigen Triathleten Leder droht der eigene Verein mit Rauswurf

Genau vor einer Woche war die Welt des DSW Darmstadt noch in Ordnung. Vergangenen Dienstag hatte Oberbürgermeister Walter Hoffmann ins "Alte Schalthaus" geladen. Zum gemütlichen Abendessen im elitären Kreis. Dabei Frank Vytrisal, Sebastian Dehmer sowie Nicole und Lothar Leder, die Topathleten des DSW, die Aushängeschilder der fast 300 Mitglieder starken Triathlon-Abteilung. "Da haben wir uns noch alle in den Armen gelegen", sagt Abteilungsleiter Guido Reisch. Heute sei er "fürchterlich getroffen und sehr enttäuscht". Und er geht zu dem wegen auffälliger Blutwerte verdächtigen Lothar Leder auf Distanz. "Ich habe keinen Bock auf dumme Ausreden", sagt der 54-jährige Reisch der FR, "Lothar hat eine Bringschuld. Wenn er nicht bald zur Aufklärung beiträgt, haben wir ein Problem damit, dass er unter unserem Namen startet." Will heißen: Es droht der Rauswurf.

Kontakt zu zwielichtigen Ärzten?

Reisch: "Da helfen keine vom Dopinganwalt juristisch ausgeklügelten Erklärungen, Unterlassungsverpflichtungen oder Anschuldigungen. Zuerst einmal sind seine Blutwerte zu hoch, und das gilt es zu erklären." Aus Leders Heimatklub sickert durch, der 36-Jährige habe zuletzt Kontakt zu zwielichtigen italienischen Ärzten gehabt. Daher verlangt Reisch von Leder via Vereinshomepage: "Wir wollen nicht hören, dass Epo in Nahrungsergänzungsmitteln oder in der Zahnpasta dahergeflogen kam. Wenn Epo über italienische, spanische Ärzte im Spiel ist, dann steh' dazu!" Nicht betroffen von dem Verdacht ist die in Frankfurt siegreiche Nicole Leder. Bei der 35-Jährigen zeigten die Blutproben keine Auffälligkeiten von Hämatokrit und Hämoglobin. Bisher will Nicole Leder auch beim von Kurt Denk veranstalteten Ironman 70.3 über die Halbdistanz am 19. August in Wiesbaden starten.

DTU gespalten

Lothar Leder, der pikanterweise kürzlich vermutete, dass der "Triathlon ein ähnliches Dopingproblem wie der Radsport" habe, ist die Teilnahme untersagt. Er werde bald woanders starten, sagt er - und sei ohnehin ganz entspannt. In Wahrheit wirkt er aufgelöst. Sein Anwalt Michael Lehner, in dessen Heidelberger Büro sich Leder gestern beraten ließ, spricht von der "Zerstörung eines Sportlebenswerkes". Denk würde eine "Schnellschuss-Politik" betreiben und wie "eine Dampfwalze über Athleten fahren". Lehner: "Es ist keine anerkannte Methode zum Epo-Nachweis. Die Dopingbeschuldigung geht zu weit." Auch Lehner ignoriert, dass Denk de jure nicht vom Dopingfall spricht.

Das forsche Vorgehen Denks spaltet die Deutsche Triathlon-Union (DTU). Deren Vizepräsident Martin Bentele ist für seine beschwichtigenden Äußerungen ("Es ist schade, dass der Athlet in ein falsches Licht gerückt und beschädigt wird") von Präsident Klaus Müller-Ott gemaßregelt worden. "Das ist nicht die Stimme der DTU", sagt Müller-Ott. "Nur wenn Veranstalter, Verband und Nada ganz eng zusammenarbeiten, bekommen wir das Netz enger." Er würdigte "die Pionierarbeit, die mit Bluttests geleistet wurde". Und kündigte ähnliches für die Weltmeisterschaft über die Olympische Distanz im September in Hamburg an.

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